Boxen

Deutschlands größte Box-Hoffnung ist ein Berliner

Abass Baraou ist die größte Box-Hoffnung in Deutschland. Bei Trainer-Legende Ulli Wegner lernt der Berliner ständig dazu.

Hoher Besuch: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Profi-Boxer Abass Baraou in Kienbaum.

Hoher Besuch: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Profi-Boxer Abass Baraou in Kienbaum.

Foto: Eberhard Thonfeld / imago/Camera 4

Berlin.  Auf alle Fragen hat er Antworten gefunden, mal charmante, mal ernsthafte und auch lustige, die zu seinem fröhlichen Charakter am besten passen. Doch wie lang sein Vertrag beim Sauerland-Profiteam noch läuft? Abass Baraou schaut ratlos, dann sagt er: „Keine Ahnung. Das ist für mich gar nicht interessant.“ Das heißt, er beschäftigt sich nicht damit, dass er längst das Interesse anderer deutscher Promoter wie dem wiederbelebten Hamburger Universum-Stall und auch internationaler Manager geweckt hat? „Nein, Sauerland steht stark hinter mir, hat an mich geglaubt und mir den Einstieg ins Profiboxen leicht gemacht. Dafür bin ich dankbar.“

Seit März 2018 bei Trainer-Legende Ulli Wegner

Abass Baraou, 24 Jahre alt, Sohn togolesischer Eltern, aufgewachsen in Oberhausen und mittlerweile in Berlin ansässig, ist in einem Sport, der in Deutschland gerade eine Talsohle durchschreitet, die vielleicht größte Hoffnung. Vor zwei Jahren, bei der WM im olympischen Boxen in Hamburg, war der Superweltergewichtler der einzige Deutsche, der eine Medaille gewinnen konnte. Im März 2018 wechselte er zu Sauerland in die Trainingsgruppe von Ulli Wegner und hat sich seitdem in großen Schritten entwickelt. Bereits in seinem zweiten Profikampf holte er sich die deutsche Meisterschaft, aktuell ist er in sechs Kämpfen unbesiegt und auch Internationaler Meister des Weltverbands WBC. Am 13. September, das gab Sauerland am Montag bekannt, wird er seine erste Auslandserfahrung sammeln. Im Caesars Palace in Dubai trifft er auf den unbesiegten Ägypter Abdelghani Saber (31).

Zwei Titel im ersten Profijahr gewonnen

„Ich bin mit meinem ersten Profijahr sehr zufrieden, ich würde sogar sagen, dass es traumhaft war. Zwei Titel zu holen ist Wahnsinn. Ich habe gezeigt, dass ich mithalten kann“, sagt der gebürtige Aalener. Besonders überrascht habe ihn, dass er die Steigerung der Kampfdistanz von dreimal drei Minuten im Amateurlager auf zehn- bis zwölf Mal drei Minuten in professionellen Titelkämpfen problemlos habe bewältigen können. „Davor hatte ich großen Respekt, aber zum Glück war ich überraschend schnell voll drin“, sagt er.

Wegner hat ihn zum kompletteren Boxer gemacht

Als Amateur kannte der Europameister von 2017 nur den Vorwärtsgang, er nutzte dabei zwar sein enormes Bewegungstalent, um Treffern zu entgehen, boxte aber stets mit hohem Risiko. Als Profi hat er mit Trainerfuchs Wegner daran gearbeitet, seinen Kopf häufiger zu benutzen als seinen Körper. „Ich boxe jetzt cleverer. Herr Wegner hat mich gelehrt, nicht nur Vollgas zu geben. Er hat mich zu einem kompletteren Boxer gemacht und hat deshalb großen Anteil an meinem Erfolg“, sagt er.

Entwicklungspotenzial sieht der 176 Zentimeter große Athlet allerdings noch in allen Bereichen. „Ich bin mein größter Kritiker, bin selten zufrieden. Ich muss an meiner Beweglichkeit ebenso arbeiten wie an meiner Technik und der Schlaghärte“, sagt er. Dafür jedoch, findet Baraou, müsse er häufiger boxen. Vier Monate Pause wie seit seinem letzten Kampf Anfang Mai, den er durch technischen K.o. gegen den Südafrikaner Ali Funeka gewann, seien eindeutig zu viel für einen wie ihn, der kaum eine Minute stillsitzen könne, umso mehr freue er sich auf Dubai. „Ich weiß, dass ich auch lernen muss, Pausen zu machen. Aber so lang wie jetzt ist nichts für mich, denn ich möchte so schnell wie möglich das Beste aus mir herausholen.“

Baraou will sich stetig verbessern

Dabei denkt er nicht vorrangig an Titel. „Ich finde, dass es im Profiboxen oft um zu viele unwichtige Titel geht. Für mich steht im Vordergrund, dass ich mein Potenzial ausschöpfe und mich stetig verbessere. Mein Ziel ist, einer der richtig guten Boxer der Welt zu werden. Ich wäre sehr traurig, wenn mir das nicht gelingt“, sagt er. Die Schließung des Berliner Trainingsgyms zum Jahresende, mit der Sauerland Ende Juli die Szene aufgeschreckt hatte, lässt ihn kalt. „Wir werden gemeinsam mit Sauerland schon etwas Neues finden, wo Herr Wegner mit mir trainieren kann“, sagt er. Der gemeinsame Weg, er hat schließlich gerade erst begonnen.