Nachwuchssportler

Mit schnellen Beinen auf dem Weg zum Profi

Radfahrerin Paula Leonhardt ist auf der Straße und auf der Bahn erfolgreich. Zwei Weltmeisterschaften warten 2019 noch auf sie.

Juniorsportlerin des Monats August: Radfahrerin Paula Leonhardt.

Juniorsportlerin des Monats August: Radfahrerin Paula Leonhardt.

Foto: Tilo Wiedensohler / camera4

Berlin. Links und rechts zogen die Weinberge vorbei, doch Paula Leonhardt hatte keinen Blick für die landschaftliche Schönheit der Breisgau-Region am Rande des Schwarzwalds. Sie war gewissermaßen auf der Flucht. Zusammen mit den anderen Juniorinnen war die Lichtenbergerin, wie bei der Radsport-Bundesliga üblich, mit zwei Minuten Vorsprung auf die Frauen auf die Strecke gegangen und versuchte nun, diesen zu halten. Am Ende kamen die Elitedamen zwar einmal heran. Doch die 16-Jährige schnappte sich gegen die teilweise doppelt so alte Konkurrenz dennoch den Tagessieg.

In ihrer Altersklasse ist Paula sowieso Spitze. Die Berlinerin führt momentan die U19-Wertung der Bundesliga an; sie gewann im vergangenen Jahr die TMP Jugend-Tour und sicherte sich erst kürzlich den deutschen Meistertitel im Einzelzeitfahren – die erste Goldmedaille auf der Straße seit mehr als 20 Jahren für die Radsportler des SC Berlin. „Das war mein bislang größter Erfolg“, sagt sie, für den sie nun auch als Berliner Nachwuchssportlerin des Monats August ausgezeichnet wurde.

Junioren-WM auf der Bahn steht jetzt bevor

Aktuell weilt Paula in Frankfurt (Oder) und bereitet sich dort auf die Junioren-WM auf der Bahn vor, die am Mittwoch beginnt. Sie startet dort in der Einer- sowie in der Mannschaftsverfolgung und hofft insbesondere im Team auf eine vordere Platzierung. Die Generalprobe gelang schon einmal: Bei der Junioren-EM in Gent (Belgien) holte der Vierer mit Paula die Bronzemedaille – und das mit deutschem Rekord. Auch die deutschen Meisterschaften im Rahmen der „Finals 2019“ liefen mit zwei Titeln mit der Mannschaft sowie im Punktefahren äußerst erfolgreich: „Ich war selbst überrascht, weil ich im Vorfeld krank war. Umso schöner, wie es am Ende gelaufen ist.“

Langfristig sieht sie sich allerdings eher auf der Straße. „Das macht einfach mehr Spaß als immer nur im Kreis herum“, meint Paula. Durch die Einheiten auf der Bahn könne sie jedoch ihre Sprintfähigkeiten verbessern – hier sieht sie ihre größten Reserven. Bislang sucht sie im Rennen lieber vorzeitig die Entscheidung, anstatt es auf einen Zielsprint ankommen zu lassen.

Erste Tests beim deutschen Team Sunweb

„Ich kann lange sehr schnell fahren, besonders auch allein gegen die Uhr, und komme gut die Berge hoch“, sagt sie. Für Rundfahrten ist sie damit bestens ausgestattet. Seit 2013 sitzt Paula Leonhardt im Sattel. Schon ihre Mutter hatte als Jugendliche diese Sportart betrieben, und auch ihr Vater steigt als Triathlet häufiger aufs Rad. Über eine Nachbarin fand sie den Weg zum SC Berlin und fühlte sich dort auf Anhieb wohl, weil dort besonders viele Mädchen aktiv waren. „Als Frau hat man es im Radsport nicht so leicht. Es gibt weniger Rennen und viel weniger Preisgeld, da kann man sich glücklich schätzen, wenn man überhaupt etwas bekommt. Dabei arbeiten wir genauso hart wie Jungs“, sagt sie.

Trotzdem will sie ihren Traum, Profi zu werden, weiterverfolgen. Erste Tests beim deutschen Team Sunweb liefen vielversprechend, „das hat mich bestärkt, diesen Weg weiterzugehen.“ Nach der Bahn-WM folgt im September mit der WM auf der Straße in Yorkshire (Großbritannien) schon der nächste Höhepunkt: Paula tritt dort im Zeitfahren an. Dass sie wegen der Teilnahme womöglich ihre Führung in der Bundesliga noch verspielt, nimmt sie hin. Schließlich strebt sie schon jetzt nach höheren Zielen.

Jeden zweiten Dienstag im Monat stellen wir Berlins Nachwuchssportler des Monats vor. Alles zur Wahl und Stimmabgabe unter www.morgenpost.de/nachwuchssportler