Leichtathletik-WM

Was Sie zur Leichtathletik-WM wissen müssen

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Melanie Meyer
Im Khalifa-Stadion in Doha laufen die letzten Vorbereitungen für die WM.

Im Khalifa-Stadion in Doha laufen die letzten Vorbereitungen für die WM.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Wer sind die Stars? Wie hoch sind die Prämien? Was ist vom Austragungsort zu halten? Die Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen.

Berlin. Die Wüste lebt: Ab Freitag findet in Doha, der Hauptstadt von Katar, die 17. Weltmeisterschaft der Leichtathleten statt. Rund 3500 Athleten aus mehr als 200 Ländern kämpfen bis zum 6. Oktober in 49 Wettbewerben um die Medaillen. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) schickt 71 Athleten ins Rennen. Wer von ihnen kann sich Hoffnungen auf eine Medaille machen? Wer sind die Stars? Wo ist die WM zu sehen? Ein Überblick.

Deutsche Hoffnungsträger: „Wir dürfen uns nichts vormachen: Unsere Möglichkeiten sind überschaubar. Wir haben ein paar ganz gute Eisen im Feuer, aber es muss vor Ort alles passen“, sagt DLV-Präsident Jürgen Kessing. Tatsächlich: Es wird schwer. Nach dem Rücktritt von Diskus-Star Robert Harting ist die Zahl der Medaillen-Kandidaten überschaubar.

Gold-Favoritin ist aber in jedem Fall Malaika Mihambo. Die Weitsprung-Europameisterin reist als Nummer eins der Welt an. Zudem ist Speerwurf-Weltmeister Johannes Vetter pünktlich zur Titelverteidigung in Form. Auch seine Kollegen Thomas Röhler und Andreas Hofmann haben Medaillenchancen. Ebenso wie die deutsche 100-Meter-Staffel der Frauen, die mit SCC-Athletin Gina Lückenkemper in diesem Jahr schon Weltjahresbestzeit gelaufen ist.

Für Überraschungen könnten Hindernis-Läuferin Gesa Felicitas Krause und Konstanze Klosterhalfen sorgen, die sich noch zwischen 1500 und 5000 Metern entscheiden muss. Die DLV-Bilanz von London 2017 mit einem Titel und vier weiteren Medaillen scheint derzeit aber utopisch.

Internationale Stars: Nach dem Rücktritt von Sprint-Superstar Usain Bolt wird ein Nachfolger gesucht. Zwar fehlt den meisten Athleten noch seine Mischung aus Leistung und Charisma, dennoch lässt mancher aufhorchen. Wie der Norweger Karsten Warholm. Der Europarekordler und Weltmeister, der seine Siege über 400 Meter Hürden gerne mit Wikinger-Helm feiert, kennt nur Vollgas, neigt zu schrägen Auftritten.

Ein Star seiner Disziplin ist Kevin Mayer – der Zehnkampf-Weltrekordler aus Frankreich will den Titel, nachdem er bei der EM 2018 in Berlin vorzeitig ausgeschieden war. Einen riesigen Sprung hatte dort Armand Duplantis gemacht. Der schwedische Stabhochspringer schaffte mit 18 Jahren die 6,05 Meter und wurde Europameister. Nun soll für „Mondo“ der nächste Titel folgen.

Bei den Frauen steht Allyson Felix im Fokus. Die US-Amerikanerin ist mit elf Mal Gold, dreimal Silber und zweimal Bronze bei Weltmeisterschaften sogar erfolgreicher als Usain Bolt. Nach der Geburt ihrer Tochter Camryn feierte die 33-Jährige im Juli ihr Comeback, ist mit der 400-Meter-Staffel qualifiziert.

Die WM im TV: 130 Kameras werden Bilder in die Welt senden, ARD und ZDF übertragen abwechselnd live im TV und online. Den Anfang macht am Freitag ab 16.10 Uhr die ARD, den Abschluss am Sonntag, 6. Oktober, ab 18.05 Uhr, das ZDF. Auch im Eurosport-Channel auf DAZN sind die Wettkämpfe zu sehen.

Der Fall Russland: Der russische Verband bleibt wegen des Doping-Skandals weiter gesperrt. Die 29 Athleten, die in Doha antreten, starten unter neutraler Flagge. Sie müssen zahlreiche Auflagen erfüllen, zudem wird bei einem Sieg nicht die russische Hymne gespielt.

Der Gastgeber Katar: Das Khalifa-Stadion gilt als größter Kühlschrank der Welt. Da die Außentemperatur in Katar derzeit rund 40 Grad beträgt, kann der Innenraum der 40.000 Zuschauer fassenden Arena, die 2022 auch Spielstätte der Fußball-WM sein wird, auf 26 Grad heruntergekühlt werden. Zahlreiche Wettbewerbe werden wegen der hohen Temperaturen trotzdem erst in der Nacht ausgetragen. Die Marathonläufer starten um 23.59 Uhr (Ortszeit), die Zehnkämpfer küren ihren Weltmeister erst nach Mitternacht.

Insgesamt ist der Austragungsort äußerst umstritten. Die Titelkämpfe sollen 2014 unter dubiosen Umständen nach Katar vergeben worden sein. Auch gerät der Öl-Staat immer wieder wegen Verstößen gegen die Menschenrechte in die Kritik.

Siegprämien: Der Weltverband IAAF schüttet ein Preisgeld von insgesamt 7,53 Millionen US-Dollar aus, etwa 6,82 Millionen Euro. Für Gold gibt es 60.000 Dollar, für Silber 30.000, für Bronze 20.000 Dollar. Der Achte erhält noch 4000 Dollar. Für die Verbesserung eines Weltrekords gibt es noch einmal 100.000 Dollar extra. Bei den Staffeln erhält das Siegerteam 80.000 Dollar.