Tennis

Weltmeister Zverev setzt auf die Kraft der Fans

Alexander Zverev schlägt nach zwei Jahren Abstinenz wieder beim Hamburger ATP-Turnier auf und hofft auf die lautstarke Unterstützung der Fans

Alexander Zverev trifft zum Auftakt in Hamburg auf den Chilenen Nicolas Jarry.

Alexander Zverev trifft zum Auftakt in Hamburg auf den Chilenen Nicolas Jarry.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Hamburg. Was er sich an Hilfe erwartet am Hamburger Rothenbaum, das formulierte Alexander Zverev am Sonntagabend über das Stadionmikrofon ganz offen. „Ich wollte unbedingt zurück nach Hamburg, wo das Publikum hinter mir steht und wo ich gemocht werde. Ihr könnt mir am besten helfen, wenn ihr so laut wie möglich seid bei meinen Matches“, sagte der 22 Jahre alte ATP-Weltmeister, nachdem er als Teil eines gemischten Doppels an der Seite der Österreicherin Barbara Schett (43) gegen die Kroatin Iva Majoli (41) und den Chilenen Nicolas Massu (39) das traditionsreichste deutsche Männertennisturnier eröffnet hatte.

Zwei Jahre lang den Rothenbaum gemieden

„Der Junge kommt nach Hause“, so überschrieben die neuen Turnierorganisatoren in der vergangenen Woche ihre Pressemitteilung, in der die Zusage des Weltranglistenfünften bekannt gemacht wurde. 2013 hatte der gebürtige Hamburger als 16-Jähriger erstmals am Rothenbaum aufgeschlagen, ein Jahr später war er bis ins Halbfinale durchgestartet, 2015 und 2016 dann jeweils in Runde eins gescheitert. Über die Gründe für sein Fernbleiben in den vergangenen zwei Jahren wollte Zverev, der mittlerweile in Monte Carlo lebt und zum ersten Mal seit drei Jahren wieder im Familienhaus im Hamburger Stadtteil Lemsahl übernachtete, wenig sagen. Viel wichtiger sei doch, „dass ich wieder hier bin“.

Rund 300.000 Euro Antrittsgage

Das kann man so sehen. Vor allem für die neuen Veranstalter Sandra Reichel (48) und ihren Vater Peter-Michael (66) ist die Zusage des Zugpferds ein Segen, der sich bereits in den Ticketvorverkäufen niedergeschlagen hat. Die geschätzt rund 300.000 Euro Antrittsgage dürften gut angelegtes Geld sein. „Für uns ist es ein Traum, der in Erfüllung geht. Sascha ist der wichtigste Spieler für dieses Turnier“, sagte Sandra Reichel.

Die Österreicher, die im September 2017 vom Deutschen Tennis-Bund die Lizenz zur Ausrichtung des Turniers von diesem Jahr an bis 2023 erhalten hatten und Michael Stich nachfolgen, hatten sich seit 14 Monaten um Zverevs Rückkehr bemüht. Dass diese nun erfolgt, hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist die Anfang des Jahres trotz Vertrags bis 2023 vollzogene Trennung von seinem Manager Patricio Apey, um die aktuell ein Rechtsstreit tobt.

Zverev entdeckt die Liebe zur Heimat wieder

Apey war es, der einen mit Stich 2014 geschlossenen Fünfjahresvertrag mit Hauptfeld-Startgarantie 2017 als nichtig erklärte. Statt in Hamburg zu spielen, sah Zverevs Planung vor, sich nach der Rasensaison beim Turnier in Washington auf die nordamerikanische Hartplatztour vorzubereiten. „Ich habe dort 2017 und 2018 den Titel geholt, deshalb war die Entscheidung nicht ganz falsch“, sagte er. Nach einem Streit mit der Turnierdirektion in der US-Hauptstadt habe er nun jedoch die Liebe zur Heimat wiederentdeckt. „Das ist ganz allein meine Entscheidung“, sagte er.

Vater hat anstelle von Lendl die Betreuung übernommen

Tatsächlich wirkt Zverevs Freude über die Rückkehr in die Heimat glaubhaft. Inwieweit sich der Daviscup-Spieler nach dem Erstrundenaus in Wimbledon sportlich stabilisiert hat, bleibt abzuwarten. Manche Experten hatten ihm geraten, nach London eine längere Turnierpause zu nehmen, um neue Lösungen für sein in dieser Saison oft eindimensional wirkendes Spiel zu erarbeiten. Er entschied sich nach einwöchigem Urlaub und zehn Tagen intensiven Trainings in Absprache mit seinem Vater, der anstelle von Hauptcoach Ivan Lendl wieder die Betreuung übernommen hat, für Spielpraxis.

Zum Auftakt wartet an diesem Dienstag der Chilene Nicolas Jarry (23/Nr. 38), der 2018 in Hamburg im Halbfinale stand und am Sonntag das Turnier in Bastad (Schweden) gewann. „Das wird eine harte Aufgabe“, sagte Alexander Zverev. Aber mit der Hilfe seiner Fans will er sie lösen.