Razzia

Weltweiter Schlag gegen die Doping-Mafia

„Größter Einsatz dieser Art“: Bei einer Razzia in 33 Ländern wurden 3,8 Millionen Dopingmittel sichergestellt. Es gab 234 Festnahmen.

Die Dopingmittel und gefälschten Medikamente werden in illegalen Labors hergestellt und von kriminellen Gruppen vertrieben (Archivfoto).

Die Dopingmittel und gefälschten Medikamente werden in illegalen Labors hergestellt und von kriminellen Gruppen vertrieben (Archivfoto).

Foto: - / dpa

Köln.  Die Tablettenpackungen stapeln sich auf den Tischen wie Obst und Gemüse auf einem Wochenmarkt. Die Fahnder dahinter wollen aber nicht verkaufen, sondern warnen – die Dealer und die vor allem nicht-professionellen Konsumenten: Radsportler und Bodybuilder.

Was die europäischen Sicherheitsbehörden jetzt präsentierten, war der Ertrag des „größten Einsatzes dieser Art“ – ein Schlag gegen den weltweiten Handel mit Dopingmitteln. Auch Deutschland war von der „Operation Viribus“ betroffen.

17 organisierte Banden enttarnt und neun Untergrundlabore ausgehoben

In 33 Ländern der Welt rückten die Ermittler unter der Federführung der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) aus. Die Fahnder agierten in 23 europäischen Ländern, darunter Deutschland. Nach Angaben des Zollkriminalamtes in Köln lief die Aktion, koordiniert von italienischen Behörden, von Anfang Januar bis Mai.

Insgesamt 3,8 Millionen Dopingmittel und gefälschte Medikamente, allein 24 Tonnen Steroidpulver stellten die Ermittler sicher. Außerdem wurden nach Europol-Angaben 17 organisierte Banden enttarnt und neun Untergrundlabore ausgehoben. 234 Personen wurden festgenommen und 839 Verfahren eingeleitet.

Ermittlungen in Deutschland vor allem gegen Fitnesssportler

Der deutsche Wada-Chefermittler Günter Younger war zufrieden. „Diese Art der Zusammenarbeit kann einen erheblichen Einfluss auf die Verfügbarkeit von gefälschten und illegalen Mitteln haben.“ Die Wada sei bereit, den „gemeinsamen Kampf gegen Sportbetrug“ voranzutreiben.

In Deutschland wurden 463 Verfahren eingeleitet. Festnahmen hat es nach Angaben des Zollkriminalamtes in Köln keine gegeben. Der Zoll gibt die Verfahren an die zuständige Staatsanwaltschaft weiter. Die Ermittlungen dürften sich vor allem gegen Fitnesssportler richten.

Europol machte keine Angaben, ob Spitzensportler betroffen sind. Allerdings wurden bei Sportveranstaltungen 1357 Blut- und Urintests durchgeführt. Um welche Veranstaltungen es sich handelt, ist unklar. Zuletzt hatten Behörden bei der Nordischen Ski-WM Anfang des Jahres in Seefeld für ein Beben gesorgt. Neun Personen wurden bei der „Operation Aderlass“ festgenommen. Im Fokus stand der Erfurter Sportmediziner Mark Schmidt.

Bestellung nicht zugelassener Medikamente im Darknet

Das Internationale Olympische Komitee begrüßte die Razzien: „Es ist entscheidend, die Händler und Produzenten ins Visier zu nehmen, die Doping ermöglichen und diese kriminelle Industrie vorantreiben.“ Hauptabnehmer sind aus Sicht von Europol nicht-professionelle Athleten.

Bodybuilder und Radsportler würden kleine Mengen im Internet ordern, die hauptsächlich in Asien und Osteuropa produziert werden – in illegalen Labors und von kriminellen Gruppen vertrieben. Plattform dieses Handels sollen vermehrt die sozialen Netzwerke sein. Im Darknet könnten zudem nicht zugelassene Medikamente bestellt werden.

Todesfälle in der Bodybuilding-Szene

Laut Europol hat der Handel mit Dopingmitteln in den vergangenen zwanzig Jahren weltweit zugenommen. Die Einnahme kann gravierende Folgen haben – von der Leberzirrhose bis hin zum Herzinfarkt. Gerade die Bodybuilding-Szene wird immer wieder von tragischen Todesfällen erschüttert. So starb 2017 der erst 46-jährige US-Amerikaner Rich Piana, ein Star der Szene und ehemaliger „Mister California“.

„Grundsätzlich geht der Gebrauch von anabolen Steroiden mit dem Risiko langfristiger Nebenwirkungen einher“, sagt Professor Mario Thevis, Leiter des Dopingkontrolllabors in Köln, dieser Redaktion.

„Stammen Anabolika aus zweifelhaften Quellen bzw. so genannten Untergrundlaboratorien, sind zudem weitere Risiken aufgrund mangelnder Reinheit, Zusammensetzung oder fehlerhafter Dosierung möglich.“

Anabole Wirkstoffe seien langfristig „insbesondere bei höherer Dosierung als kritisch zu betrachten“. Stimulanzien oder etwa Insulin-Missbrauch könnten schon kurzfristige Folgen haben. Bei nicht zugelassenen Medikamenten seien die Gefahren „kaum abschätzbar“.