Tour de France

Ewan siegt dank Kluges Unterstützung in Toulouse

Der Berliner Anfahrer Roger Kluge freut sich über den ersten Tour-Erfolg seines australischen Kapitäns. Sunweb enttäuscht erneut.

Der Australier Caleb Ewan (l.) gewinnt die elfte Etappe vor Dylan Groenewegen.

Der Australier Caleb Ewan (l.) gewinnt die elfte Etappe vor Dylan Groenewegen.

Foto: GONZALO FUENTES / Reuters

Toulouse. Der Boulevard Lascrosse in Toulouse brachte Caleb Ewan die Erleichterung. Um Reifenstärke nur bezwang der Australier den Niederländer Dylan Groenewegen und holte sich so seinen ersten Touretappensieg. „Das ist das Rennen, von dem ich immer träumte, es zu gewinnen, seit ich ein Junge war. Und jetzt hat sich dieser Traum realisiert. Ich kann es noch gar nicht fassen“, meinte der 25-Jährige, der vergangenen Donnerstag seinen Geburtstag bei der Tour gefeiert hatte.

Noch stärker bewegt als der Sieger selbst schien sein Anfahrer. „Ich habe ja nicht oft Tränen in den Augen“, sagte der hünenhafte Roger Kluge – und drückte sich schnell das Wasser aus den Augen. Kluge, acht Jahre älter und viele Rennkilometer erfahrener als sein junger Sprintkapitän, hatte an diesem Tag viel zu arbeiten. „Bei Kilometer 15 war Caleb durch den Sturz aufgehalten worden. Wir mussten dann die Lücke schließen. Es war harte Arbeit. Bei Kilometer 3 waren wir dann dran, bei Kilometer 2 war er am Zug von Jumbo Visma, und dann hat er alles allein und auch ganz richtig gemacht“, erzählte der Berliner.

Zweiter Tageserfolg für das Team des Berliners

Kluge durfte sich dann noch den Dank seines Teamkollegen Thomas De Gendt abholen. „Großartiger Job, wie du Caleb wieder zurückgebracht hast“, meinte der Belgier, der vor ein paar Tagen selbst eine fast 200 Kilometer lange Flucht mit dem Etappensieg gekrönt hatte. De Gendt weiß, wie es ist, gegen ein Peloton zu ackern.

Kluge glückte es, Ewan vollendete. Von solch einem Szenario hatte man auch bei Team Sunweb geträumt. An diesem Tage war es nicht Sprintkapitän Michael Matthews, der sich in den finalen Massensprint warf. „Wir haben früh entschieden, dass wir auf verschiedene Karten bei dieser Tour setzen werden. Heute haben wir für Cees Bol gearbeitet. Für einen Tourneuling ist es großartig, was er da geleistet hat“, meinte Teamkollege Nikias Arndt. Bol wurde immerhin Achter.

Der junge Niederländer verschwand in einer Traube von Journalisten aus dem Heimatland und berichtete dort von seinem Empfindungen. Kapitän Matthews, immerhin Gewinner des Grünen Trikots 2017, schien froh, bei diesem Sprint nicht mitgemacht zu haben. „Die Situation ist völlig anders als vor zwei Jahren. Damals bereitete ich mich auf das Grüne Trikot vor. In diesem Jahr waren meine Ziele anders. Ich habe mich darauf vorbereitet, Tom Dumoulin zu helfen und deshalb beim Training viel Aufmerksamkeit aufs Klettern gelegt. Wie gut meine Bergbeine sind, hat man bei einigen Etappen ja auch gesehen“, meinte der Australier. Seine Sprintfähigkeiten hat das etwas eingeschränkt. Matthews wirkt weniger spritzig als erwartet.

Der deutsche Mannschaft Sunweb fehlt der Vollender

Für Sunweb haben die Plankorrekturen vom früheren Girosieger Tom Dumoulin also Auswirkungen bis in die zweite Tourwoche hinein. Der deutsche Rennstall tritt hier mit einer Truppe von Helfern an, denen aber ein Vollender fehlt. Das Team, das zuletzt als Grand Tour-Team große Erfolge feiert, legte bislang eine anonyme Tour hin.

Spekulationen darüber, dass Dumoulin auf dem Absprung ist, heben die Stimmungslage auch nicht unbedingt. Steigt Dumoulin tatsächlich vorzeitig aus dem Vertrag aus und wechselt – wie spekuliert wird – zum Tony Martin-Rennstall Jumbo Visma, dann wäre er schon der vierte Star, der die Flucht ergreift. Vor ihm waren das bereits die deutschen Sprinter Marcel Kittel und John Degenkolb, danach der französische Kletterer Warren Barguil. Die Profis, die gingen, beklagten sich über zu rigide Strukturen. Sunweb wurde als Rennstall bekannt, der Rohdiamanten zu funkelnden Stars schleift. Sind sie dann zu Stars geworden, fehlt es offenbar jedoch an Flexibilität, auf individuelle Wünsche einzugehen.

Sunweb-Profi Arndt immerhin sah bei dieser Tour das Glas eher halbvoll als halbleer. „Als Team arbeiten wir gut zusammen. Das Zeitfahren war sehr gut, und bei den Sprintfinals sind wir immer mit vorn dabei“, sagte er. Es fehlt aber der Erfolg, damit die Tour nicht als Fehl- und Rückschlag in die Rennstall-Annalen eingeht.