Basketball

Basketball-WM: Zeit, sich zu beweisen

Das deutsche Team startet an diesem Sonntag in die Basketball-WM. Zum Auftakt wartet mit Frankreich gleich ein schwerer Gegner.

Letzte Vorbereitungen: Daniel Theis (mit Ball) und seine Kollegen üben für den WM-Auftakt gegen Frankreich.

Letzte Vorbereitungen: Daniel Theis (mit Ball) und seine Kollegen üben für den WM-Auftakt gegen Frankreich.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Berlin/Shenzhen. Ganz ohne Dirk Nowitzki kommt die deutsche Basketball-Nationalmannschaft immer noch nicht aus. Jedenfalls wird der Superstar, der nie einer sein wollte, dabei sein, wenn das Team von Bundestrainer Henrik Rödl an diesem Sonntag (14.30 Uhr, Magentasport) sein Auftaktspiel der Weltmeisterschaft in China gegen Frankreich bestreitet. Allerdings wird Nowitzki (41) außer Daumendrücken nicht viel beitragen können zum Gelingen des deutschen Auftritts. Als WM-Botschafter sitzt er auf der Ehrentribüne der 18.000 Zuschauern Platz bietenden Shenzhen Dayun Arena.

Rödl verzichtet auf noch mehr NBA-Spieler

Das Geschehen auf dem Parkett bestimmen inzwischen andere Profis aus der NBA: Dennis Schröder (25, Oklahoma City Thunder), Daniel Theis (27, Boston Celtics) und Maximilian Kleber (27, Dallas Mavericks) sind in der besten Liga der Welt selbst Stars geworden. Andere wie Johannes Voigtmann (26, ZSKA Moskau) oder Danilo Barthel (27, Bayern München) stehen ihnen in der Bedeutung für die deutsche Mannschaft wenig nach. Und mit Niels Giffey (28) und Johannes Thiemann (25) hat Rödl auch zwei Profis von Alba Berlin in seinen Zwölf-Mann-Kader berufen. Auf die NBA-Spieler Moritz Wagner (22) und Isaac Bonga (19, beide Washington Wizards) verzichtete er dagegen, was zweierlei zeigt: wie viel Talent der deutsche Basketball besitzt. Und wie viel Zukunft.

Doch Schröder und Co. wollen in China vor allem beweisen, wie gut es um die Gegenwart bestellt ist. Schaffen sie es wirklich, wie angestrebt das Viertelfinale zu erreichen, ist dies bereits gelungen. Der Weg dorthin ist hart, und mit Frankreich wartet gleich zu Beginn ein sehr dicker Brocken. Die Franzosen sind Europameister von 2013 und WM-Dritter von 2014. Sie haben fünf NBA-Profis in ihren Reihen, dazu vier Euroleague-Spieler. Besonderen Respekt haben die Deutschen vor Rudy Gobert, den 2,15 Meter großen Center der Utah Jazz, der zweimal in Folge zum besten Verteidiger in der NBA gewählt wurde.

Jüngste Resultate als Mutmacher

„Frankreich wird auf jeden Fall der stärkste Gegner der Vorrunde“, sagt Maximilian Kleber, „gegen die kann man sich keine Fehler erlauben.“ Zumindest nicht viele. Mit einer Niederlage im Gepäck in die weiteren Spiele gegen die Dominikanische Republik (Dienstag) und Jordanien (Donnerstag, jeweils 10.30 Uhr/Magentasport) zu gehen, könnte sich als schwere Hypothek erweisen. Sollte Deutschland einen der ersten beiden Gruppenplätze belegen, warten in der zweiten Gruppenphase Hochkaräter vom Schlage der Australier, Kanadier und Litauer. Alle Resultate werden in die zweite Phase mitgenommen, und erneut kommen nur zwei Teams weiter. Eine Mammutaufgabe.

Dennoch glaubt Rödl: „Wir haben eine Chance, sehr lange im Turnier zu bleiben.“ Mut machen die jüngsten Ergebnisse gegen die Franzosen. Bei der EM 2017 gewannen die Deutschen in der Türkei im Achtelfinale 84:81, bei der EM 2013 in Slowenien 80:74. Die bislang letzte Turnierniederlage gab es 2011 bei der EM in Litauen mit 65:76. Damals übrigens noch mit Dirk Nowitzki.

Schröder und Kapitän Benzing angriffslustig

Zu lange her, um sich deshalb Sorgen zu machen. „Wir sind gut vorbereitet. Wir haben sehr viel Talent, sehr viel Potenzial. Wir sind eines der stärksten deutschen Teams, die es je gab“, sagt Schröder so selbstbewusst wie zutreffend. Kapitän Robin Benzing pflichtet ihm bei und ergänzt im Hinblick auf das erste Spiel: „Es wäre schon wichtig, mit einem Sieg zu starten, man muss bei so einem Turnier auch mal ein Zeichen setzen.“

Für die komplizierte Aufgabe, Gobert das Leben schwer zu machen, haben die Rödl-Schützlinge bereits einen Plan. „Wir haben uns was überlegt“, sagt Voigtmann, „bei uns kann jeder von außen werfen, das ist etwas, womit wir Gobert wehtun können.“ Beim Rebound, der großen Stärke des französischen Hünen, könnte Thiemann eine Sonderrolle zukommen. Obwohl der Berliner zehn Zentimeter kleiner ist, ist er physisch sehr stark. Aber Planspiele sind das eine. Wie sagte Rödl? „Diese Mannschaft muss sich erst beweisen.“ Die Partie gegen Frankreich wäre ein guter, erster Zeitpunkt.