Formel 1

Ferrari-Pilot Vettel: "Wir machen keinen Schritt nach vorn"

Mercedes fuhr in Frankreich zum siebten Doppelerfolg in der Formel 1. Sieger Lewis Hamilton hat schon 76 Punkte Vorsprung auf Sebastian Vettel.

Nachdenklich: Ferrari-Pilot Sebastian Vettel.

Nachdenklich: Ferrari-Pilot Sebastian Vettel.

Foto: Getty Images

Le Castellet. Es war der pure Egoismus, auch wenn er auf acht Rädern zelebriert wurde: Mercedes hat in Frankreich den achten Formel-1-Sieg in Folge geholt – den siebten Doppelerfolg. Champion Lewis Hamilton fuhr in Le Castellet einmal mehr vor seinem eigenen Teamkollegen Valtteri Bottas über die Ziellinie. Sebastian Vettel kam im Ferrari als Fünfter hinterher. Damit wurde die nächste Chance auf das kommende Wochenende in Österreich vertagt.

Normalerweise dreht Hamilton erst nach der Sommerpause richtig auf. Besser als jetzt, das zeigte sein 79. Grand-Prix-Sieg, geht es aber kaum noch. In der WM-Gesamtwertung hat der Brite mit seinen 187 Zählern jetzt schon 76 Punkte Vorsprung auf den Heppenheimer, Verfolger Bottas liegt auch schon 26 Punkte zurück. Wo soll das noch hinführen? „Es ist immer wieder aufs Neue schön, jedes Mal an die Grenze zu gehen“, sagte der Titelverteidiger mit seinen 18 Sekunden Vorsprung, und verrät dann seinen eigentlichen Antrieb: „Wir sind dabei, Geschichte zu schreiben.“

Vettel: "Das Team muss ich in Schutz nehmen"

Verlierer Vettel gab sich hinterher ehrlich, wollte den Zweck-Optimismus seines Teamchefs Mattia Binotto nicht teilen: „Das Rennergebnis war okay, die schlechtere Nachricht ist die, dass wir im Gegensatz zu Mercedes keinen Schritt nach vorn machen konnten. Wir versuchen jetzt zu verstehen, was nicht gut gelaufen ist, und wie uns das vielleicht im nächsten Rennen helfen kann. Das Team muss ich in Schutz nehmen, wir sind wirklich drauf und dran.“ Nur die Richtung stimmt eben bisher nicht.

Wiederholt hat die technische Abteilung in Maranello nicht den Schlüssel zum Erfolg gefunden, trotz verstärkter Upgrades. Vettel war im Vorgeplänkel zum Rennen sogar schlechter geworden, konnte in Kombination mit einer schwachen Qualifikations-Runde lediglich auf Startplatz sieben kommen. Mal zwickte das Getriebe, mal der Sitz. Die Gefahr, bei der Jagd auf Mercedes gleich am Start einen Crash zu produzieren und eine Strafe zu kassieren wie im Frühjahr, war damit ohnehin minimal.

Hamilton sofort an der Spitze

Lewis Hamilton ließ von der 86. Pole-Position seiner Karriere aus nicht mal seinem Teamkollegen Valtteri Bottas eine Angriffschance, und belegte sofort den Platz an der Sonne, der Finne folgte brav und auch unangefochten. Vettels Teamkollege Charles Leclerc, Max Verstappen und die McLaren-Überraschungen Lando Norris und Carlos Sainz schoben sich wild hin und her, blieben beim Geschlängel aber in Formation.

Zur Rennmitte wurde die große Überlegenheit von Mercedes deutlich: Bis zu zwanzig Sekunden lagen die WM-Herausforderer aus Italien hinter den Branchenführern, damit war klar, dass das Problem des Autos weit größer ist. Dass Vettel acht Runden vor Schluss bei sieben Sekunden Rückstand auf Verstappen die Anweisung für einen „Plan F“ bekam, zeugte auch eher von verzweifelter Schadensbegrenzung – es war der Code, sich auf die schnellste Runde zu konzentrieren, die einen Ehrenpunkt bekommt. Immerhin holte er sich so den Rundenrekord, obwohl Hamilton auf abgefahrenen Reifen kaum langsamer war und am Ende über eine Minute Vorsprung auf ihn hatte. Kollege Leclerc schaffte es kurz vor dem Ende immerhin in den Windschatten von Bottas, aber mehr eben auch nicht. Die französische Revolution in der Formel 1 fiel aus.