Tour de France

Giulio Ciccone holt im Stehen das Gelbe Trikot

Der Italiener wird auf der ersten, überaus schweren Bergetappe Zweiter hinter dem Belgier Dylan Teuns. Buchmann wird starker Achter.

Überrascht als Etappenzweiter und löst Julian Alaphilippe im Gelben Trikot ab: Der Italiener Giulio Ciccone.

Überrascht als Etappenzweiter und löst Julian Alaphilippe im Gelben Trikot ab: Der Italiener Giulio Ciccone.

Foto: Stockman / dpa

La Planche Des Belles. Bilder, die man ansonsten nur von Amateurrennen kennt, bot das Finale der 6. Etappe der Tour de France. Giulio Ciccone, der neue Mann in Gelb, blieb auf der Rampe mit 24 Prozent Steigung etwa 100 Meter vor dem Zielstrich fast stehen.

Sein Tritt auf die Pedalen war so schwer, dass man förmlich jeden einzelnen Zahn des Kettenblattes dabei beobachten konnte, wie er in die Kette griff. Noch schlimmer ereilte es Romain Bardet.

Der Tour-Zweite von 2016 blieb auf dem Zielstrich komplett stehen. Sein Glück war, dass die Zeitmessung schon ausgelöst hatte. Während Bardet zu den Geschlagenen gehörte, war Geraint Thomas der eindeutige Gewinner unter den Klassementfahrern.

Geraint Thomas heimlicher Sieger

Für den Waliser zahlte sich aus, dass er den Anstieg schon zuvor getestet hatte. „Geraint ist hier bereits mit dem Rad hoch. Er kennt auch den letzten schlimmen Kilometer“, hatte Ineos-Teamchef David Brailsford dieser Zeitung noch am Start in Mülhausen verraten.

Die Tourorganisatoren hatten zu dem ohnehin bereits sehr schweren Anstieg zur Planche des Belles Filles einen Kilometer über festgewalzten Lehm hinzugefügt. Die Maximalschwierigkeit lag in der letzten Steigung.

„Das ist ein Berg, wie man ihn von der Vuelta oder dem Giro kennt, aber nicht von der Tour“, meinte Brailsford. Schimpfen wollte er aber nicht: „Ich bin immer offen für Neues. Der Job der Organisatoren ist es, die Strecke auszuwählen. Und unserer ist es, die richtige Strategie für den Parcours zu entwickeln.“

Parforceritt eines Basken

Die Strategie stimmte. Team Ineos ließ sich weder von dem mörderischen Tempo beeindrucken, das auf dem mittleren Teil des 7 Kilometer langen Anstiegs von Team Movistar vorgelegt wurde. Vor allem Weltmeister Alejandro Valverde gab alles, um die Konkurrenz zu zermürben.

Sein Parforceritt bereitete eine Attacke seines Teamkollegen Mikel Landa vor.

Der Baske fuhr bei etwa vier Kilometer vor dem Ziel unwiderstehlich aus dem Peloton davon. Ineos schien beeindruckt. Landa baute schnell seinen Vorsprung auf 23 Sekunden aus.

Dann aber warf David Gaudu, 22-jähriges Klettertalent von Groupama FDJ, seine Kräfte in die Waagschale. Er führte die Gruppe wieder näher an Landa heran. Gaudu versuchte auch, eine Attacke seines Kapitäns Thibaut Pinot vorzubereiten. Pinot kennt den Anstieg bestens. Sein Haus liegt nur 20km von der Planche des Belles Filles entfernt. Der Anstieg ist seine Trainingsstrecke.

Alaphilippe kämpft vergeblich um Gelbes Trikot

Den entscheidenden Akzent setzte aber nicht er, sondern ein anderer Profi mit Ortskenntnis. Geraint Thomas wusste genau, wann er antreten musste. Er wählte einen Moment, in dem das Favoritenfeld noch paralysiert schien von einer Attacke des bisherigen Mannes in Gelb, des Franzosen Julian Alaphilippe.

Alaphilippe wollte unbedingt sein Trikot verteidigen. Schnell aber bekam er Begleitung durch Thomas. Der Mann mit der Startnummer 1 ließ den eigentlich dynamischeren Franzosen dann aber regelrecht stehen. Er hatte offenbar die bessere Übersetzung für das steilste Stück gewählt.

Bonussekunden ergatterte der Waliser allerdings nicht. Vor ihm kam als Tagesdritter noch ein weiterer Überlebender der Fluchtgruppe ins Ziel. Aber Thomas hatte ein Achtungszeichen gesetzt.

Beherztes Rennen von Buchmann

Wer wegen der nicht störungsfreien Vorbereitung Zweifel an der Form des Titelverteidigers hatte, war jetzt davon kuriert. Der Boss ist da. Das musste auch sein junger Teamkollege Egan Bernal erkennen. Der 22-jährige Kolumbianer konnte seinem Partner nicht folgen. Er musste auch noch andere Fahrer an sich vorbeilassen, unter ihnen Emanuel Buchmann.

Der Ravensburger fuhr ein beherzten Rennen. Er war stets vorn präsent in der Favoritengruppe. Aufatmen gab es auch beim Teamkollegen Peter Sagan. Der Slowake schaffte im Gruppetto das Zeitlimit und durfte sich das 110. Grüne Trikot seiner Karriere überstreifen.