Kanu

Für Kanute Brendel ist der elfte WM-Titel eine Premiere

Potsdamer siegt erstmals über 500 Meter. Berliner Marcus Groß freut sich über Bronze im Zweier. Am Sonntag geht es um Olympia-Plätze.

Sebastian Brendel feiert über 500 Meter im Canadier-Einer den WM-Titel.

Sebastian Brendel feiert über 500 Meter im Canadier-Einer den WM-Titel.

Foto: Tamas Kovacs / dpa

Szeged. Sebastian Brendel hielt strahlend seine Goldmedaille in die Kameras und winkte stolz ins Publikum: Der „alte Hase“ des deutschen Kanu-Rennsports hat bei der WM in Szeged (Ungarn) Neuland betreten und erstmals den Titel über die eigentlich ungeliebten 500 Meter gewonnen. An einem aus deutscher Sicht eher mäßigen Tag holte sich der 31-Jährige viel Selbstvertrauen für sein „Hauptrennen“ am Sonntag.

„Es ist schön, wieder ganz oben auf dem Treppchen zu stehen, auch wenn es erstmal nur die 500 Meter sind. Das gibt Rückenwind für die 1000 Meter“, sagte der dreimalige Canadier-Olympiasieger, der in der Weltcup-Saison ohne Podestplatz geblieben war. Der Potsdamer nimmt somit auch von seiner neunten WM in Folge mindestens eine Medaille mit nach Hause, insgesamt ist es sein elfter Titel.

Durchwachsener Tag für die deutsche Mannschaft

Für Brendel steht in Ungarn allerdings die olympische 1000-Meter-Distanz am Sonntag klar im Vordergrund, nur dort kann er den Quotenplatz für Tokio holen. Der Anfang ist immerhin gemacht. „Wir wussten, dass Sebastian besser drauf ist als zuletzt. Das war nicht gerade seine Lieblingsstrecke, aber das hat er stark gemacht“, sagte der leitende Bundestrainer Arndt Hanisch.

Insgesamt fiel die Bilanz des Tages durchwachsen aus, in den sechs olympischen Bootsklassen blieb die deutsche Flotte ohne Medaille - was auch an der Einsatz-Konzeption lag, die ganz auf die Quotenplätze für Olympia ausgerichtet war. Mehr drin war indes für die Titelverteidiger Yul Oeltze und Peter Kretschmer im Canadier über 1000 Meter. Das Duo belegte Rang vier und verpasste den Titel-Hattrick. „Natürlich sind wir hergekommen, um zu gewinnen. Aber in den Vorläufen hatte sich schon abgezeichnet, dass die anderen sehr stark sind“, sagte Kretschmer.

16 Plätze für Olympia sind noch drin

Nicht zu schlagen waren die Chinesen Hao Liu/Hao Wang, die 4,6 Sekunden schneller waren als das deutsche Duo. „Der Abstand war schon riesig, das war eine Demonstration. Und bei Olympia in ihrem Nachbarland werden die auch nicht schwächer“, sagte Hanisch mit Blick auf Tokio 2020. Jubeln durfte Hanisch noch über Bronze durch den Berliner Marcus Groß und Martin Hiller im Zweier über die nicht olympischen 500 Meter.

Alle 18 Quoten-Plätze für Olympia kann der DKV in Szeged anders als erhofft nicht mehr holen, möglich sind noch maximal 16 (11 im Kajak, 5 im Canadier). Wie der Verband diese Plätze bei Olympia verteilt, ist offen. Den Einer wird in Tokio aber sicher nicht Tamas Gecsö (Potsdam) fahren, der in Szeged nur das C-Finale erreichte, sondern eher Tom Liebscher oder Max Rendschmidt. Beide konzentrierten sich in Ungarn ganz auf den Vierer.

Jener Vierer über 500 Meter wird am Sonntag von besonderer Bedeutung, da sowohl Männer als auch Frauen dort je vier Quotenplätze holen können. Dafür reicht Rang sieben im A-Finale sicher, möglicherweise sogar der zehnte Platz. „Der Sonntag wird wichtig. Der K4 muss zünden“, sagte Hanisch. Beide Boote haben eine Medaille als Ziel. Gleiches gilt für Brendel, der über 1000 Meter zum fünften Mal in Folge Weltmeister werden kann.