Tour de France

Australier Ewan behält den kühlsten Kopf

Caleb Ewan feiert am bisher heißesten Tourtag seinen zweiten Etappensieg. Mitfavorit Jakob Fuglsang muss nach einem Sturz aufgeben.

Der Australier Caleb Ewan feiert im Ziel seinen zweiten Etappensieg bei der diesjährigen Tour.

Der Australier Caleb Ewan feiert im Ziel seinen zweiten Etappensieg bei der diesjährigen Tour.

Foto: GONZALO FUENTES / Reuters

Nimes. Der Triumphator Caleb Ewan schloss sein noch kleineres Töchterchen in die Arme, sein unermüdlicher Adjutant Roger Kluge genoss die Spontanparty am Teambus mit Freundin Judith und Töchterchen Jenna: Aus der brutalen Hitzeschlacht von Nimes auf der 16. Etappe der Tour de France wurde schnell ein großes Familienfest der Lotto-Soudal-Mannschaft. „Dass Caleb seine Tochter endlich wiedersehen konnte, hat ihm Zusatzkraft gegeben“, sagte Kluge nach dem zweiten Tagessieg seines Teamkollegen.

Bei Temperaturen an die 40 Grad in Südfrankreich zeigte das nur 1,65 Meter große australische Kraftpaket Ewan seine riesige Klasse und behielt im entscheidenden Moment einen kühlen Kopf. Taktisch perfekt siegte er vor seinen Dauerrivalen Elia Viviani (Italien/Deceuninck-Quick Step) und Dylan Groenewegen (Niederlande/Jumbo-Visma), als erster Sprinter holte er seinen zweiten Etappenerfolg bei der 106. Frankreich-Rundfahrt, den dritten insgesamt für sein Team.

Deutsche Sprint-Hoffnung Greipel enttäuscht erneut

„Um ehrlich zu sein: Ich habe mich richtig mies während des Rennens gefühlt“, sagte „Kraftwürfel“ Ewan: „Ich glaube, die Hitze hat mich echt erwischt. Ich habe so gelitten und wollte schon meinen Teamkollegen sagen, dass sie nach vorne gehen und um den Sieg kämpfen sollen.“ Die Leiden waren im Ziel aber schnell vergessen, zumal seine Ehefrau auch sein zweites, gerade einmal sechs Wochen altes Kind mitgebracht hatte. Beim (erwachsenen) Rest der Lotto-Abordnung floss indes der Schampus.

„Wir haben nach dem Ruhetag wieder gut reingefunden. Wir wussten, wir haben noch zwei Chancen - jetzt haben wir schon die erste genutzt“, sagte Routinier Kluge und meinte mit Blick auf die hammerharten Alpenetappen: „Jetzt müssen wir wieder ein paar Tage leiden.“

Die weiteren Deutschen hatten im Glutofen rund um Nimes weniger Spaß. So war Sprint-Routinier Andre Greipel erneut völlig chancenlos. Der 37 Jahre alte Rostocker vom Team Arkea-Samsic landete als bester Deutscher auf Platz 15 und ist damit weiterhin ohne Top-10-Platzierung. Greipel muss nun auf Paris hoffen - doch auch dort sind die Chancen gering.

Favorit Thomas stürzt zum dritten Mal

Das Gelbe Trikot des Gesamtführenden verteidigte der Franzose Julian Alaphilippe ohne große Mühe. Der Quick-Step-Kapitän führt vor den letzten fünf Etappen mit 1:35 Minuten vor Titelverteidiger Geraint Thomas (Großbritannien/Ineos), der am Dienstag einen Sturz unverletzt überstand. „Ich bin einfach über den Lenker geflogen. Es geht mir aber gut, mich sollte nichts in den Alpen behindern“, sagte Thomas, für den es bereits der dritte Sturz der laufenden Tour war.

Sechster bleibt Emanuel Buchmann (Ravensburg/Bora-hansgrohe). Der deutsche Podiumskandidat nahm die hohen Temperaturen gelassen, schon am vorangegangenen Ruhetag hatte er geäußert: „Mit der Hitze habe ich kein Problem. Lieber so ein Wetter als kalt.“

Fuglsang hatte noch vor der Hitze gewarnt

Ein weiterer Konkurrent Buchmanns musste am Dienstag aufgeben: Der Däne Jakob Fuglsang, drei Minuten hinter dem Deutschen auf Gesamtplatz neun, verletzte sich bei einem Sturz rund 30 km vor dem Ziel. Fuglsang, der den Tour-Härtetest Criterium du Dauphine, den Buchmann auf Rang neun beendete, gewonnen hatte, war vor der Etappe noch als Mahner aufgetreten. „Die Hitze sollte man wirklich ernst nehmen. Ein kleiner Fehler kann dich einen hohen Preis zahlen lassen“, warnte er.

Beim Start am antiken Amphitheater von Nimes brannte die Sonne am frühen Dienstagnachmittag erbarmungslos, herrschten Temperaturen von 35 Grad. Zudem heizte sich der Asphalt auf der Strecke auf bis zu 80 Grad auf - die Anforderungen an Fahrer und Technik waren immens. Die Fahrer behalfen sich mit allerlei Tricks, einige schoben sich Eiswürfel in die Löcher ihrer Helme oder fuhren mit Kühlwesten.

Französischer Hitzerekord könnte am Mittwoch fallen

Der Kampf mit der südfranzösischen Gluthitze wird auch am Mittwoch ein Thema werden. Meteorologen halten für möglich, dass der Hitzerekord Frankreichs - ganz in der Nähe des Etappenstarts am Pont du Gard wurden Ende Juni 45,9 Grad gemessen - gebrochen wird.