Basketball

Versöhnlicher WM-Abschluss für Schröder und Co.

Im letzten Spiel einer insgesamt enttäuschenden WM gewinnt die DBB-Auswahl gegen Kanada – und hält den Olympia-Traum am Leben.

Schrammte gegen Kanada knapp an einem Triple-Double vorbei: Deutschlands Top-Star Dennis Schröder (r.).

Schrammte gegen Kanada knapp an einem Triple-Double vorbei: Deutschlands Top-Star Dennis Schröder (r.).

Foto: Swen Pförtner / dpa

Shanghai. Topscorer Dennis Schröder klatschte zufrieden mit Bundestrainer Henrik Rödl ab. Die deutschen Basketballer haben ihre enttäuschende WM in China mit einem Erfolgserlebnis beendet und dürfen bis kommenden Sommer von Olympia träumen. Die Auswahl machte mit einem hart erkämpften 82:76 (36:33)-Sieg über Kanada die angestrebte Teilnahme an einem Qualifikationsturnier für die Sommerspiele 2020 in Tokio perfekt und will nun der Generation Dirk Nowitzki nacheifern. Zuletzt hatte der Ex-Superstar eine Auswahl des Deutschen Basketball Bunds vor elf Jahren zu Olympia in Peking geführt.

„Wir wissen alle, dass wir nicht da sind, wo wir sein wollen, auf der anderen Seite haben wir gezeigt, dass wir in die richtige Richtung gehen“, sagte Rödl: „Gegen eine gute Mannschaft zu gewinnen, ist ein guter Abschluss für uns.“ Aufbauspieler Ismet Akpinar ergänzte: „Das ganze große Ziel ist Olympia, dem sind wir jetzt einen Schritt näher gekommen.“

Nach dem zweiten Sieg in der Platzierungsrunde reichte es nun wegen des blamablen Vorrundenscheiterns dennoch nur für WM-Rang 18, das schlechteste deutsche Abschneiden bei einem Weltturnier.

Schröder verpasst Triple-Double

Dennis Schröder war mit 21 Punkten bester deutscher Werfer und ragte zudem trotz eigener mäßiger Feldwurfquote mit zehn Rebounds und neun Assists heraus. Ob der 25-Jährige im Anlauf auf Olympia definitiv dabei sein wird, hatte er vor der Partie offengelassen. „Wenn ich fit bin und alles gut läuft, dann spiele ich und wenn nicht, dann nicht“, sagte Schröder.

Im Sommer 2020 geht es für das deutsche Team bei einem von vier Qualifikationsturnieren gegen fünf andere Mannschaften um die letzte Chance auf ein Olympia-Ticket. Nur der Sieger darf nach Tokio.

Um die Gastgeberrolle will sich der Deutsche Basketball Bund aller Voraussicht nach nicht bewerben. „Es ist für uns illusorisch. Wenn ich etwas machen möchte, muss ich es finanziell hinterlegt haben“, sagte DBB-Präsident Ingo Weiss. „Dazu bereiten wir uns auf die Heim-EM 2021 vor und da aus der hohlen Hand ein Sechs-Nationen-Turnier zu organisieren, möchte ich bei uns keinem zumuten.“

Gute Verteidigung, schwache Offensive

Vor dem ersten Sprungwurf erhielt Rödl eine innige Umarmung vom kanadischen Assistenten Gordon Herbert, der langjährige Bundesligacoach herzte auch seine früheren Frankfurter Schützlinge Danilo Barthel und Johannes Voigtmann.

Zum fünften Mal setzte Rödl auf die gleiche WM-Startformation, die Schröder anführte. Im ersten Angriff nahm der 25-Jährige direkt erfolglos den eigenen Abschluss per Korbleger, versuchte ansonsten zu Beginn aber wie schon gegen Senegal vor allem seine Mitspieler einzusetzen.

Vor allem NBA-Profi Maximilian Kleber und der bislang schwächelnde Paul Zipser sorgten für eine 14:7-Führung für das deutsche Team, das Kanada mit starker Defensive bei nur zwölf Punkten im ersten Viertel hielt.

Doch wie so häufig bei dieser WM fielen zu wenige eigene Würfe aus der Distanz, das offensive Tempo fehlte, es häuften sich die unnötigen Ballverluste. Zumindest beim Rebound dominierte die Rödl-Auswahl, und erarbeitete sich immer wieder zweite Wurfchancen.

Zipser wird in die Kabine geschickt

Nachdem er mit drei versenkten Freiwürfen zum 27:27 ausgeglichen hatte, leistete sich Schröder ein unsportliches Foul, als er Gegenspieler Melvin Ejim hart mit der Schulter checkte. Mit einem 9:0-Lauf beendete das deutsche Team die erste Halbzeit.

Es blieb aber ein zähes Duell, auf niedrigem Niveau. Zipser kassierte zu Beginn der zweiten Halbzeit gleich zwei unsportliche Fouls - und musste damit frustriert in die Kabine. Dreieinhalb Minuten traf die DBB-Auswahl keinen Korb, Kanada zog bis auf 52:41 davon.

Mit einem 22:4-Lauf drehte das deutsche Team jedoch die Partie - und behielt die Nerven. Zum Ende wurde sogar noch gezaubert, Kleber sorgte per Dunk nach Lobanspiel von Voigtmann für die Entscheidung.