Kommentar

Wie Migrantenvereine durch Abgrenzung Integration behindern

Im Berliner Amateurfußball kommt es zum Konflikt zwischen einem Migrantenklub und Schiedsrichtern. Das Problem liegt viel tiefer.

Gleich vier Rote Karten bekam der Berlin-Ligist Al-Dersimspor am vergangenen Wochenende.

Gleich vier Rote Karten bekam der Berlin-Ligist Al-Dersimspor am vergangenen Wochenende.

Foto: dpa/Reto Klar/BM

Berlin. Das Thema birgt Brisanz: Nachdem es bei einem Fußballspiel des Berlin-Ligisten BSV Al-Dersimspor zu einem Konflikt zwischen Team und Schiedsrichter gekommen ist, will der Berliner Fußball-Verband (BFV) vorerst keine Unparteiischen mehr zum Kreuzberger Klub schicken. Eine radikale Entscheidung, noch ehe der Fall vor dem Sportgericht verhandelt worden ist.

Dass sich Al-Dersimspor dadurch ungerecht behandelt fühlt, ist nachvollziehbar. „Sicher liegt manches auch an uns“, hat der Sportliche Leiter Erdal Güncü nach den vier (!) Roten Karten am vergangenen Wochenende eingeräumt, „manche Spieler können mit dem angestauten Frust nicht umgehen.“ Deswegen nun alle Mannschaften des Klubs bis in die Jugend zu bestrafen, hält er jedoch „für überdreht“.

Betonung eines „Wir gegen die“-Gefühls

Wie es in der Causa weitergeht – ob Al-Dersimspor womöglich sogar gesperrt wird – entscheidet sich wohl erst Anfang Oktober. Ein anderer Fakt steht hingegen schon lange fest, nämlich, dass Migrantenvereine überproportional häufig involviert sind, wenn es auf den Plätzen hoch hergeht.

Sicher, exotische Vereinsnamen von Afrisko über Hilalspor bis Tur Abdin (Namen willkürlich gewählt, Anm. d. Red.) sind das Spiegelbild einer vielfältigen und bunten Gesellschaft und im Grundsatz zu begrüßen. In der Praxis auf den Plätzen zeigt sich jedoch leider viel zu oft, dass der gut gemeinte Ansatz in Konflikten mündet. Sind ethnische Vereine beteiligt, führt dies häufig zur Betonung eines „Wir gegen die“-Gefühls, das weit über den sportlichen Wettkampf hinausgeht. Ein Umstand, der von Sportsoziologen nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland registriert wird.

Um es ganz klar zu sagen: Dies soll keine Schuldzuweisung an Migrantenvereine sein! Die Entstehung dieser Klubs ist nachvollziehbar, und die Herausforderungen rund um ethnische Vereine sind so vielschichtig und komplex, dass sie in der Vergangenheit etliche Buchdeckel gefüllt haben. Die Zahlen indes sind simpel: Kommt es auf den Plätzen zu Problemen, sind auffällig oft Migrantenklubs beteiligt.

Konflikte werden auf dem Platz verstärkt

Die Frage, wer in diesen Fällen „Opfer“ oder „Täter“ war, ist an dieser Stelle gar nicht entscheidend. Die schiere Häufung taugt zum Indiz dafür, dass eine Abgrenzung über den Verein oder seinen Namen auf dem Spielfeld eher Konflikte verstärkt als schlichtet. Ein Phänomen, das nicht im Zeichen des Sports und erst recht nicht im Sinne der Integration steht.

Wäre es nicht viel wünschenswerter, wenn sich alle Klubs – egal ob Traditions- oder Migrantenverein – so integrativ und weltoffen wie möglich geben, statt eine bestimmte Herkunft zu akzentuieren? Ich bin der Meinung: ja.