Berliner Champions

Präzision ist Trumpf

Ein satter Schuss allein reicht beim Fußballgolf nicht. Der Berliner Karsten Stinglwagner ist WM-Starter – und weiß, worauf es ankommt.

Karsten Stinglwagner vom BSV Grün-Weiss Neukölln nimmt seit 2015 an der Fußballgolf-WM teil.

Karsten Stinglwagner vom BSV Grün-Weiss Neukölln nimmt seit 2015 an der Fußballgolf-WM teil.

Foto: David Heerde

Berlin. Der große Freistoßspezialist ist Karsten Stinglwagner nie gewesen. „Genau konnte ich schon immer schießen, aber mir hat der richtige Wumms gefehlt“, sagt der Fußballer vom BSV Grün-Weiss Neukölln, der bei ruhenden Bällen deshalb meist den Teamkollegen den Vortritt ließ. Seit er vor fünf Jahren das Fußballgolfen als seine neue Leidenschaft entdeckte, hat sich der vermeintliche Nachteil jedoch zu seinem größten Trumpf entwickelt. Denn dort ist zu viel Kraft im Bein mitunter sogar hinderlich, wenn der Ball dadurch statt im Loch irgendwo in der Landschaft landet.

Gefragt ist stattdessen in erster Linie Präzision. „Wenn ich beim Fußball einen langen Pass nicht ganz genau schlage, sieht der Mitspieler ja trotzdem den Ball und kann sich entsprechend dorthin bewegen. Beim Fußballgolf bewegt sich aber nichts, da ist das Ziel immer an der gleichen Stelle“, erklärt Karsten Stinglwagner die besondere Herausforderung.

Seit 2015 startet der Berliner jedes Jahr bei der WM

Das Spielprinzip ist dasselbe wie beim klassischen Golf: Der Ball muss mit so wenigen Versuchen wie möglich ins Ziel. Bloß, dass es sich dabei eben um einen Fußball handelt. Und die Spieler dementsprechend keinen Schläger verwenden, sondern den eigenen Körper. „Man muss vorher nicht zwingend Fußball gespielt haben, aber ein bisschen Ballgefühl kann sicher nicht schaden“, sagt Stinglwagner. Das gilt auch für die Variante des Footgolf, die auf normalen Golfplätzen und damit auf längeren Bahnen gespielt wird, während Fußballgolf auf eigens dafür hergerichteten Plätzen stattfindet.

Seit 2014 betreibt Karsten Stinglwagner diese Sportart, seit 2015 hat er jedes Jahr an den Weltmeisterschaften teilgenommen. Ende des Monats startet er auch wieder bei den deutschen Meisterschaften in Inzell. Von den beiden Berlinern, die regelmäßig auch internationale Turniere spielen, ist der 56-Jährige derjenige, der am häufigsten vertreten ist. Was allerdings auch an den schwierigen Trainingsbedingungen liegt.

In ganz Berlin gibt es bislang keinen einzigen Fußballgolfplatz. Bei Hertha BSC und dem 1. FC Union spielt die Sportart bislang keine Rolle. Die nächstgelegenen Anlagen befinden sich in Bad Saarow und Finsterwalde, beides rund anderthalb Stunden entfernt. Bevor diese eröffneten, musste Stinglwagner sogar bis nach Dresden fahren, wenn er vernünftig trainieren wollte.

Die vielen Turniere sah er deshalb stets auch als Training unter Wettkampfbedingungen. „Es ist gut zu wissen, wo die Tücken der einzelnen Löcher liegen“, sagt er. Dabei müssen die Spieler nicht nur mögliches Gefälle richtig deuten, sondern auch die Wetterbedingungen: Nach längerer Hitze etwa ist der Untergrund härter und damit wesentlich schneller, wodurch die Bälle leichter verspringen. „Es ist sehr wichtig, den Boden richtig zu lesen“, sagt er.

Was die Anforderungen an die Spieler angeht, entspricht Fußballgolf somit eher dem Golfen als dem Fußball, ist aber tatsächlich eine ganz eigene Sportart. Das Konzept stammt ursprünglich aus den USA aus den 1920er Jahren, die Regeln des sogenannten Codeball waren damals allerdings noch etwas anders. In den 1980er Jahren wurde die Idee in Skandinavien erneut aufgegriffen. Die besten Spieler stammen bis heute aus Dänemark und Schweden, wo es auch die meisten Anlagen gibt.

Die Partien werden entweder als Zählspiel ausgetragen – dort gewinnt derjenige, der am Ende des Tages die wenigsten Schläge benötigt hat – oder im Matchplay-Modus im K.o.-System. Doppelwettbewerbe gibt es ebenfalls, bei denen die Teilnehmer immer abwechselnd kicken. „Am besten tut sich dafür immer ein Rechtsfuß mit einem Linksfuß zusammen“, sagt Stinglwagner. Damit aus jedem Winkel die nötige Präzision vorhanden ist.