Berliner Amateurfußball

BFV will keine Schiedsrichter mehr zu Al-Dersimspor schicken

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Mit Idylle hat der Schiedsrichter-Job im Amateurfußball nur selten etwas zu tun.

Mit Idylle hat der Schiedsrichter-Job im Amateurfußball nur selten etwas zu tun.

Foto: Claus Bergmann / picture alliance / Claus Bergmann

Das Team des Berlin-Ligisten Al-Dersimspor gerät mit einem Schiedsrichter aneinander. Nun greift der Verband zu drastischen Mitteln.

Berlin. Das Sportgericht des Berliner Fußball-Verbandes (BFV) will im Fall BSV Al-Dersimspor schon vor der offiziellen Verhandlung am 11. Oktober erste Maßnahmen ergreifen. Dazu wird es am Freitag eine Sitzung geben, bestätigte BFV-Sprecherin Vera Krings.

Beim Berlin-Liga-Spiel des Kreuzberger Vereins gegen den Frohnauer SC (2:4) am vergangenen Sonntag soll es zu einer gewalttätigen Attacke gegen Schiedsrichter Stefan Paffrath gekommen sein. Der Verband hatte daraufhin verfügt, bis zum 11. Oktober die Spiele von Al-Dersimspor nicht mit Schiedsrichtern zu besetzen. Wie diese Partien gewertet werden, ist genauso offen wie die Strafen für Al-Dersimspor.

"Es handelte sich nicht um den ersten Vorfall mit Beteiligung des Vereins", teilte der BFV mit. "Darüber hinaus wurde eine Vereinbarung zwischen Verein und Schiedsrichter-Ausschuss zur Schiedsrichter-Sicherheit nicht eingehalten, und Auflagen wurden nicht erfüllt, die der Verband dem Verein im Rahmen eines Präventionsgesprächs im Mai auferlegt hatte."

Vier Platzverweise in einem Spiel

Al-Dersimspors Sportdirektor Erdal Güncü kritisierte die Maßnahme als zu hart. „Ich verstehe, dass die Schiedsrichter Zeichen setzen wollen“, sagte Güncü am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur, „aber es geht um die Spiele von allen Mannschaften bis zur Jugend, zu denen kein Unparteiischer abgestellt wird. Das finde ich überdreht.“ Von Seiten des BFV blieb eine Stellungnahme bis zum Donnerstagabend aus.

Gerade an der Leitung des Referees, der insgesamt vier Spieler des Kreuzberger Vereins vorzeitig vom Platz gestellt hatte, entzündet sich die Kritik. Güncü berichtete, dass Trainer und Spieler in der 90. Minute angesichts des Spielstandes von 2:4 den Schiedsrichter gebeten hätten, abzupfeifen. Paffrath ließ aber weiterspielen und stellte noch zwei weitere Akteure vom Platz.

„Das ist uns mit dem Herrn schon öfters passiert. Es gibt nur wenige Spiele, die wir unter seiner Leitung mit elf Mann beenden“, sagte Güncü, betonte aber auch: „Das ist kein Grund, deshalb den Schiedsrichter anzugreifen.“

2018/19 insgesamt 150 Attacken auf Referees

Am 11. Oktober wird der Fall nach Einhaltung einer 14-Tage-Pflicht vor dem Sportgericht verhandelt. Die Strafe könnte bis zum Ausschluss aus dem Spielbetrieb reichen. Der betroffene Unparteiische hat nach dem Vorfall vier Tage Zeit für einen Sonderbericht, diese Frist lief am Donnerstag ab. Am Freitag will das Sportgericht laut BFV dann „entsprechende Maßnahmen ergreifen“, die bis zu einer vorläufigen Suspendierung von Al-Dersimspor führen könnten.

In der Vorsaison hatte es im Berliner Amateurfußball 150 Vorfälle gegeben, in denen Schiedsrichter verbal oder sogar körperlich attackiert worden sind. Laut Jörg Wehling, Vorsitzender des Berliner Verbandsschiedsrichterausschusses, gebe es für die rund 1600 Spiele pro Wochenende im Amateurbereich in der Hauptstadt nur noch 1100 Unparteiische. Fast 15 Prozent von ihnen seien mindestens einmal im Jahr von Vorfällen betroffen gewesen. „Immer mehr Schiedsrichter stellen die Frage: Warum machen wir es?“, sagte Willig.

( dpa/BM )