Kommentar

Leclerc schadet Ferrari und sich selbst

Statt sich mit Sebastian Vettel zu freuen, fühlt sich Charles Leclerc um den Sieg betrogen. Eine Dummheit, kommentiert Dietmar Wenck.

Sebastian Vettel (r.) scheint seinen Teamkollegen Charles Leclerc nicht richtig zu verstehen. Damit steht der Deutsche nicht allein.

Sebastian Vettel (r.) scheint seinen Teamkollegen Charles Leclerc nicht richtig zu verstehen. Damit steht der Deutsche nicht allein.

Foto: dpa

Eigentlich hätte Lewis Hamilton am Boden zerstört sein müssen. Das Podium erstmals seit knapp zwei Monaten verfehlt, zum dritten Mal in Folge gewinnt nicht Mercedes, sondern Ferrari ein Formel-1-Rennen. Trotzdem darf man annehmen, dass der Brite sich heimlich gefreut hat. Nicht allein über seinen immer nach komfortablen Vorsprung in der WM-Wertung. Sondern zugleich darüber, was bei seiner Konkurrenz gerade passiert. Die Roten gewinnen zwar, feiern gar einen Doppelsieg, und doch ärgern sie sich schwarz. Weil sie sich offensichtlich nicht grün sind.

Fehlt es am Grip oder am Grips?

Der Monegasse Charles Leclerc fühlt sich um den Sieg betrogen. Ein 21-Jähriger, der in seiner noch jungen Karriere ganze zwei Rennen gewonnen hat. Hat er jetzt schon die Bodenhaftung verloren, den Grip? Oder fehlt es nur an Grips? Bei seinem elf Jahre älteren Teamkollegen Sebastian Vettel sind es 53 Rennsiege, beim Titelverteidiger Lewis Hamilton 81. Leclerc hat in seiner zweiten Formel-1-Saison, seiner ersten bei Ferrari, schon bewiesen, dass er ein sehr talentierter Rennfahrer ist. Aber mehr auch nicht. Sich größer zu machen, als er ist, wird ihm nichts nützen.

Im Gegenteil: Statt zu lächeln, weil Ferrari jetzt vielleicht seine lange Leidenszeit überwunden und ein überlegenes Auto hat, sät er im schönsten Moment Zwietracht. Statt dankbar zu sein, neben einem viermaligen Weltmeister sehr viel Freiraum zu bekommen, nicht wie ein Lehrling behandelt zu werden und damit auch schon erste große Erfolge erzielt zu haben, gibt sich Leclerc mimosenhaft.

Warme Worte Vettels in Richtung der Mechaniker

Das schadet nicht nur ihm, sondern seinem Team in Maranello. Und damit schadet er sich gleich noch ein zweites Mal. Die Ferrari-Mechaniker, manchmal belächelt, hören sehr wohl, wie sich Vettel nach seinem Comeback äußerte. Der sagte nicht: Ich bin wieder da, das war ein großartiges Rennen von mir. Sondern: Das war ein Sieg des Teams. Und er sagte auch, dass niemand wichtiger sei als Ferrari.

Leclerc schert gerade aus diesem Team aus. Statt sich mit seinem Kollegen zu freuen, der wahrlich schwere Monate hinter sich hat, auch selbstverschuldet, macht er sich nicht nur ihn zum Gegner. Wie dumm von ihm. Und wie angenehm für Lewis Hamilton. Ferrari könnte sich für ihn auf der Zielgeraden dieser Saison vielleicht wirklich noch zu einem echten Gegner entwickeln. Aber so ganz bestimmt nicht.