Traben

Orlando Jet setzt in Mariendorf zum nächsten Flug an

Auf der Trabrennbahn Mariendorf geht es am Wochenende um die Breeders Crown. Der Favorit trainiert sogar im eigenen Schwimmbad.

Orlando Jet mit Rudolf Haller im Sulky.

Orlando Jet mit Rudolf Haller im Sulky.

Foto: Thomas Metelmann / imago/Metelmann

Berlin. Rudolf Haller ist ein eher zurückhaltender Mensch, doch wenn er von den Trainingsbedingungen beim bayerischen Stall Wieserhof berichtet, gerät der Trabrennfahrer regelrecht ins Schwärmen. „Es ist alles da, was man sich wünschen kann“, sagt der 54-Jährige. Sogar ein Schwimmbad für die Pferde gebe es auf der Anlage im Münchener Umland, in dem die Tiere eine Art Wassergymnastik machen können, um ihre Muskulatur zu stärken.

Im Becken gelingen auch solche Übungen, die an Land zu anstrengend wären, weil das Wasser das Gewicht trägt und alles auf einmal leichter wirkt. Im Falle von Orlando Jet, Aushängeschild des Stalles und nach Ansicht vieler Experten der derzeit beste Traber in Deutschland, wäre das gar nicht nötig, denn er scheint auch auf der Bahn regelrecht über das Geläuf zu fliegen.

„Ich habe in meinem gesamten Leben noch kein so gutes Pferd betreut“, sagt Haller, mit weit über 2000 Siegen selbst einer der besten deutschen Trabrennfahrer der vergangenen Jahre. „Er hat einen fantastischen Schritt, so raumgreifend, ohne dass es je nach Anstrengung aussieht.“

Es geht um 400.000 Euro Preisgeld

Mittlerweile läuft Orlando Jet fast nur noch auf den großen Pariser Pisten, wo deutlich mehr Geld zu verdienen ist als hierzulande. Nur zu den großen Events lässt er sich noch auf der Trabrennbahn Mariendorf blicken. Etwa beim Derby-Meeting im August, wo er am Steuer von Rudolf Haller sogar den ewigen Bahnrekord knackte.

Am Sonnabend und Sonntag (jeweils ab 14 Uhr) ist der sechsjährige Hengst der Stargast bei der Breeders Crown in Mariendorf. Mit einem Gesamtpreisgeld von rund 400.000 Euro ist es nach dem Derby die wichtigste Veranstaltung im deutschen Trabrennsport.

„An zwei Tagen erlebt man dort die besten Pferde des Landes“, sagt Rudolf Haller. Die Prüfungen werden dabei nach Jahrgängen und dem Geschlecht der Pferde getrennt ausgetragen.

Die Derby-Revanche steigt am Sonntag

Orlando Jet geht am Sonnabend im Hauptlauf der älteren Hengste und Wallache als großer Favorit ins Rennen. Es ist einer der Höhepunkte der Veranstaltung, mit insgesamt fünf Pferden mit einer sechsstelligen Gewinnsumme.

Am Sonntag steigt dann die Derby-Revanche der dreijährigen Hengste und Wallache, bei der sich mit Velten von Flevo mit Weltmeister Rick Ebbinge im Sulky auch der diesjährige Derbysieger die Ehre gibt. Auch in diesem Lauf ist Rudolf Haller stark vertreten – er steuert Rancoon, mit dem er beim Saisonhöhepunkt nur knapp hinter Velten von Flevo Dritter wurde.

Bislang sei Rancoon nicht ganz so ausgebufft wie Orlando Jet. Er brauche im Rennen immer noch einen Tick zu lang, ehe er die Kommandos seines Fahrers umsetzt, so Haller. Das Potenzial ist aber definitiv vorhanden: Immerhin haben beide Pferde nicht nur die gleiche Abstammung, sondern auch dieselben guten Trainingsbedingungen. Inklusive Pool.