Tour de France

Tour-Mitfavorit Pinot vom Winde verweht

Der Franzose ist der große Verlierer der 10. Tour-Etappe, die der Belgier van Aert im Sprint einer Spitzengruppe gewinnt.

Wout van Aert (M.) aus Belgien gewinnt die 10. Etappe der Tour de France.

Wout van Aert (M.) aus Belgien gewinnt die 10. Etappe der Tour de France.

Foto: Yorick Jansens / dpa

Albi.. Die 10. Etappe der Tour de France wurde vom Wind geprägt. Gleich in drei Gruppen zersplitterte das Peloton im Finale. Vorn befand sich die Ineos-Truppe mit Titelverteidiger Geraint Thomas und Egan Bernal. Auch das Bora-hansgrohe-Duo Emanuel Buchmann und Patrick Konrad hatte den richtigen Riecher, als der Seitenwind in das Peloton stob. Den Anschluss verpasst hatten hingegen Thibaut Pinot, Jakob Fuglsang und Rigoberto Uran. Noch eine Gruppe weiter hinten lag mit Mikel Landa ein weiterer potenzieller Podiumsanwärter.

Die Gruppe vorn wurde vor allem von Ineos und Bora angetrieben. Die Männer des britischen Rennstalls sahen die Chancen, ihren Rivalen Nummer eins – eben Pinot – zu distanzieren. Bora fuhr auf vollen Zylindern, weil auch Klassikerchampion Peter Sagan mit vorn war. Sagan hatte wieder die Chance auf einen Etappensieg. Die Führenden machten nicht nur Dampf, sie spielten zuweilen auch ein wenig Jojo mit Pinot. Sie ließen die Gruppe zwischenzeitlich auf etwa ein Dutzend Sekunden herankommen. 1:40 Minuten betrug am Ende sein Rückstand.

Buchmann fährt auch Gesamtrang fünf

Beim Sprint vorn präsentierte sich der Zug des deutschen Rennstalls Sunweb stark. Gleich vier Mann zogen den Spurt für Kapitän Michael Matthews an. Der Australier musste sich aber drei Schnelleren beugen: Cyclocross-Umsteiger Wout van Aert gewann das Finish, die etatmäßigen Sprinter Elia Viviani und Caleb Eewan belegten die Plätze dahinter. Sagan, der zunächst eingebaut war, fand auf der äußersten rechten Spur dann noch eine Lücke und wurde Fünfter. Julian Alaphilippe verteidigte als Tageselfter Gelb. „Wir sind hier vor allem um den Etappensieg gefahren. Dass das auch Veränderungen im Klassement brachte, hat uns nicht interessiert“, meinte der Franzose, der sich aber auch über die mangelnde Aufmerksamkeit einiger Podiumsanwärter wunderte. „Rang fünf – ja, das hört sich sehr gut an. Heute musste man den ganzen Tag aufmerksam fahren. Es war richtig hart“, sagte Buchmann, der in der Gesamtwertung vorrückte.

Große Verlierer des Tages waren Pinot, Uran, Fuglsang und Richie Porte, die allesamt 100 Sekunden verloren, sowie Landa, der gar 2:09 Minuten hinter Thomas, Buchmann und Co. die weiße Linie in der Kathedralenstadt passierte. Von Pinot war nur der Ausspruch „ein sch... Tag heute“ zu vernehmen, bevor er im Bus verschwand.

Diskussion um Windschatten durch Fahrzeuge

Der Wind hatte schon in den letzten Tagen für einige Aufregung gesorgt. In dieser Situation war Pinot der Profiteur. Bei der Attacke von ihm und Alaphilippe in Saint-Étienne beobachtete Astana-Kapitän Fuglsang nämlich ein Kameramotorrad, das den beiden Windschatten gegeben hatte. „Ich beschuldige hier keinen Fahrer. Mir geht es mehr um die Motorradfahrer. Sie haben sich aus dem Rennen herauszuhalten“, betonte Fuglsang.

Das Problem begleitet den Radsport, seit es Autos und Motorräder in der Nähe der Fahrer gibt. Wissenschaftlich wurde das Problem in einer passenderweise Ende Juni erschienenen Studie der Universität Eindhoven aufgearbeitet. Da wurde zwar auch noch bei einem Abstand zwischen Motorrad und Radfahrer von 50 Meter bei einer Geschwindigkeit von 54 km/h ein Vorteil von 1,4 Sekunden gemessen. Der Vorteil tritt allerdings erst bei einer Minute Windschattenfahren ein; im Forschungsdesign hatten dort Motorradfahrer und Radfahrer mindestens eine Minute im gleichbleibenden Abstand bei gleichbleibender Geschwindigkeit verbracht – ein eher unrealistisches Szenario in der Rennpraxis.

Forderung nach Mindestabstand

Bei kürzeren Abständen sind die Vorteile aber beträchtlich, und auch realistisch. Bei einem halben Meter Abstand können 71 Prozent des Gegenwindes eingespart und durch die erhöhte Geschwindigkeit bis zu 29,3 Sekunden Zeit gut gemacht werden. Bei zweieinhalb Metern besteht der Gewinn immerhin noch 14 Sekunden pro Minute, bei zehn Metern fünf Sekunden.

Aike Visbeek, Trainer beim deutschen Team Sunweb, hält daher einen Mindestabstand von 30 bis 40 Meter für sinnvoll. Das UCI-Reglement für Rundfahrten sieht bisher keinen Mindestabstand vor. Es schreibt aber vor: „Kameramotorräder müssen ihre Arbeit ohne Einfluss auf das Rennen durchführen.“ Visbeek forderte auch, dass die Rennkomissäre schneller eingreifen und Kameramotorräder eher vom Feld oder von Ausreißergruppen wegschicken. „Es ist ein großes Problem, und es ändert sich nicht wirklich etwas“, meinte der Niederländer.

Bei den Windkanten der 10. Etappe gab es immerhin keine Beschwerden über helfende oder hindernde Motorräder.