Tour de France

Lücke gefunden, Bann gebrochen: Sagans großer Sieg

Bei der fünften Tour-Etappe führt der Berliner Maximilian Schachmann seinen Team-Kapitän zum Erfolg. Andere Deutsche haben Sorgen.

Genießt seinen Erfolg: Der Slowake Peter Sagan im Grünen Trikot des Punktbesten überquert im Spurt als Erster die Ziellinie.

Genießt seinen Erfolg: Der Slowake Peter Sagan im Grünen Trikot des Punktbesten überquert im Spurt als Erster die Ziellinie.

Foto: David Stockman / dpa

Colmar.  Und da waren es zwölf. Der erste kleine Berg-Tag bei der Tour de France mit der fünften Etappe von Saint-Die-des-Vosges nach Colmar (175,5 km) brachte Peter Sagan den ersten Etappenerfolg und den zwölften in seiner Karriere. „Man muss einfach ruhig bleiben, und der Sieg wird dann schon kommen“, meinte er gelassen im Ziel.

Katusha-Alpecin vor ungewisser Zukunft

War auch nötig. Denn der Druck auf Sagan hatte mit jedem Tag ohne Sieg zugenommen. Gelb zum Auftakt verpasst, im Flachsprint wie Sprint nach Anstiegen geschlagen – die ersten vier Tour-Tage sahen nicht perfekt aus.

Dass der Slowake dennoch den Glauben an sich nicht verlor, zeugt von den Champions-Qualitäten des Frontmanns von Bora hansgrohe.

Er setzte sich im wilden Finale gegen den Belgier Wout van Aert und Matteo Trentin durch. Der Kölner Nils Politt, dessen Team Katusha-Alpecin vor einer ungewissen Zukunft steht („Wir brauchen Ergebnisse, sonst sind wir nächstes Jahr arbeitslos“), wurde guter Achter.

Deutsche Teams Bora hansgrohe und Sunweb bestimmen Etappe

Begonnen hatte der Tag recht ruhig. So dauerte es 20 Kilometer, bis sich die Fluchtgruppe des Tages absetzen konnte. Vier Mann bildeten sie, darunter der schon mehrfach durch Ausreißversuche aufgefallene Katusha-Profi Mads Würtz Schmidt und Bergkönig Tim Wellens.

Dass es so lange dauerte, hatte auch mit Sagans Team Bora hansgrohe zu tun. „Wir haben die gesamte Etappe beherrscht, wir haben sogar entschieden, wer in die Fluchtgruppe darf. Danke an meine Teamkollegen“, gab sich Sagan ganz als Patron. Dass die Gruppe dann aber eingefangen wurde, war vor allem Ergebnis der Arbeit von Team Sunweb.

Als die Sprinter den Anschluss verloren

Der deutsche Rennstall wollte mit aller Macht einen Sieg seines Kapitäns Michael Matthews vorbereiten. Vier Sunweb-Profis führten das Feld über die Hügel der Vogesen. Sie schlossen die Lücke zu den Ausreißern.

Das von ihnen angeschlagene Tempo dezimierte auch das Feld hinten. Ein Sprinter nach dem anderen verlor den Anschluss: Elia Viviani, Sieger des Vortages, der schnelle Australier Caleb Ewan, der Niederländer Dylan Groenewegen. Auch der Rostocker André Greipel konnte nicht mehr folgen.

Franzose Alaphilippe bleibt im Gelben Trikot

Später zog Ex-Weltmeister Rui Costa los. Sunweb war nicht mehr stark genug, die Soloattacke zu ersticken. Doch zwei Kilometer vor dem Ziel war Schluss. Kurzzeitig hatte der Berliner Maximilian Schachmann die Führung des Pelotons übernommen. Dann konzentrierte er sich darauf, seinen Kapitän gut zu positionieren.

„Wir haben ihn gut an der 1000-Meter-Marke abgesetzt. Danach ist er sein eigenes Rennen gefahren. Es ist beeindruckend, wie er sich durchs Feld durchboxt“, so Schachmann.

Der Slowake nutzt aber nicht die Fäuste, vielmehr sieht er Lücken, wo sie niemand anders sieht und schlüpft durch sie hindurch. Wie er das macht, verblüfft auch Schachmann. „Niemand kann erahnen, wohin Peter sich im nächsten Moment bewegen wird“, gab selbst Schachmann zu.

Freuen können sich neben Bora-hansgrohe auch die Franzosen: Landsmann Julian Alaphilippe verteidigte sein Gelbes Trikot.