Tennis

Wiedersehen in Wimbledon für Nadal und Federer

Rafael Nadal und Roger Federer stehen sich im Halbfinale von Wimbledon gegenüber – das weckt Erinnerungen an ihr episches Finale 2008.

Feierte in Wimbledon im Viertelfinale seinen 100. Sieg und kann sich jetzt auf Dauer-Konkurrent Rafael Nadal freuen: Roger Federer.

Feierte in Wimbledon im Viertelfinale seinen 100. Sieg und kann sich jetzt auf Dauer-Konkurrent Rafael Nadal freuen: Roger Federer.

Foto: TONY O'BRIEN / Reuters

London. Die meisten Sportfans lieben Statistiken. Und so werden die rund 530 in Wimbledon akkreditierten Medienvertreter täglich mit einer Flut an Daten versorgt, die sie in ihre Berichterstattung einfließen lassen könnten. Eine der am Mittwochmorgen verbreiteten Zahlen war tatsächlich überraschend.

Nur ein einziges Mal in der Geschichte der All England Championships war es den großen Drei – Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic – gelungen, gemeinsam ins Halbfinale einzuziehen, 2007. Kaum zu glauben angesichts der Dominanz des Trios, das in diesem Jahr bis zum Viertelfinale gerade einmal drei Sätze abgegeben hatte und sich seit 2017 alle zehn vergebenen Majortitel aufgeteilt hat.

Am Mittwochabend musste die Statistik allerdings überholt werden. Der Spanier Nadal (33/Nr. 2 der Welt) verwandelte um 18.58 Uhr Ortszeit seinen ersten Matchball gegen den US-Amerikaner Sam Querrey (31/Nr. 65) zum 7:5, 6:2, 6:2 und folgte Djokovic und Federer ins Semifinale.

Federer schlägt den Japaner Nishikori in vier Sätzen

Titelverteidiger Djokovic (32/Serbien) zeigte sich beim 6:4, 6:0, 6:2 über den zähen Belgier David Goffin (28/Nr. 23) in Galaform. Der Schweizer Grand-Slam-Rekordsieger (20 Titel) erreichte sein 45. Major-Halbfinale (ebenfalls Rekord) durch einen 4:6, 6:1, 6:4, 6:4-Erfolg über den flinken, aber am Ende überforderten Japaner Kei Nishikori (29/Nr. 7).

„Der Anfang war hart, Kei hat mich sehr gefordert. Für mich war es wichtig, im zweiten Satz meinen Rhythmus zu finden. Am Ende habe ich einfach sehr gut aufgeschlagen“, sagte Federer. Der 37-Jährige, der seinen 100. Sieg in Wimbledon (nächster Rekord!) feierte, nutzte seinen ersten Matchball standesgemäß mit seinem zwölften Ass und darf sich nun auf sein 40. Duell mit Nadal freuen.

Nadal bereits für das ATP-Finale qualifiziert

24:15 führt der Spanier, das letzte Treffen auf Rasen hatte es tatsächlich im epischen Wimbledon-Finale von 2008 gegeben, das Nadal in fünf Sätzen gewann.

„Es ist großartig, dass ich nach so langer Zeit hier wieder gegen Roger antreten darf“, sagte Nadal, der sich durch seinen Sieg bereits als erster Spieler für das ATP-Finale (10. bis 17. November) qualifiziert hat

Federer wollte gar nicht auf 2008 zurückschauen. „Es geht nicht darum, was damals war, sondern es zählt, wie wir in der Gegenwart spielen. Es wird ein hartes Match, Rafa kann jedem Gegner auf jedem Belag weh tun. Aber ich freue mich auf die Herausforderung“, sagte er.

Djokovic liefert eine Gala-Vorstellung

Der Weltranglistenerste Djokovic hatte nur im ersten Satz Probleme mit Goffin, der wie eine Miniaturausgabe des Serben jedem Ball nachstellte und aus unmöglichen Positionen Winner schlug.

Unter vielen „Ooohs“ und „Aaahs“ aus dem Publikum, das in der Mehrheit zum Außenseiter hielt, gab es rasante Ballwechsel zu bestaunen, bis Djokovic, einer Würgeschlange gleich, sein Opfer Mitte des zweiten Satzes müde gejagt hatte und es nicht mehr aus der Umklammerung entkommen ließ.

„Ich habe im zweiten und dritten Satz mein bestes Tennis gespielt. Jeder Gegner soll gegen mich das Gefühl haben, zweimal so hart für jeden Punkt arbeiten zu müssen“, sagte der Sieger, der in seinem neunten Halbfinale an der Church Road am Freitag (14 Uhr MEZ) vom Spanier Roberto Bautista Agut gefordert wird, gegen den er zwei seiner drei Niederlagen aus zehn Vergleichen in diesem Jahr einstecken musste.

Bautista Agut wollte eigentlich auf Ibiza Junggesellenabschied feiern

Der 31-Jährige, Nummer 22 der Welt, bezwang den Argentinier Guido Pella (29/Nr. 26) mit 7:5, 6:4, 3:6, 6:3 und steht erstmals in seiner Karriere in einem Grand-Slam-Halbfinale – obwohl er eigentlich von morgen an mit Freunden seinen Junggesellenabschied auf Ibiza hätte feiern wollen.

„Es fühlt sich aber gut an, hier zu sein. Meine Freunde müssen jetzt herkommen“, sagte er. Und dabei zusehen, wie er versucht, den großen Drei den nächsten Titel streitig zu machen.