DFB-Pokal

Wenn der Underdog 500 Kilometer zum eigenen Heimspiel fährt

Von Hertha-Gegner Eichstätt bis zum kreativen TuS Dassendorf: Die Underdogs lassen nichts unversucht, um ihren großen Moment zu nutzen.

Die beiden jüngsten Heimspiele gewann der VfB Eichstätt mit 5:0 und 7:0. Auswärts sind die Oberbayern indes noch ohne Punkt.

Die beiden jüngsten Heimspiele gewann der VfB Eichstätt mit 5:0 und 7:0. Auswärts sind die Oberbayern indes noch ohne Punkt.

Foto: Johannes Traub / dpa

Eichstätt/Berlin. Für Pokal-Euphorie war Markus Mattes nicht empfänglich. „Einen Einsatz gegen Berlin hat sich kein einziger verdient“, zürnte der Trainer des VfB Eichstätt am späten Dienstagabend.

Kurz zuvor war der Fußball-Regionalligist Teil einer waschechten Pokalsensation geworden, allerdings in der falschen Rolle. Gegen den zwei Spielklassen tiefer angesiedelten TV Aiglsbach verlor Herthas kommender Gegner peinlicherweise 1:2 – Aus in Runde eins des Bayerischen Landespokals.

Natürlich träumen sie in Eichstätt trotzdem vom großen Coup, daran ändert auch die jüngste Blamage nichts. Positiv interpretiert war die Pleite ja nur ein weiterer Beleg dafür, dass den Außenseitern alles zuzutrauen ist, und Außenseiter ist der VfB am Sonntag (15.30 Uhr, Sky) in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Hertha allemal.

Bankkaufmänner, Grundschullehrer und Azubis

Längst geistert das passende Vokabular durch die Gassen des 14.000-Einwohner-Orts in Oberbayern. Vom „Jahrhundertspiel“ über das „Traumlos“ bis zum obligatorischen „mutig sein“ und „nicht verstecken“ – der Pokal hat bekanntlich seine eigenen Geschwätze.

Nun wird Eichstätt selbst vom geschichtsträchtigen Pokal-Knaller allerdings nicht allzu viel mitbekommen. Weil das eigene Stadion viel zu klein ist, hat der Klub die Arena des Drittligisten FC Ingolstadt gemietet.

Am Sonntag dürfte es also zu einer kleinen Völkerwanderung kommen, schließlich werden die Eichstätter ihre lokalen Helden unterstützen wollen. Jene gehen jenseits des Pokal-Glamours ganz normalen Tätigkeiten nach, sei es als Bankkaufmann, Grundschullehrer, Student oder Auszubildender einer großen Auto-Marke.

Aus zwei Sicherheitskräften werden 140

Statt wie bei Viertliga-Spielen mit zwei Security-Kräften braucht es für die erhofften 6500 Zuschauer diesmal 140 Sicherheitsleute. Das alles kostet Geld, zudem muss der VfB von seiner 175.500-Euro-Prämie 50.000 Euro an den Bayerischen Fußball-Verband abtreten. Was dann noch übrig bleibt, soll in Umkleiden, Plätze und Netze investiert werden.

Ein anderer Underdog will hingegen das Maximum aus seinem Pokal-Abenteuer herausholen, auch wenn dafür ein absurd anmutender Umzug vonnöten ist.

Weil Fünftligist TuS Dassendorf für sein Erstrundenmatch gegen Dynamo Dresden weder im nahe gelegenen Hamburg noch in Lübeck eine passende Spielstätte fand (was vor allem an den gefürchteten Fans des Zweitligisten liegt), kommt der Klub seinem Gegner entgegen und trägt die Partie in Zwickau aus – gut 500 Kilometer fern der Heimat. Die Idee dahinter: Durch möglichst viele Gäste-Fans wollen die Dassendorfer so viel Geld wie möglich einnehmen.

Delmenhorst will Werder in dessen Stadion schocken

Für Oberligist Atlas Delmenhorst, der den gleichen Plan verfolgt, fällt die Reise ungleich kürzer aus. Gegner Werder Bremen residiert im heimischen Weserstadion nur gut 17 Kilometer entfernt, weshalb die Delmenhorster nicht lange über einen Umzug nachdenken mussten. Die Spieltagseinnahmen teilen sich die beiden Klubs.

Delmenhorsts Bürgermeister, ein bekennender Fan des Hamburger SV, glaubt an eine Sensation. „Die Kleinen haben den Großen immer schon gern ein Bein gestellt“, sagte Axel Jahnz (SPD), „in einer Woche kommen wir wieder zusammen und überlegen, gegen wen es in der zweiten Runde geht.“

In Eichstätt fällt die Selbsteinschätzung deutlich realistischer aus. Bei den jüngsten Heimspielen verkaufte der Klub-Vorsitzende Thomas Hein zur Einstimmung Fan-Utensilien, die extra für das Duell mit Hertha angefertigt wurden. Neben dem Spieltagsschal fand vor allem ein T-Shirt großen Absatz. Dessen schlichter Aufdruck: „Dabei“.