Radsport

Tragödie bei Polen-Rundfahrt: Die Radsport-Welt steht still

Der Tod des Belgiers Bjorg Lambrechtam Montag hat Teamkollegen und Fans erschüttert. Auch deutsche Profis nehmen Anteil.

Der 22 Jahre alte Bjorg Lambrecht starb am Montag nach einem schweren Unfall auf der xx. Etappe der Polen-Rundfahrt.

Der 22 Jahre alte Bjorg Lambrecht starb am Montag nach einem schweren Unfall auf der xx. Etappe der Polen-Rundfahrt.

Foto: ATP / picture alliance / ATP

Warschau/Köln. Als sich am Dienstagmittag der „Kondolenzzug“ mit 149 Radprofis auf die vierte Etappe der Polen-Rundfahrt machte, fuhren Trauer und Bestürzung mit. Der Tod des erst 22 Jahre alten belgischen Talents Bjorg Lambrecht hat die Radsportwelt erschüttert, an Normalität war am Tag nach der Tragödie nicht zu denken. Seit der schrecklichen Nachricht waren über die sozialen Medien endlos viele Beileidsbekundungen verbreitet worden.

„Ich war am Boden zerstört, als ich die tragischen Nachrichten gehört habe, und möchte der Familie und den Freunden von Bjorg Lambrecht und allen bei Lotto-Soudal mein tief empfundenes Mitgefühl aussprechen“, sagte der deutsche Sprinter Pascal Ackermann nach seinem Tagessieg auf dem dritten Teilstück. Freuen konnte er sich über seinen Erfolg aber nicht: „Das Ergebnis spielt keine Rolle.“

Ergebnis der Etappe am Dienstag zählt nicht für Gesamtwertung

Auch am Dienstag ging es nicht um den Tagessieg und das Klassement. Die Etappe wurde „aus Respekt gegenüber Bjorg“, so die Organisatoren, neutralisiert und von 173 auf 133,7 Kilometer verkürzt. Das Ergebnis sollte auch nicht in die Gesamtwertung einfließen. Geplante Aktionen entlang der Strecke wurden abgesagt.

Auf Kilometer 48 hatte sich der tragische Unfall ereignet. Laut Organisatoren war Lambrecht auf regennassem Belag von der Straße abgekommen. Wie das Onlineportal „Onet“ schrieb, prallte der Belgier gegen eine Betonkonstruktion. Lambrecht wurde zunächst noch auf der Straße liegend reanimiert, ehe er im Krankenhaus in Rybnik (Polen) seinen Verletzungen erlag.

Unfall ereignet sich auf breiter, aber regennasser Straße

Unfassbar war Lambrechts Tod auch für dessen Teamkollegen und Landsmann Enzo Wouters. „So schnell ändert sich das Leben. Heute morgen noch zusammen gefrühstückt, sechs Stunden später.... Ruhe in Frieden, Bjorg“, schrieb Wouters auf Twitter gemeinsam mit einem Bild vom gemeinsamen Frühstück.

Infolge der Witterungsbedingungen war es zu mehreren Stürzen auf der Etappe gekommen. Nasse Straßen machten vor allem das Fahren in Kurven zu einer gefährlichen Angelegenheit. Lambrechts Unfall sei aber auf einer „geraden und breiten Straße“ und nicht auf einer „Hochgeschwindigkeits-Abfahrt“ geschehen, sagte Rennleiter Czeslaw Lang und beschrieb: „Er zögerte einen Moment, er verließ den Asphalt und die Tragödie ereignete sich.“

Es war erst sein zweites Jahr auf der World Tour

Lambrechts belgischer Rennstall schrieb bei Twitter von der „größtmöglichen Tragödie für Bjorgs Familie, Freunde und Teamkollegen“. Auch weitere deutsche Radsportler äußerten sich bestürzt über Lambrechts Tod. „Es tut mir so leid. Mein Beileid an Bjorgs Familie, Freunde und Teamkollegen. Mir fehlen die Worte. Ruhe in Frieden“, schrieb Sprinter Marcel Kittel auf Twitter. Der Rostocker André Greipel teilte mit: „Ich kann nicht glauben, wie tragisch unser Sport sein kann. Meine Gedanken sind bei Bjorgs Familie.“

Lambrecht hatte in seiner jungen Karriere bereits einige Erfolge vorzuweisen. Beim diesjährigen Tour-Härtetest Critérium du Dauphiné in Frankreich hatte er die Wertung des besten Jungprofis gewonnen, bei der U23-WM im Vorjahr belegte er im Straßenrennen den zweiten Rang. Lambrecht startete erst in seinem zweiten Jahr auf der World Tour.