Bundesliga

Wie Leipzig im Titelrennen Druck auf die Bayern macht

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Thomas Müller (M.) und seine Münchner konnten das direkte Duell gegen RB Leipzig in dieser Hinrunde nicht gewinnen – 1:1.

Thomas Müller (M.) und seine Münchner konnten das direkte Duell gegen RB Leipzig in dieser Hinrunde nicht gewinnen – 1:1.

Foto: Alexander Hassenstein / Bongarts/Getty Images

Reifer, flexibler, stabiler: Spitzenreiter Leipzig hat sich stark verbessert. Die Bayern werden derweil mehr und mehr zur Ein-Mann-Show

Leipzig/München. Nicht Bayern, nicht Dortmund – RB Leipzig gibt momentan im Titelrennen den Ton an. Mit einem beeindruckend souveränen 3:0 (2:0) bei Werder Bremen verteidigten die Sachsen in der Fußball-Bundesliga ihre Tabellenführung. Das Signal an die Konkurrenz ist eindeutig: Der Weg zur Meisterschaft führt in dieser Saison auch über Leipzig.

Von markigen Kampfansagen sind sie beim aktuellen Spitzenreiter jedoch weit entfernt. „Das war noch keine Drohung an die Liga“, sagte Trainer Julian Nagelsmann: „Wir haben kein Feuerwerk abgebrannt und waren nicht immer dominant genug.“

Vielleicht ist es aber genau das, was die Leipziger in diesem Jahr so gefährlich macht. Sie gewinnen auch jene Partien, in denen sie den Gegner nicht an die Wand spielen. Das war beim 3:1 in Gladbach so und nun auch in Bremen, wo Leipzig bislang noch nie hatte gewinnen können. Erstaunlich war zudem, wie problemlos der Pokal-Finalist der vergangenen Spielzeit die Strapazen der ersten englischen Woche wegsteckte.

RB profitiert von neuer Kader-Breite

In der vergangenen Saison hatte Ex-Coach Ralf Rangnick die Auftritte in der Europa League praktisch abgeschenkt, nun aber wollen die Leipziger in der Champions League voll mitmischen, was mit dem 2:1 bei Benfica Lissabon am vergangenen Dienstag schon mal gut begann.

Ein Punkt gegen die Bayern, der Sieg in Lissabon, nun der Dreier in Bremen. „Wir sind sehr zufrieden mit der Woche“, sagte Sportdirektor Markus Krösche, „gerade wenn man sieht, wie wir gegen Benfica oder auch heute aufgetreten sind. Das war sehr souverän. Wir sind auf einem sehr guten Weg.“

Tatsächlich scheint Rangnick-Nachfolger Nagelsmann sein Team noch einmal auf ein neues Niveau zu heben. Hinzu kommt ein exquisit besetzter Kader, der am Sonnabend auch Ausfälle oder Ruhepausen von Leistungsträgern wie Marcel Halstenberg, Kevin Kampl, Yussuf Poulsen oder Emil Forsberg nahezu mühelos kompensierte.

Lewandowski will Coutinho besser machen

360 Kilometer weiter südlich scheinen Wohl und Wehe indes immer stärker von einer einzelnen Person abzuhängen: Robert Lewandowski. In seinem 250. Pflichtspiel für den FC Bayern hatte der Doppeltorschütze Geschichtsträchtiges geleistet.

Beim 4:0 (1:0) gegen den 1. FC Köln gelang ihm als erst zweitem Spieler in der 57-jährigen Ligahistorie nach dem Gladbacher Peter Meyer (1967/68) das Kunststück, nach fünf Spielen neun Tore erzielt zu haben. Und: Er verzichtete zugunsten von Neuzugang Philippe Coutinho sogar auf eine neue Bestmarke, indem er dem Brasilianer einen Elfmeter überlies.

Völlig selbstlos war diese Geste freilich nicht, vielmehr erhofft sich der Stürmer im Gegenzug mehr Unterstützung. Und Coutinho, der den Strafstoß selbst herausgeholt hatte und nach Videoassistent-Einsatz gleich zweimal sicher verwandelte, zeigte sich prompt dankbar. „Ich werde mich mit vielen Vorlagen revanchieren“, kündigte der 27-Jährige an.

Genau dies hatte Lewandowski bezwecken wollen. „Das war ein guter Moment für eine solche Sache“, sagte er, „das war für sein Selbstbewusstsein, für die Zukunft, für die Mannschaft. Jetzt steht er auch auf der Liste und gehört voll zu Bayern München.“

Kimmich: „Wir sind auf Lewy angewiesen“

Bei all dem Staunen über Rekorde und Geschenke ging fast unter, dass sich die Bayern gegen den wackeren Aufsteiger lange gequält hatten. „Wir machen zu viele Fehler“, monierte Joshua Kimmich, dem die Abhängigkeit von Lewandowski nicht entgangen war. „Wir sind schon darauf angewiesen, dass er gesund und fit bleibt“, sagte der Nationalspieler.

Während sie in München also noch nach dem richtigen Mix suchen, scheint die Rezeptur in Leipzig stimmiger denn je. Die Frage bleibt: Kann RB den Bayern in diesem Jahr tatsächlich das Wasser reichen?

„Dafür haben wir nicht dominant genug gespielt“, mahnte Nagelsmann. Die Zurückhaltung macht aus Leipziger Sicht Sinn, um den Druck nicht zu früh zu groß werden zu lassen. Doch die Fakten sprechen dafür, dass sich die Liga auf einen spannenden Dreikampf an der Spitze freuen kann.

( dpa/sid )