Tennis

Roger Federer scheitert überraschend bei den US Open

Roger Federer muss die nächste große Grand-Slam-Enttäuschung verdauen. Die Chance auf den Titel bei den US Open war groß.

Enttäuscht: Roger Federer nach seinem Viertelfinale-Aus bei den US Open.

Enttäuscht: Roger Federer nach seinem Viertelfinale-Aus bei den US Open.

Foto: Geoff Burke / USA Today Sports

New York.  Die riesige Enttäuschung war Roger Federer aus seinen traurigen Augen abzulesen. Es hatte gerade Mitternacht geschlagen, als der Tennis-Maestro ungewohnt einsilbig und mit leiser Stimme sein unerwartetes Ausscheiden bei den US Open zu fassen versuchte. „Es ist einfach eine verpasste Chance“, ärgerte sich der Schweizer, nachdem er im Viertelfinale sowohl am Bulgaren Grigor Dimitrow als auch an seinem schmerzenden Körper gescheitert war.

„Ich weiß nicht genau welcher Muskel“, sagte der Grand-Slam-Rekordchampion und griff mit der Hand hinter sich, „es war einfach am oberen Rücken.“ Das ganze Match über habe er die Schmerzen gespürt, doch darauf wollte Federer die Niederlage gar nicht schieben. „Es gehört dazu, ich hatte meine Chancen“, sagte er selbstkritisch: „Ich war trotzdem in der Lage zu spielen. Mein Fehler, dass ich nicht gewonnen habe.“

Federer gibt Satzführung aus der Hand

Und so musste Federer 51 Tage nach dem auf dramatische Weise verlorenen Wimbledonfinale die nächste immense Enttäuschung verdauen. Zweimal hatte er beim 6:3, 4:6, 6:3, 4:6, 2:6 gegen den früheren ATP-Champion Dimitrow eine Satzführung aus der Hand gegeben, was den 38-Jährigen umso mehr wurmte.

„Du bist in Führung, kannst durchkommen, du hast danach zwei Tage frei. Es sah gut aus“, sagte Federer, betonte aber: „Du musst auch die Niederlagen annehmen, sie sind Teil des Spiels.“

Doch der Ärger über die verpasste Gelegenheit war Federer deutlich anzumerken. Die zwei Tage Pause bis zum Halbfinale hätten seiner Ansicht nach ausgereicht, um wieder fit zu werden: „Von daher ist es noch enttäuschender, dass ich keinen Weg gefunden habe zu gewinnen.“

Große Titel-Chance nach Djokovic-Aus

Die Chancen auf seinen sechsten Triumph in New York hatten sich zuvor sogar unerwartet vergrößert. Titelverteidiger Novak Djokovic war in Federers Tableau-Hälfte bereits ausgeschieden, der Serbe gab wegen Schulterschmerzen im Achtelfinale auf. Und so hätte im Halbfinale der Russe Daniil Medwedew gewartet - dieser überzeugte zwar in Flushing Meadows mit starkem Tennis, quält sich aber mit Oberschenkelproblemen durchs Turnier.

Statt der Aussicht auf Grand-Slam-Titel Nummer 21 blieben Fragen nach Federers Vergänglichkeit. Schon im Vorjahr hatte sein Körper bei den US Open gestreikt, damals brachte die New Yorker Hitze den Maestro an seine Grenzen. Die Chancen auf weitere Titel steigen aber selbst für Federer mit fortschreitender Zeit nicht.

„Ich habe keine Kristallkugel“, antwortete er auf die Frage, ob er mit 38 Jahren noch Grand Slams gewinnen könne. „Ich hoffe es natürlich, es ist immer noch eine positive Saison“, betonte er und versprach: „Ich werde wieder aufstehen, das wird schon wieder.“

Familie soll Kraft spenden

Ein Paradebeispiel in Sachen Wiederauferstehung hatte er in Dimitrow vor sich. 2017 gewann er überraschend die ATP-Finals, danach wurde der 28-Jährige aber von Verletzungen und Formkrisen ausgebremst.

„Ich war so tief unten, da will ich nie wieder hin“, erzählte der Bulgare: „Die vergangenen sechs, sieben Monate waren ziemlich hart für mich. Aber ich hatte jemanden, an den ich mich anlehnen konnte: meine Freunde und Familie.“

Genau darauf wollte sich Federer auch konzentrieren, um wieder neue Kraft zu schöpfen. „Ich freue mich auf die Zeit mit der Familie“, sagte er, und schon hellte sich seine Miene wieder auf. „Das Leben“, meinte er, „ist schon in Ordnung.“