Leichtathletik

Hindernis-Star Gesa Krause gegen den Rest der Welt

Die Hindernis-Europameisterin geht am Montag auf WM-Medaillenjagd. Dafür hat sie sich seit einem Jahr keinen freien Tag gegönnt.

Für Gesa Felicitas Krause (M.) soll es im Finale nicht nur hoch hinausgehen.

Für Gesa Felicitas Krause (M.) soll es im Finale nicht nur hoch hinausgehen.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Doha. Die ganze Quälerei, die ganzen Entbehrungen, all das Training – am Montag kurz vor 22 Uhr Ortszeit (ab 20.50 Uhr, ZDF) soll sich das alles für Gesa Felicitas Krause auszahlen. Wenn die zweimalige Hindernis-Europameisterin bei der Leichtathletik-WM in Doha um Edelmetall kämpft, hat die 27-Jährige ein Jahr Plackerei hinter sich. „Mit der Medaille wird es natürlich schwer, wir haben hier grandiose Mädels am Start. Aber ich freue mich auf die Herausforderung“, sagt Krause.

Und kämpfen kann sie ja. Nach ihrem Bronze-Coup bei der WM 2015 lief sie zwei Jahre später in London in die Herzen der Fans: Unverschuldeter Sturz, Aufholjagd, Platz neun. In Doha hofft sie nun wieder auf etwas Zählbares. Und die Olympischen Spiele in Tokio sind ohnehin immer im Blickpunkt.

Für eine Medaille müsste wohl ihr deutscher Rekord fallen

Dafür schuftete Krause im Vorfeld wie noch nie, seit Ende Oktober 2018 gönnte sie sich keinen freien Tag. „Das ist für einen Außenstehenden vermutlich wirklich unvorstellbar“, sagt Krause, die für ihre Ziele in Höhentrainingslagern in Kenia, den USA, der Schweiz und Südafrika ackerte: „Ich hatte viele Jahre großen Respekt vor den Schmerzen im Training, aber mittlerweile freue ich mich auf die harten Tempoeinheiten.“

Die sind auch nötig, denn die Konkurrenz am Montag ist stark. Drei Kenianerinnen um Weltrekordlerin Beatrice Chepkoech, die für Bahrain startende gebürtige Kenianerin Winfred Mutile Yavi und die USA mit Titelverteidigerin Emma Coburn sowie der WM-Zweiten Courtney Frerichs haben bessere Bestleistungen als Krause.

Doch die Deutsche geht ohnehin davon aus, dass für eine Medaille ihr eigener deutscher Rekord von 9:07,51 Minuten, aufgestellt erst Ende August, wohl fallen muss. „Ich bin eine Wettkämpferin“, sagt Krause: „Ich denke, es wird sehr schnell, das Niveau ist sehr hoch. Es wird nicht einfach, aber dafür ist man ja bei einer WM.“

Im Vorlauf zeigte Krause schon, wozu sie fähig ist

Und die äußeren Bedingungen, von denen in Doha alle Pläne der Sportler abhängen? „Mit den ganzen Temperaturwechseln ist es nicht einfach für den Körper. Wir müssen das Beste daraus machen“, sagt Krause, die sich nach dem Vorlauf am Freitag in der klimatisierten Mixed-Zone eine Jacke leihen musste. Ansonsten sei es aber auf der Bahn durchaus „angenehm“. Und dennoch: „Man muss erstmal gucken, wer gesund ins Finale gekommen ist.“

Das schaffte die Triererin inzwischen zum fünften Mal bei einer WM – Rekord. Im Vorlauf am Freitagabend hinterließ die 1,67 Meter große Läuferin als Gesamtdritte einen starken und äußerst souveränen Eindruck gegen die übermächtige internationale Konkurrenz. Alleine damit wird sie sich aber nicht zufrieden geben.

„Wenn ich am Ende des Rennens in Doha eine neue Bestzeit abgeliefert und alles aus mir herausgeholt habe und bin damit Vierte, Fünfte, Sechste, Siebte oder Achte, muss ich das akzeptieren“, hatte sie im Vorfeld gesagt: „Aber dass ich von einer Medaille träume, ist klar.“

Und eine Belohnung für die Qualen ist ohnehin schon beschlossen, der Urlaub nach der WM ist gebucht: Es geht nach Griechenland. Mit der Hoffnung auf einigermaßen normale „sommerliche Temperaturen“.