Kommentar

Hoeneß, Löw und die DFB-Keeper: Jedes Wort ist eins zu viel

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Jörn Lange
Pflegen ein nicht ganz einfaches Verhältnis: Bayern-Präsident Uli Hoeneß (l.) und Bundestrainer Joachim Löw, hier 2014 in München.

Pflegen ein nicht ganz einfaches Verhältnis: Bayern-Präsident Uli Hoeneß (l.) und Bundestrainer Joachim Löw, hier 2014 in München.

Foto: Marc Müller / dpa

Neuer oder ter Stegen - die Debatte um die DFB-Torhüter ist derart überhitzt, dass es weh tut. Und das liegt nicht nur an Uli Hoeneß.

Berlin. Die Ansage wirkte selbst für Uli-Hoeneß-Maßstäbe absurd – und das will schon was heißen. In der Pseudo-Debatte um die Torhüter der Nationalmannschaft packte der Präsident des FC Bayern am Mittwoch den ganz dicken Knüppel aus. Sollte Manuel Neuer, seines Zeichens Münchner Säulenheiliger, seinen Status als Nummer eins an Marc-André ter Stegen verlieren, würden die Münchner keine Nationalspieler mehr abstellen, habe Hoeneß (67) laut „Sport Bild“ gepoltert. Einen Wechsel würde der große FC Bayern „nie akzeptieren“.

Wo soll man da nur anfangen? Bei drohenden Strafen für die Nichteinhaltung der Abstellungspflicht? Bei der Frage, wie es den Bayern-Stars denn überhaupt gefallen würde, wenn sie nicht mehr fürs DFB-Team auflaufen dürften? Beim Umstand, dass Hoeneß’ Dampfhammer-Aussage schon eine Woche alt ist und inzwischen von seinem Büro relativiert wurde? Oder doch eher bei der Tatsache, dass sich landauf und landab kaum ein Medium zu schade war, diesem ohnehin leidigen Thema weitere Schlagzeilen abzutrotzen?

Sind wir doch mal ehrlich: Auch wenn man schier endlos darüber streiten kann, ob nun Neuer oder ter Stegen in der Torhüter-Skala ein My vorne liegt – was soll das Ergebnis schon ändern? So oder so stünde einfach ein sehr, sehr guter Keeper zwischen den deutschen Pfosten, der Rest ist eine hochgejazzte Hechel-Diskussion.

Weder ter Stegen noch Neuer, ohnehin eher Musterknaben als Krawallbrüder, haben sich unsportlich verhalten. Dass Joachim Löw vorwiegend nach Treueherzen aufstellt, kann man ihm seit der Ausmusterung der Weltmeister-Granden Hummels, Boateng und Müller nicht mehr vorwerfen. Und Hoeneß hat bei diesem Thema ohnehin nichts zu entscheiden.

Wie wär’s also, wenn wir diesen Windhauch nicht ständig künstlich zum Sturm aufplustern, sondern uns mit sachlicheren Themen beschäftigen? Im Hause DFB soll es ja durchaus ein paar echte Probleme geben…

Jede neue unsouveräne Hoeneß-Einlassung über den digitalen Äther zu jagen, kann es jedenfalls nicht sein. Oder muss jetzt, da Mister „Abteilung Attacke“ seinen Rückzug angekündigt hat, etwa alles raus? Bitte nicht. Ich bin jedenfalls der Meinung: Das kann weg.