Tennis

Tennis der Weltklasse vor Rückkehr in den Grunewald

Die Rasensaison im Tennis wird zurzeit in Wimbledon neu geordnet. Berlin hat gute Chancen, schon 2020 ein Frauenturnier ausrichten zu dürfen.

Lang ist’s her: 1986 bezwang Stefanie Graf (l.), damals 16 Jahre jung, die Weltranglistenerste Martina Navratilova im Finale der German Open auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß.

Lang ist’s her: 1986 bezwang Stefanie Graf (l.), damals 16 Jahre jung, die Weltranglistenerste Martina Navratilova im Finale der German Open auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß.

Foto: Chris Hoffmann / picture-alliance / dpa

London.. Tennis steht in diesen Tagen besonders im Mittelpunkt auf der Anlage des All England Lawn Tennis Clubs (AELTC) an der Church Road im Londoner Südwesten. Wichtige Entscheidungen fallen allerdings nicht nur auf den Rasenplätzen, sondern auch in den VIP-Bereichen und Büros des 1868 gegründeten Klubs, in denen die Funktionärselite zusammenkommt.

Tennis-Turnier bekommt ein Preisgeld von 700.000 Euro

Eine davon betrifft die Neuordnung der Rasensaison vom Jahr 2020 an und wird insbesondere die Turnierlandschaft in Deutschland verändern. Und Berlin soll dabei eine Hauptrolle spielen. Geht es nach den Plänen der Wimbledon-Organisatoren, dann wird bereits im kommenden Jahr ein Frauenturnier auf Rasen auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß im Grunewald ausgetragen, wo zwischen 1979 und 2008 die German Open stattfanden. Die besten Tennisspielerinnen der Welt waren hier am Start; das Turnier spielte auch eine große Rolle in der Karriere von Stefanie Graf.

Das Event, bei dem ein Preisgeld von 700.000 Euro zu gewinnen sein soll, würde zwei Wochen vor dem Grand-Slam-Turnier in England gespielt werden. Aktuell ist in diesem Zeitraum Mallorca Standort der WTA-Tour. Mit der Entwicklung des Turniers ist die Veranstaltungsagentur Emotion des Österreichers Edwin Weindorfer allerdings unzufrieden und würde deshalb gern in die Hauptstadt wechseln.

Wimbledon sogar zu Investitionen in Berlin bereit

Weindorfer, der auch das ebenfalls vor Wimbledon stattfindende Männerturnier in Stuttgart als Turnierdirektor ver-antwortet, hat beste Beziehungen zum AELTC. Und da Wimbledon ein großes Interesse daran hat, im Vorlauf zu seinem Major-Event der Extraklasse hochklassige Vorbereitungsturniere anzubieten, wären die Macher sogar bereit, in das Berliner Turnier zu investieren.

Offen darüber reden mag niemand im Lager der Briten, bevor die Verträge nicht geschlossen sind. Auch vom LTTC Rot-Weiß war am Sonnabend niemand zu erreichen. Aber Dirk Hordorff, Vizepräsident Leistungssport im Deutschen Tennis-Bund (DTB), bestätigte dieser Zeitung in London: „Grundsätzlich sieht es sehr gut aus, dass Einigung erzielt wird. Es kommt allerdings auch darauf an, welchen Beitrag die Stadt Berlin und der Klub leisten können.“

Deutschland soll ein weiteres Frauen-Tennisturnier bekommen

Die Rochade zwischen der Deutschen liebsten Ferieninsel und der deutschen Hauptstadt soll nicht die einzige Veränderung bleiben. Deutlich weiter sind bereits die Pläne, in der Woche vor Wimbledon ein weiteres Frauenturnier nach Deutschland zu holen. Da sich im vergangenen und in diesem Jahr die Kritik häufte, das kombinierte Frauen- und Männerevent in Eastbourne sei zu eng für beide Geschlechter, sollen die Frauen künftig bei einem exquisiten Turnier in Bad Homburg aufschlagen.

Der Standort in Hessen bietet eine Reihe an Vorteilen. Die 50.000-Einwohner-Stadt im Hochtaunuskreis hat ihre Unterstützung fest zugesagt, Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) reist in der kommenden Woche nach Wimbledon, um für seine Stadt zu werben. Der Verein, bei dem Hordorff Ehrenmitglied ist, hat einen historischen Rasenplatz aus dem Jahr 1875 vorzuweisen.

In Bad Homburg wird Günthardt Turnierdirektor

Auf der Jahreshauptversammlung am vorvergangenen Dienstag wurden die Pläne, im Kurpark sechs weitere Rasencourts zu errichten, mit großer Mehrheit abgesegnet. Ein Luxushotel liegt in unmittelbarer Nähe, der Frankfurter Flughafen ist mit dem Auto in 20 Minuten erreichbar.

„Die Infrastruktur ist perfekt, die Stadt hat bewiesen, dass sie will. Die Voraussetzungen sind also sehr gut“, sagt Hordorff, der selbst nicht in die Turnierplanungen involviert ist. Turnierdirektor soll Markus Günthardt werden, der auch den Porsche Grand Prix in Stuttgart verantwortet. Aljoscha Thron, Manager der in Wimbledon in Runde zwei ausgeschiedenen Titelverteidigerin Angelique Kerber, ist ebenfalls eingebunden.

Kommende Woche fallen Entscheidungen

„Für Deutschland wäre das eine Riesensache, auf einen Schlag zwei neue Frauenturniere zu bekommen. Es wäre aber auch eine Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass wir weiter erfolgreichen Nachwuchs ausbilden, denn die Projekte sind langfristig angelegt. Nur wenn wir stark sind, können wir gute Geschäfte machen. Also müssen wir unsere Substanz stärken“, sagt Hordorff.

Eine Entscheidung über die Neuordnung der Rasensaison soll vermutlich in der kommenden Woche in Wimbledon fallen. Getroffen wird sie vom Executive Board der Frauentennis-Organisation WTA, in dem neben Geschäftsführer Steve Simon je drei Turnierdirektoren, drei Spielervertreterinnen und zwei Abgeordnete des Weltverbands ITF sitzen.

Was wird aus den Hamburger Plänen?

Bleibt die Frage, inwieweit die Schaffung zweier neuer Frauenturniere die Pläne der neuen Hamburger Turnierdirektoren Sandra und Peter-Michael Reichel beeinflusst, am Rothenbaum in Zukunft dem Männerevent eine Frauenkonkurrenz zuzufügen. „Hamburg findet nach Wimbledon statt, insofern glaube ich nicht, dass sich die Chancen verschlechtern, wenn es zwei neue Rasenturniere gibt“, sagt Hordorff.

Vielmehr sei das Problem, dass es aktuell sehr schwierig sei, die ATP von der Schaffung eines neuen kombinierten Turniers zu überzeugen. „Es ist nicht unmöglich, aber momentan auch nicht realistisch. Und ein Back-to-Back-Event mit Frauen- und Männerturnier in zwei aufeinander folgenden Wochen, wie es in Hamburg bis 2002 gespielt wurde, würde ich aufgrund der Terminenge zwischen Wimbledon und der nordamerikanischen Hartplatztour nicht empfehlen.“