DFL-Versammlung

Anhänger von Hertha und Union kämpfen für Fan-Interessen

In den Farben getrennt, in der Sache vereint: Im Kampf für Fan-Interessen haben sich die teilweise verfeindeten Fan-Szenen verbündet.

Die Anhänger von Hertha und Union fordern unter anderem fangerechtere Anstoßzeiten.

Die Anhänger von Hertha und Union fordern unter anderem fangerechtere Anstoßzeiten.

Foto: Swen Pförtner / picture alliance/dpa

Berlin. Es war ein ungewöhnliches Bild, das sich am Mittwochmittag in der Lobby des Maritim-Hotels in der Stauffenbergstraße bot. Dass bei der Generalversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) plötzlich Fan-Vertreter auftauchten, war im Protokoll der Veranstaltung nicht vorgesehen, noch mehr überraschte jedoch die Zusammensetzung der Anhänger: Fans der Stadt-Rivalen Hertha BSC und 1. FC Union, Seite an Seite.

Warum sich die ansonsten teilweise verfeindeten Lager ausnahmsweise zusammenrauften? Nun, vor allem wegen der starken Signalwirkung. Gemeinsam übergaben sie im Namen von rund 50 aktiven Fan-Szenen aus ganz Deutschland ein Positionspapier an DFL-Aufsichtsratschef Peter Peters (Schalke 04) – in den Vereinsfarben getrennt, aber im Kampf für die Sache vereint. Ein unmissverständliches Zeichen dafür, wie wichtig ihnen ihr Anliegen ist.

Fans von Union und Hertha Seite an Seite: Kampf auch für die TV-Zuschauer

„Es geht um Themen, die nicht nur aus Ultra-Sicht, sondern aus Fan-Sicht zentral sind“, erklärt Ben, der der aktiven Fan-Szene von Hertha BSC angehört, seinen vollen Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte: „Im Stadion kann man mit Bannern nur plakative Forderungen übertragen. Weil es in der öffentlichen Diskussion häufig hieß, wir hätten keine konkreten Forderungen, war es uns wichtig, unsere Argumente schriftlich zu fixieren.“

In den vergangenen zwei Jahren erarbeiteten Fan-Szenen aus dem ganzen Land daher ein fünfteiliges Positionspapier mit den Schwerpunkten Anstoßzeiten, Kommerzialisierung, Fan-Utensilien, Sportgerichtsbarkeit und Stadionverboten.

Vor allem unter dem Stichwort Kommerzialisierung streiten die Fan-Lager nicht nur für Ultra-Belange, sondern für eine breite Masse. „Sogar der TV-Zuschauer hat inzwischen Grund, die Kommerzialisierung zu hinterfragen, weil er mittlerweile diverse Abos kaufen muss, um die Bundesliga zu verfolgen“, sagt Hertha-Fan Ben.

Für 50+1, gegen Spieltagszerstückelung

Zum Kern der Fan-Forderungen zählt ein klares Bekenntnis der DFL zum Erhalt der 50+1-Regel, die – anders als etwa in der englischen Premier League – den Einfluss von Investoren beschränkt. Zudem reicht den Anhängern die bisherige Form der 50+1-Regel nicht aus. Sie fordern weitere Instrumente, da die jetzigen Vorgaben Schlupflöcher lassen würden. Ein Klub wie RB Leipzig, der die Regel zwar formell einhält, aber vom Getränkehersteller Red Bull großzügig alimentiert wird, würde für Wettbewerbsverzerrung sorgen, so der Vorwurf.

Verglichen mit der zentralen 50+1-Frage wirken die weiteren Fan-Anliegen zwar eher kleinteilig, betreffen aber stark den Alltag der aktiven Anhänger. Weil Reisen zu Freitags-, Sonntags- oder gar Montagsspielen für Auswärtsfahrer eine kaum zu überquerende Hürde darstellen, drängen die Fans zum Beispiel auf die Festschreibung einer 300-Kilometer-Regel.

Auch der designierte DFB-Boss Keller wird involviert

Die Paarungen an Freitag- oder Sonntagsspielen dürften demnach keine Reisen von mehr als 300 Kilometern erfordern, außerdem soll eine weitere Zerstückelung der Spieltage verhindert werden. „Wenn von Freitag- bis Montagabend gespielt wird“, sagt Ben, „wird der Begriff Spieltag ad absurdum geführt.“

Peters reagierte auf das Positionspapier zunächst offen. Man müsse immer miteinander sprechen, sagte der 57-Jährige, außerdem werde er die Dokumente auch an den designierten DFB-Präsidenten Fritz Keller und die Präsidiumsmitglieder der DFL weiterleiten.

Inwieweit die Fans mit ihrem Anliegen Gehör finden, bleibt abzuwarten. Zuletzt war der Dialog zwischen DFL, Deutschem Fußball-Bund (DFB) und Fan-Szenen zum Erliegen gekommen, weil sich die Anhänger nicht ernst genommen fühlten.