Finals 2019

Leichtathletik-WM: Hoffnungsschimmer und Goldkandidaten

Die deutschen Leichtathleten richten nach den nationalen Meisterschaften ihren Blick auf die WM in Doha.

Weitspringerin Malaika Mihambo ist bei den Weltmeisterschaften in Doha die Topfavoritin auf den Titel.

Weitspringerin Malaika Mihambo ist bei den Weltmeisterschaften in Doha die Topfavoritin auf den Titel.

Foto: Sven Hoppe / dpa

Berlin. Thomas Röhler erntete am Montagmorgen ein paar Gurken in seinem heimischen Garten. Kontrastprogramm. Eine kleine Pause für Kopf und Körper, nachdem der Speerwerfer am Sonntag bei den deutschen Meisterschaften der Leichtathleten im Olympiastadion Schwerstarbeit verrichtet hatte. Sein dritter Platz (82,70 Meter) war nicht das, was sich der Olympiasieger und Europameister vorgestellt hatte. Macht aber auch nichts. „Der volle Fokus liegt jetzt auf der WM“, sagte Röhler.

Wie dem 27-Jährigen aus Jena geht es vielen Leichtathleten. Die deutschen Meisterschaften waren eine Standortbestimmung auf dem Weg zum Saisonhöhepunkt (28. September bis 6. Oktober). Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Während andere in ihrer Trainingsarbeit noch auf die WM hinarbeiten und noch nicht zu Höchstleistungen imstande waren, präsentierten sich einige bereits in der Form eines Medaillenkandidaten.

Eine stabile Saison ist kein Garant für den WM-Titel

Röhlers Speerwurf-Kollege Andreas Hofmann zum Beispiel. Der 27-Jährige verteidigte seinen deutschen Meistertitel mit 87,07 Metern im letzten Versuch und zeigte abermals, dass er in dieser Saison der stabilste Werfer unter den deutschen Speerwurf-Assen ist. „Im Endeffekt zählt es bei der WM. Wer da fit ist und vorne mitmischt, das wird sich zeigen“, sagte Hofmann, der in der Weltrangliste mit 89,65 Metern auf Rang zwei liegt. „Da kann man die beständigste Saison werfen. Wenn es bei der WM nicht klappt, beißt man sich in den Hintern.“

Dass es bei Malaika Mihambo so weit kommen könnte, ist eigentlich unvorstellbar, wenn man sich anschaut, mit welcher Selbstverständlichkeit die 25-Jährige gerade einen Sieben-Meter-Sprung nach dem nächsten in die Sandgrube setzt. Ihren dritten deutschen Meistertitel sicherte sich die Weitsprung-Europameisterin mit 7,16 Metern – persönliche Bestweite und Weltjahresbestleistung. „Es ist ein cooles Gefühl, die Nummer eins der Welt zu sein“, sagte Mihambo. „Ich weiß, dass ich gute Chancen für die Weltmeisterschaften habe.“

Mihambos Ausflug auf die 100 Meter als Ablenkungsmanöver

Vor allem, wenn sie und ihr Trainer Ralf Weber es schaffen, die Topform bis Ende September zu halten. Damit das funktioniert, hat Mihambo noch eine zweite Disziplin, noch einen anderen Anreiz, als nur die magische Marke von sieben Metern. Über 100 Meter zählt sie seit Sonnabend zu den besten drei deutschen Sprinterinnen. Und ist damit auch für die 4x100-Meter-Staffel in Doha eine Option.

Ebenso wie Tatjana Pinto, die sich am Wochenende zu Deutschlands schnellster Frau im Doppelpack krönte. Am Sonnabend sicherte sie sich in Saisonbestzeit von 11,09 Sekunden den Titel über 100 Meter, am Sonntag ließ sie auch die Konkurrenz über die doppelte Distanz hinter sich – diesmal so schnell wie nie zuvor (22,62 Sekunden). Das war zuletzt vor 14 Jahren einer Athletin gelungen, damals holt Birgit Rockmeier (LG Olympia Dortmund) das Titel-Double.

Für eine Sprint-Medaille müssen die elf Sekunden fallen

Um aber auch in Doha um die Medaillen mitlaufen zu können, müsste schon eine Zeit unter elf Sekunden her. „Da gehört schon viel dazu, vielleicht auch ein bisschen Glück“, sagte Pinto, deren Bestzeit bei elf Sekunden liegt. In der Staffel ist ein Platz unter den besten drei Quartetten der Welt schon realistischer – zusammen mit SCC-Sprinterin Gina Lückenkemper, die in Doha „richtig abliefern“ will.

Ein Ziel, das auch Konstanze Klosterhalfen verfolgt. Die Frau, durch die viele Leichtathletik-Fans jüngst ihre Liebe zur Langstrecke wiederentdeckt haben. Der Solo-Lauf der 22-Jährigen zum deutschen Rekord über 5000 Meter (14:26,76 Minuten) lässt hoffen, dass auch in einem international besetzten Feld mal wieder eine deutsche Läuferin in der Spitze mithalten kann.

Bevor es für die Leichtathleten zum Saisonhöhepunkt in die Wüste geht, machen einige von ihnen noch einen Zwischenstopp im Olympiastadion. Sowohl Mihambo als auch die Speerwerfer geben sich beim Istaf am 1. September die Ehre. Und dann? Angriff auf die WM-Medaillen. „Wir sind auf einem sehr guten Weg Richtung Doha“, bilanzierte Bundestrainer Alexander Stolpe. Ein Weg, an dessen Ende die deutschen Leichtathleten dann unbedingt die Früchte ihrer Trainingsarbeit ernten wollen.