Bayern München

Coutinho führt zu Müllers Frust

Thomas Müller ist beim FC Bayern nur noch Edel-Joker. Der Frust ist dem Münchner anzumerken – und die Folgen könnten drastisch sein.

Aktuell nur zweite Wahl: Bayerns Thomas Müller.

Aktuell nur zweite Wahl: Bayerns Thomas Müller.

Foto: Lino Mirgeler / dpa

München. Thomas Müller wäre nicht Thomas Müller, würde er seinen ganzen Ärger und seine ungewohnte Sprachlosigkeit nicht noch in einem klitzekleinen Spruch verpacken: „Nothing to say, wie der Engländer sagt“, rief er den Journalisten zu, als er flotten Schrittes aus der Allianz Arena marschierte. Zusatz: „Gar nix!“. Da war es 17.40 Uhr am Sonnabendnachmittag und gerade mal seit 20 Minuten abgepfiffen. Kein anderer Bayern-Profi hatte die Kabine schneller verlassen nach der 1:2-Pleite gegen die TSG Hoffenheim.

Des Müllers Frust kam nicht von der ersten Heimniederlage seit fast genau einem Jahr, wodurch die Serie von 20 ungeschlagenen Bundesliga-Spielen riss. Nein, von einem Rekord, einem bitteren Rekord. Der 30-Jährige saß zum fünften Mal hintereinander bei Anpfiff eines Pflichtspiels auf der Bank. Noch kein Trainer hat es gewagt, auf den Mann, der den X-Faktor, das Unberechenbare, ins Spiel bringt, so oft in Folge zu verzichten.

Coutinho erhält aktuell den Vorzug

Coach Niko Kovac zieht es durch. Louis van Gaals Ausspruch „Müller spielt immer“ markiert die Fallhöhe für Tage wie diese. Lediglich 69 Minuten Einsatzzeit in diesen fünf Partien sind eine Farce für den Weltmeister von 2014. Ebenso wie ein lausiges Tor in elf Pflichtspielen.

Schlimmer noch: Der Kommentar seines Trainers zur Frage, warum Müller wieder fehle in der Startelf. „Er ist nicht irgendjemand. Thomas ist sehr wichtig, aber die anderen Spieler auch“, erklärte Kovac und fügte etwas respektlos hinzu: „Wenn Not am Mann sein sollte, wird er mit Sicherheit auch seine Minuten bekommen.“ Vom Immerspieler zum Notnagel, ein ganz bitterer Abstieg.

Gegen Hoffenheim brachte ihn Kovac in der 60. Minute, Müller glänzte mit der Flanke zum zwischenzeitlichen 1:1 von Robert Lewandowski. „Thomas hat noch mal Schwung reingebracht“, lobte Kovac, der jedoch auf Philippe Coutinho, den neuen Heilsbringer aus Brasilien, ausgeliehen für eine Saison vom FC Barcelona, als Spielmacher setzt. Für ihn änderte Kovac sein System, für beide sei kein Platz auf dem Feld, betonte er.

Wechselt die Identifikationsfigur im Winter?

Der Vertrag des dienstältesten Münchners (seit 2000 bei Bayern, Profidebüt im August 2008) läuft bis 2021, über eine Verlängerung wurde noch nicht gesprochen. Müller wird sich seine Gedanken machen obwohl er, aufgewachsen am Ammersee, eigentlich seine Karriere in München beenden wollte. Der frühere Bayern-Profi Didi Hamann („Wie lange das gut geht, wird man sehen“) schließt nicht aus, dass Müller in der Winterpause einen Wechsel forcieren könnte.

21 Titel hat Müller mit seinem Herzensverein gewonnen, ist mit 106 Einsätzen Bayerns Rekordspieler in der Champions League. Es brodelt in ihm, noch bleibt er cool. Wie lange noch?