BUNDESLIGA

Ante Covic: „Aus Trainersicht war ich enttäuscht“

Hertha-Trainer Covic kritisiert U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz. Eduard Löwen, bei der U21-EM ohne Einsatz, trainiert in Berlin

Hertha-Trainer Ante Covic (43) ist auch als Psychologe gefragt.

Hertha-Trainer Ante Covic (43) ist auch als Psychologe gefragt.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Berlin.. Die Freude war gepaart mit Kritik: Hertha-Trainer Ante Covic (43) hat am heutigen Dienstag erstmals U21-Nationalspieler Eduard Löwen auf dem Trainingsplatz begrüßt – den mit sieben Millionen Euro Ablöse bislang teuersten Zugang dieses Sommers. Gleichzeitig äußerte der Coach des Fußball-Bundesligisten jedoch, ohne dessen Namen zu nennen, Unzufriedenheit an der Personalpolitik von U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz. Auf die Frage, ob er erstaunt war über die geringen Einsatzzeiten der Herthaner bei der U21-EM in Italien, antwortete Covic: „Erstaunt? Aus Trainersicht­ war ich enttäuscht.“

Nationaltrainer Stefan Kuntz hatte mit Jordan Torunarigha, Lukas Klünter, Maximilian Mittelstädt, Arne Maier und Löwen gleich fünf Hertha-Profis zur EM-Vorbereitung eingeladen. Torunarigha wurde wegen einer Blessur am Sprunggelenk ebenso nicht in den endgültigen Kader berufen wie Klünter. Im Turnier stand Maier einmal zum Auftakt gegen Dänemark (3:1) in der Startelf. Mittelstädt durfte einmal ran, im Halbfinale als Ersatz für den gelbgesperrten Benjamin Henrichs (4:2 gegen Rumänien). Löwen kam bei keinem der insgesamt fünf EM-Spiele zum Einsatz.

Konkurrenz bei U21 ist enorm

„Wenn du fünf Spieler im ersten Zug hast von den 26 Eingeladenen, dann hast du drei nominiert für die EM: Arne Maier kam aus einer längeren Verletzung, stand nur im ersten Spiel in der Startelf, sonst war er Füllspieler. Das war schon enttäuschend für uns“, sagte Covic.

Die Konkurrenz in der deutschen U21 ist enorm. Schaut man auf die Einsatzminuten, blieben für die Hertha-Spieler nur Nebenrollen. So verständlich die Kritik von Covic ist: Mit Blick auf den Turnierausgang – Deutschland musste sich nur im Finale Spanien mit 1:2 geschlagen geben – hat Nationaltrainer Kuntz nicht so viel verkehrt gemacht­.

Autogramme von Löwen sind begehrt

Allerdings muss sich Hertha mit den Folgen des Turniers befassen. Die Aufgabe mit seinen fünf U21-Nationalspielern beschreibt Covic so: „Für uns heißt es jetzt, die Enttäuschung, die die Jungs selbst haben, aus ihren Köpfen rauszubekommen, um sie dann an die Mannschaft heranzuführen. Weil ihr tägliches Brot verdienen sie bei Hertha.“

Von den drei EM-Fahrern war Löwen­ (22 Jahre) nun der erste, der die Arbeit beim Hauptstadt-Klub aufgenommen hat. Maier und Mittelstädt treten ihren Dienst am Freitag an.

Geduldig schrieb der Neue, gekommen vom Bundesliga-Absteiger 1. FC Nürnberg, nach der 90-minütigen Einheit Autogramme und trug eine Kiste Wasser zurück in Richtung­ Kabine.
„Wir sind froh, dass wir Eduard gesund hier haben“, sagte Trainer Covic. Um Mannschaft und Abläufe kennenzu­lernen, soll Löwen bereits einige Spiel- und Übungsformen mitmachen. Vor allem aber wird er die konditionellen Grundlagen nacharbeiten müssen, die der Rest des Teams in den vergangenen zwei Wochen bereits gelegt hat.

Löwen kommt nicht, um sich hinten anzustellen

Löwen ist ein vielseitiger Spieler. Beim 1. FC Nürnberg war er, abgesehen­ vom Torwart, gefühlt auf so gut wie allen Positionen im Einsatz. Er selbst spielt am liebsten im Mittelfeld­ auf der Sechser- oder Achter-Position. Da ist bei Hertha der Konkurrenzkampf allerdings am schärften: Dort hoffen auch Per Skjelbred, Maier, Marko Grujic, Sidney Friede und Vladimir Darida­ auf Einsatzzeiten.

„Ich weiß, dass Eduard seine Vorlieben im Zentrum hat“, sagte Trainer Covic­. Er legte sich jedoch nicht fest: „Wir unterhalten uns mit ihm und gucken, wo wir seine Stärken für unsere Mannschaft anbringen können.“

Löwen kommt mit der Erfahrung von 65 Profi-Einsätzen (22 in der Bundesliga, 43 in der Zweiten Liga/acht Tore). Er wird sich nicht hinten anstellen wollen­. Covic sagt über Löwen: „Er ist ein junger, entwicklungsfähiger Spieler. Einer, der noch nicht am Ende ist, sondern hier in Berlin seinen nächsten Schritt machen möchte.“