Formel 1

Hamilton zwischen Lagerfeld und Fahrerlager

Hamilton schaltet vom Mode- in den Rennmodus. und leistet sich Eigenwilligkeiten. Er ist noch nie so gut in eine Saison gestartet.

Die klare Nummer eins: Lewis Hamilton gelangen in den bisherigen sieben Rennen fünf Siege und zwei zweite Plätze.  REUTERS/Benoit Tessier/File Photo

Die klare Nummer eins: Lewis Hamilton gelangen in den bisherigen sieben Rennen fünf Siege und zwei zweite Plätze. REUTERS/Benoit Tessier/File Photo

Foto: Benoit Tessier / Reuters

Le Castellet. Als es ernst wurde, war Lewis Hamilton natürlich da. Nach kurzer Nacht enterte der Weltmeister am Freitagmorgen das Formel-1-Fahrerlager in Le Castellet, um 11.26 Uhr stieg er in seinen Silberpfeil und trat im ersten freien Training aufs Gaspedal. Da war er wieder, der Vollprofi Hamilton, als wäre nichts gewesen. Dabei hatte sein - vom Team entschuldigtes - Fehlen beim Medientag am Donnerstag natürlich für Wirbel gesorgt. Das ahnte auch der eigenwillige Superstar der Königsklasse und ging in die Offensive.

„Drei Uhr morgens, und ich bin noch wach. Ich weiß schon, was morgen los sein wird“, schrieb Hamilton am frühen Freitagmorgen in seiner Instagram-Story: „So viel Hass in dieser Welt. Was auch passiert, ich lasse mich davon nicht runterziehen. Ich werde mich darüber erheben, immer.“

Besucher einer Modenschau in Paris

In schrillem Outfit hatte Lifestyle-Ikone und Jung-Designer Hamilton am Donnerstag mit Genehmigung von Mercedes-Motorsportchef Christian „Toto“ Wolff einen Abstecher nach Paris gemacht. Gemeinsam mit Football-Star Cam Newton verfolgte er eine Modenschau in den Straßen der französischen Hauptstadt aus der ersten Reihe, während seine 19 Fahrerkollegen sich den Fragen der Journalisten zum Großen Preis von Frankreich (Sonntag, 15.10 Uhr/RTL und Sky) stellten.

Gala zu Ehren des verstorbenen Karl Lagerfeld

Später nahm der 34-Jährige an einer Gala der Modehäuser Chanel und Fendi zu Ehren des im Februar verstorbenen Star-Designers Karl Lagerfeld teil. Bei der Veranstaltung im Pariser Grand Palais waren auch die Top-Models Claudia Schiffer oder Gigi Hadid vertreten, daneben Show-Größen wie Hollywood-Star Tilda Swinton und Sänger Pharrell Williams. Am Donnerstagabend schließlich traf Hamilton nach seiner kleinen „Tour de France“ mit dem Privatflieger in Le Castellet ein.

Spagat zwischen Sport und Show

Für den Exzentriker ist der Spagat zwischen Hochleistungssport und Show kein Widerspruch. Es ist vielleicht nicht die feine englische Art, den Medientag der Formel 1 sausen zu lassen. Teamchef Wolff allerdings weiß besser als jeder andere, dass Hamilton die lange Leine braucht: „Lewis ist ein mehrmaliger Champion, er weiß sehr gut, wie er das Maximum aus sich herausholen kann.“

Hamilton stürzt sich zwischen den Rennen ins Leben

Wo sich andere Piloten zum Krafttanken zwischen den Rennen vollkommen abschotten, stürzt sich Hamilton gewissermaßen zur aktiven Erholung mitten ins Leben. Kaum einmal hält sich der Brite mit seinen Bulldoggen Roscoe und Coco in Monte Carlo auf, das immer noch sein Hauptwohnsitz ist. Sein Leben findet im Wechsel an den Rennstrecken und in den Boom-Metropolen des Planeten statt.

„So bringt er seine Leistung an den Rennwochenenden“, verteidigte Wolff ihn vor gut zwei Jahren, damals urlaubte Hamilton, während in London eine Formel-1-Show vor seinem Heimrennen in Silverstone stattfand. Solange Hamilton abliefert, lässt Mercedes seinen Star und Top-Markenbotschafter gewähren.

Und Hamilton liefert ab: Der fünfmalige Weltmeister ist so gut wie noch nie in eine Formel-1-Saison gestartet. Fünf Siege und zwei zweite Plätze in sieben Rennen sind nahe der Perfektion. Und für gewöhnlich beginnt Hamiltons stärkste Phase erst nach der Sommerpause.