Leichtathletik

Lisa Marie Kwayie ist bereit zum Abheben

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Inga Böddeling
Die Berlinerin Lisa Marie Kwayie startet am Sonnabend bei „Berlin fliegt“.

Die Berlinerin Lisa Marie Kwayie startet am Sonnabend bei „Berlin fliegt“.

Foto: Gladys Chai von der Laage / picture alliance / Gladys Chai von der Laage

Die Neuköllner Sprinterin hat sich in die nationale Leichtathletik-Spitze gekämpft und startet am Sonnabend bei „Berlin fliegt“.

Berlin. Lisa Marie Kwayie wird an diesem Sonnabend auf jeden Fall die Schnellste sein. Zumindest was die Anreise zum Leichtathletik-Event „Berlin fliegt“ auf dem Tempelhofer Feld (ab 13 Uhr, Eintritt ist frei) angeht. Denn die Berlinerin muss sich im Gegensatz zu ihren deutschen Teamkollegen und der internationalen Konkurrenz nur in die U-Bahn setzen, um zum Ort des Geschehens zu fahren.

Der Wettkampf, bei dem Deutschland, Großbritannien, China und die USA in vier Disziplinen gegeneinander antreten und um eine Siegprämie in Höhe von 24.000 Euro kämpfen, findet schließlich in ihrer Heimatstadt statt. „Jeder Wettkampf in Berlin ist etwas Besonderes für mich“, schwärmt die 22-Jährige, die schon im vergangenen Jahr bei „Berlin fliegt“ dabei war und mit dem deutschen Team den Sieg holte. „Das war so cool letztes Jahr. Ich hab mich riesig gefreut, als ich für dieses Mal wieder angefragt wurde.“

Anfang des Jahres holt sie sich ihren ersten nationalen Titel

Dass die Sprinterin von den Neuköllner Sportfreunden gemeinsam mit Sieben-Meter-Weitspringerin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz), dem deutschen 100-Meter-Meister Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar) und Stabhochspringer Torben Blech (Bayer Leverkusen) an den Start gehen darf, hat sie sich aber auch hart erarbeitet.

Nach ihrem starken Auftritt bei den Europameisterschaften im vergangenen August im Berliner Olympiastadion, bei denen sie im Einzel das Halbfinale erreichte und mit der 4x100-Meter-Staffel Bronze holte, trumpfte Kwayie Anfang des Jahres bei den deutschen Hallen-Meisterschaften in Leipzig groß auf. „Mit dem deutschen Meistertitel in der Halle in die Saison einzusteigen war erstaunlich schön, und bis jetzt läuft auch alles gut im Training“, sagt Kwayie.

Im Mai holt sie mit der deutsche Staffel WM-Bronze

Der Lohn dafür war ihr Start bei den World Relays im Mai, den inoffiziellen Staffel-Weltmeisterschaften in Yokohama, als sie zusammen mit Deutschlands Topsprinterin Gina Lückenkemper (SCC Berlin), Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar) und Alexandra Burghardt (SV Wacker Burghausen) hinter den USA und Jamaika die Bronzemedaille gewann.

Es war der bisher größte Erfolg ihrer Karriere und zeigt, dass die Berlinerin in der nationalen Sprinterspitze angekommen ist. Aber die beiden internationalen Medaillen mit der Staffel zeigen noch etwas. Kwayie funktioniert im Leichtathletik-Business der Einzelkämpfer auch im Team. Da dürfte doch beim Mannschaftswettbewerb „Berlin fliegt“ gar nichts mehr schief gehen. „Jeder verfolgt sonst sein eigenes Ziel. Im Team wird man noch mehr gepusht, das ist was Besonderes, sagt Kwayie. „Wir haben wirklich ein starkes Team und gute Chancen, unseren Sieg vom letzten Jahr zu wiederholen.“

Im Weitsprung kommt es zum Duell zwischen Mihambo und Reese

Aber auch die Konkurrenz hat sich bei dieser neunten Auflage des Länderkampfes stark aufgestellt. Die USA setzt der Weitsprung-Weltjahresbesten Malaika Mihambo (7,07 Meter) die Olympiasiegerin und siebenfache Weltmeisterin Brittney Reese entgegen. Im Sprint gehen der Amerikaner Cameron Burrell, Sohn des Staffel-Olympiasiegers von 1992 Leroy Burrell, und der britische EM- und WM-Medaillengewinner Harry Aikines-Aryeeteyan den Start.

Lisa Marie Kwayie bekommt es über 100 Meter mit der britischen Juniorenweltmeisterin Jodie Williams zu tun. Stabhochspringer Torben Blech hingegen ist in seiner Konkurrenz der Favorit. Immerhin hat der 24-Jährige nach seinem Wechsel vom Zehnkampf bereits die WM-Norm von 5,71 Metern im Stabhochsprung geknackt.

zum 70. Jahrestag der Berliner Luftbrücke

Sportlich ist also alles angerichtet für einen spannenden Wettkampf auf dem Tempelhofer Feld, der auch für Kwayie „einen ganz anderen Reiz hat, als die normalen Starts im Stadion“. Aber auch der Rahmen stimmt. Nachdem das Event in den vergangenen Jahren schon am Brandenburger Tor, unter dem Fernsehturm oder Unter den Linden zu Gast war, hat der Ort in diesem Jahr eine historische Bedeutung. Zum 70. Jahrestag der Berliner Luftbrücke fliegen am Sonnabend nicht die Rosinenbomber in Tempelhof, sondern die Athleten.