Radsport

Roger Kluge fiebert den Höhepunkten in der Heimat entgegen

Der Berliner erlebt eine Saison mit vielen großen Momenten – auch dank seines Teamwechsels. Nun will er in Deutschland begeistern.

Roger Kluge (r.) bei der Tour de France an der Seite des Siegers Egan Bernal.

Roger Kluge (r.) bei der Tour de France an der Seite des Siegers Egan Bernal.

Foto: Yorick Jansens / dpa

Berlin. Die vergangenen Tage konnte Roger Kluge mal wieder zu Hause in Berlin verbringen, ein seltenes Vergnügen für einen Radprofi. Australien, Emirate, Polen, Türkei, Niederlande, ganz viel Italien, noch mehr Frankreich – der 33-Jährige rollt reichlich durch die Gegend. Meist fern der Heimat.

Rennen wie die Cyclassics in Hamburg am Sonntag oder die Deutschland Tour in der nächsten Woche (29. August bis 1. September) bilden die Ausnahme im Kalender des Profis. „Es ist immer wieder schön, auf deutschen Straßen zu fahren“, sagt der Berliner. Die Begeisterung der hiesigen Fans lässt sich aufgrund der wenigen großen Rennen in Deutschland nur selten spüren, aber sie ist da. Gut 500.000 Besucher werden in Hamburg erwartet, die Deutschland Tour erfreute sich bei ihrer Neuauflage im Süden des Landes im Vorjahr großen Zuspruchs und soll diesmal auf vier Etappen Mitteldeutschland mitreißen.

Kapitän Ewan zu drei Tour-Sprintsiegen geführt

Kluge kommt nicht nur wegen der Stimmung gern, er reist auch als sehr zufriedener Rennfahrer an. Hinter ihm liegen grandiose Wochen. Sein Team Lotto Soudal feierte vier Etappensiege bei der Tour de France, zwei zweite Plätze, vier dritte Plätze. „Wenn ich auf das schaue, was mein Job ist, und zwar dafür zu sorgen, dass ein anderer gewinnt, war das meine erfolgreichste Grand Tour“, sagt Kluge. Obwohl er selbst nicht auf dem Podest stand, führte er doch seinen Kapitän Caleb Ewan als Anfahrer zu drei Sprintsiegen, einem zweiten und drei dritten Plätzen.

Damit hat sich vieles so gefügt, wie es das sollte. Beide waren nach der vergangenen Saison von Michelton Scott, das sich mehr zu einer Klassement-Mannschaft entwickelt hat, zu dem belgischen Team gewechselt. In der Hoffnung auf mehr Freiheiten, also mehr Einsätze bei den großen Rundfahren, die ihnen 2018 verwehrt blieben. „Ich war auf dem Level, auf dem ich sein musste, um meine Arbeit zu verrichten. Fast alles lief nach Plan“, sagt Kluge. Obwohl das Jahr zunächst etwas schwierig begann. Zwar waren sie in den Sprints oft gut dabei, aber meist hatte ein anderer die Nase vorn. Doch Ewan „steckt das ganz gut weg“, nach einer schwierigen Vorsaison gelangen ihm erst zwei Siege beim Giro d’Italia, bei der Tour dann drei. Sogar im großen Finale in Paris triumphierte Ewan.

Bahn-WM im Berliner Velodrom im Blick

Beide sind nun auch gemeinsam in Hamburg und bei der Deutschland Tour unterwegs. Die Strecke in der Hansestadt liegt Kluge einigermaßen, „weil ich über den Waseberg ab und zu rüberkomme und im Finale etwas machen kann“. Bei der Tour von Hannover nach Erfurt kommt eher nur die erste Etappe für die Sprinter infrage. Vielleicht wird es irgendwann wieder mehr. Mit der entsprechenden Begeisterung am Straßenrand hofft Kluge auf Wachstum. „Ziel ist, dass die Deutschland Tour wieder dahin kommt, wo sie mal war“, erzählt der Berliner. Eine Woche lang also, sieben Teilstücke, am besten mit Berlin als Etappenort.

Einen Höhepunkt vor der Haustür gibt es in jedem Fall bald für Kluge. Ende Februar 2020 finden im Velodrom die Weltmeisterschaften auf der Bahn statt. „Da würde ich gern fahren“, sagt er. In den vergangenen beiden Jahren gewann das Berliner Duo Kluge/Theo Reinhardt den Titel im Zweier-Mannschaftsfahren.

Die nächste WM wird die Generalprobe für die Olympischen Spiele fünf Monate später in Tokio. Die Qualifikationsphase für Olympia läuft, „deshalb möchte ich auch ein paar Weltcups fahren“, so der Radprofi, der die Planung für die vollgepackte kommende Saison schon ungefähr im Kopf hat. Für das Berliner Sechstagerennen Ende Januar, das Kluge/Reinhardt zuletzt ebenfalls gewannen, wird dabei kein Platz sein, weil die Tour Down Under in Australien diesmal zeitlich kollidiert. Immerhin, Kollege Caleb Ewan hat da das einzige Heimspiel des Jahres.