DFB-Pokal

FC Bayern: Erst Kühe melken, dann Pokal in Cottbus spielen

Der Pokalsieger kommt eh’ weiter, behauptet Energie-Trainer Wollitz. Stadion der Freundschaft mit über 20.000 Zuschauern ausverkauft

Trainer Niko Kovac (M.) inmitten seiner Spieler vom FC Bayern

Trainer Niko Kovac (M.) inmitten seiner Spieler vom FC Bayern

Foto: Foto: Dalder / Reuters

Cottbus . Für die einen ist es eine willkommene Abwechslung im Transfertheater, für die anderen das Spiel des Jahrzehnts: Das Pokalspiel der ersten Runde im DFB-Pokal an diesem Montag zwischen Energie Cottbus und Rekord-Cupsieger Bayern München hat für beide Teams eine große Bedeutung, allerdings aus unterschiedlichen Gründen (20.45 Uhr/ARD und Sky).

Bayern-Trainer Nico Kovac umdribbelte am Wochenende lieber das Thema Zugänge. Auch wenn er nach der schweren Kreuzbandverletzung von Leroy Sané­ (von Manchester City) damit rechnen kann, dass zumindest sein kroatischer Landsmann Ivan Perisic von Inter Mailand die Münchener bald verstärken wird. Kovac wies lediglich daraufhin, dass „unsere drei Chefs fleißig sind und arbeiten“ und es folglich gewährleistet sei, „dass wir bis zum 2. September noch etwas bekommen werden“.

Kovac will beide Titel verteidigen

Ansonsten redete der Coach lieber ausgiebig über die Bedeutung des Pokalspiels beim Nordost-Regionalligisten: „Wir müssen uns neu beweisen und haben in Cottbus die erste Aufgabe“, sagte er. Nicht mit dabei sein wird der am Knie verletzte Javi Martinez.

Für Kovac ist Cottbus der erste Stopp auf dem langen Weg zum erneuten Double-Gewinn: „Wir haben zwei Titel zu verteidigen - und die möchten wir verteidigen.“ Daher möge niemand Cottbus unterschätzen. Er wolle, betonte Kovac, den unterklassigen Gegner, der „unglücklich aus der Dritte Liga abgestiegen ist“, nicht starkreden, aber: „Nichts wird im Vorbeigehen geschafft.“ Er kenne Claus-Dieter Wollitz ja sehr gut, sagte Kovac mit Blick auf seinen Trainerkollegen – beide trugen in der Saison 1993/94 das Trikot von Hertha BSC – „ich weiß ganz genau, was er versuchen möchte“.

Insgesamt vermittelte Kovac gute Laune. Das ungewöhnliche Teambuilding zum Abschluss des Trainingslagers am Tegernsee hat ihm gefallen. Es ging um die Disziplinen „Gummistiefel-Weitwurf“, „Kuhmelken“ und „Maßkrugschieben“. Kovac sagte: „Man sieht, die Atmosphäre ist sehr gut, die Jungs verstehen­ sich - das ist das, was man außerhalb des Platzes braucht, um auf dem Platz zu funktionieren“.

Energie hätte 60.000 Karten verkaufen können

Beim Viertligisten Cottbus herrscht große Vorfreude. Für wenige Stunden rückt der Klub aus der Lausitz wieder auf die große Fußballbühne. ARD und Sky übertragen live, sogar in Japan und USA sind Bilder vom Spiel zu sehen. Das Stadion­ der Freundschaft platzt aus allen Nähten. Der Andrang war riesig. 60.000 Karten hätte der FC Energie verkaufen können, aber es passen­ nur gut 20.000 Zuschauer in das Stadion.

„Die Aufmerksamkeit ist enorm, noch größer als zu besten Cottbuser Bundesligazeiten“, sagte Trainer Claus-Dieter Wollitz. „Für jeden Spieler ist es ein besonderes Spiel. Man sieht, dass die ganze Stadt aufgeregt ist und sich freut“, sagte Mittelfeldspieler Tobias Hasse.

Cottbus hat nur noch einen gesunden Manndecker

Sportlich allerdings rechnet sich der Außenseiter nichts aus. Das Weiterkommen hat ausgerechnet Trainer Wollitz schon vorab abgehakt: „Du hast in solchen Spielen keine Chance.“ Stattdessen fürchtet er negative Auswirkungen: „Dieses­ Spiel ist schließlich gefährlich, man kann an dem Ergebnis auch zerbrechen­.“

Seine Spieler sollen die Begegnung einfach genießen. Bayern habe eine unglaubliche Qualität. „Wenn wir aber doch die Sensation schaffen, bin ich der Erste, der den Spielern gratuliert“, betonte­ Wollitz. Pech für Cottbus: Ausgerechnet zum Treffen gegen die besten Stürmer der Bundesliga ist in der Abwehr neben Robert Müller auch Zugang Ibrahim Hajtic verletzt ausgefallen. „Jetzt haben wir nur einen etatmäßigen Innenverteidiger­“, sagte Wollitz.