Springreiten

Frauen und Männer sind im Sattel gleichberechtigt

Auch beim Global Jumping in Berlin zählen einige Springreiterinnen zu den Favoriten auf den Sieg.

Auch Milliardärstochter Jennifer Gates ist in Berlin am Start.

Auch Milliardärstochter Jennifer Gates ist in Berlin am Start.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Berlin.. Auf dem Podium herrschte Konsens. Springreiterin Mathilda Karlsson und Turnierchef Volker Wulff waren sich im Vorfeld des Global Jumping Berlin, das am Freitag unterm Funkturm beginnt, einig: Ausschlaggebend dafür, ob aus einem Pferd einmal ein gutes Turnierpferd wird, sei die mütterliche Abstammung. „Die Mutter ist zu 70 Prozent entscheidend“, sagte Wulff sogar. Überhaupt spielen die Frauen im Pferdesport eine entscheidende Rolle. Unter den 28 olympischen Sportarten ist das Reiten die einzige, in der Frauen und Männer gemeinsam antreten.

Im Jugendbereich sind die Mädchen sogar in der Überzahl, dort sind neun von zehn Teilnehmern weiblich. In der Spitze kehrt sich das Verhältnis zwar um. Doch auch hier hat mittlerweile eine ganze Reihe von Frauen den Sprung in den Kreis der Besten geschafft. 20 von ihnen finden sich aktuell unter den ersten 100 der Weltrangliste. „Das ist einzigartig und zeichnet unseren Sport aus. Genau das macht es so interessant“, sagte Wulff.

Weltmeisterin Blum ist in Berlin nicht am Start

Ähnlich äußerte sich unlängst auch Bundestrainer Otto Becker. Der „Deutschen Welle“ sagte er: „Mittlerweile sind die Frauen ebenbürtig. Auch die Pferde sind von der Zucht her immer moderner und leichter geworden, so dass beide Geschlechter die gleichen Chancen haben.“

Mit Simone Blum gewann im vergangenen Jahr eine Frau den Weltmeistertitel. Es war erst das zweite Mal in der WM-Geschichte, dass eine Amazone die Goldmedaille holte. Beim Global Jumping Berlin ist Blum allerdings nicht am Start. Nach dem kräftezehrenden CHIO in Aachen gönnt sie ihrem Pferd Alice eine Verschnaufpause.

Tochter von Milliardär Gates ist unterm Funkturm dabei

Trotzdem ist das weibliche Geschlecht beim Turnier auf dem Messegelände gut vertreten: Neben Milliardärstochter Jennifer Gates und Georgina Bloomberg, Sprössling des Medienmoguls Michael Bloomberg, ist mit Finja Bormann auch die deutsche Aufsteigerin des Jahres dabei. Sie gewann in dieser Saison bereits das Burgturnier in Nörten-Hardenberg und darf nun erstmals in der Global Champions Tour gegen die weltbesten Reiter antreten.

Das Fünf-Sterne-Turnier startet am Freitag (13.30 Uhr) mit dem Eröffnungsspringen im Preis der Familie Eduard Winter. Höhepunkt des Wochenendes ist dann am Sonnabend der Global Champions Tour Grand Prix of Berlin.

Karlsson setzt auf Harmonie mit dem Pferd

Mit dabei ist auch Mathilda Karlsson. „Es kommt beim Springreiten weniger auf die körperlichen Voraussetzungen an, sondern vor allem darauf, dass man gut mit dem Pferd harmoniert. Dafür spielt es überhaupt keine Rolle, ob man ein starker Mann ist oder eine eher zartgebaute Frau“, sagte die 34-Jährige zur Geschlechterfrage.

Sie selbst habe eine sehr enge Bindung zu ihren Tieren. „Ich lege sehr viel Wert darauf, dass ich viel Zeit mit ihnen verbringe. Ich will wissen, wie es ihnen geht. Ich glaube, dass wir Reiterinnen da ein bisschen feinfühliger sind als unsere männlichen Kollegen.“

Frauen im Sattel sind längst keine Ausnahme mehr

Karlsson ist in Sri Lanka geboren, wurde aber im Alter von wenigen Monaten nach Schweden adoptiert und wuchs dort auf. Seit nunmehr 16 Jahren hat sie ihren Wohnsitz in der Nähe von Hamburg. Erst 2017 besuchte sie erstmals wieder ihre Heimat und war so überwältigt, dass sie international inzwischen für Sri Lanka antritt.

„Ich habe seitdem so viele Nachrichten von Menschen bekommen, die mit Pferdesport nichts zu tun haben. Alle sind so stolz, dass jemand ihr Land repräsentiert“, sagte sie. Karlsson ist die einzige Springreiterin des Landes. In dieser Hinsicht ist sie immer noch eine Exotin. Als Frau im Sattel gilt das längst nicht mehr.