Triathlon

Nils Frommhold will stressfrei zum großen Hawaii-Traum

Verletzungen bremsten den Berliner Triathleten Nils Frommhold. Jetzt fühlt er sich wieder bereit für die Ironman-WM auf Hawaii.

Nils Frommhold beim Ironman 70.3 in St. Pölten.

Nils Frommhold beim Ironman 70.3 in St. Pölten.

Foto: GEPA pictures/ Walter Lugervia www.imago-images.de / imago images / GEPA pictures

Berlin. Weniger soll mehr sein. Mehrwert haben. Es muss sich einfach auszahlen. Und das würde es schon, wenn alles weitgehend reibungslos läuft. Wenn der Plan aufgeht, ohne dass der Körper vorher aufgibt. Was nicht heißen soll, dass Nils Frommhold rein sportlich mit weniger zufrieden wäre. Ganz und gar nicht. Der Traum vom Podest in Kona hat neue Nahrung erhalten, die Hoffnung lebt.

Das ist fast das Schönste an der Geschichte. Nils Frommhold hat es geschafft. „Ich bin sportlich wieder da, wo ich mal aufgehört habe“, sagt der Triathlet. Das ist ziemlich weit oben, Weltspitze bei der Ironman-Distanz. Platz zwei im April in Südafrika und die Qualifikation für die WM am 12. Oktober in Kona, Hawaii, belegen dies. Erleichterung ist noch untertrieben für das, was der Berliner in Port Elizabeth fühlte.

Knochenödem bremste ihn lange

So emotional wie dieses war selten ein Rennen. Weil der 32-Jährige die Hoffnung zwischendurch fast verloren hatte. „Vor einem Jahr war ich an dem Punkt, an dem ich dachte, das wäre es gewesen“, erzählt er. Gut zwei Jahre fehlte ein Resultat auf Langdistanzen. Über ein halbes Jahr konnte er das Laufen nicht einmal trainieren. Auch auf dem Rad musste er kürzer treten, ab und an verflüchtigte sich sogar die Motivation für das Schwimmen. Alle Pläne waren dahin.

Frommholds Verletzungsgeschichte ist inzwischen fast genauso umfangreich wie die Liste seiner Erfolge. Triathlon ist eben ein hartes Geschäft. Ermüdungsbrüche bremsten ihn, ein Knochenödem. Letzteres ereilte ihn noch einmal, zwang ihn auch zur jüngsten Pause. Das Ödem im linken Fersenbein wollte lange nicht heilen. Hinzu kamen Probleme mit den Achillessehnen, über Monate schmerzte morgens nach dem Aufstehen jeder Schritt.

Nur noch zwei Langdistanzen in dieser Saison

Mit Kortison und speziellen Einlagen von einem Berliner Spezialisten wurde es irgendwann besser. Zwar dauerte es lange, bis sich die Form für einen Ironman wieder herstellen ließ. Aber es klappte. Mit einem bewussteren Training. „Ich laufe nicht mehr ganz so viel“, sagt Frommhold. Nur noch etwa 80 Prozent vom einstigen Pensum gehören jetzt zum Trainingsumfang. Frommhold achtet auch mehr auf die Zeichen des Körpers, um Überlastungen möglichst zu vermeiden.

Dazu zählt ebenso, sich mehr auf die wesentlichen Wettkämpfe zu konzentrieren. Auf Südafrika hat er ein halbes Jahr lang hingearbeitet: „Diese Entscheidung hat sich voll ausgezahlt.“ Deshalb passt er auch den Sommer an. Früher bestritt Frommhold da immer noch eine Langdistanz. Jetzt wird er erst auf Hawaii wieder einen Ironman in Angriff nehmen. Die Zwischenzeit füllt der Berliner mit ein paar Halbdistanzen, wie am 30. Juni bei der Challenge Walchsee in Österreich.

Rückkehr zum alten Trainer

Der Körper soll es danken. Auf Hawaii herrschen extreme Bedingungen. Hitze, Wind und Wellen verlangen den Athleten alles ab. „Es ist ein Überleben“, so Frommhold. Wenn er früher dabei war und zuvor sein übliches Pensum absolviert hatte, fühlte er sich in Kona, als wäre „das letzte bisschen“ an Kraft und Wille schon vorher auf der Strecke geblieben. Jetzt will er frischer an den Start gehen. Finanziell bringt das erst einmal Einbußen mit sich, denn bei einem weiteren Ironman-Rennen wären die Aufmerksamkeit und Gagen deutlich höher.

Was soll’s? Am Ende geht es sowieso nur um Hawaii, dieses Sehnsuchtsziel, das über den Wert der ganzen Saison entscheidet. Der Elan, mit dem Frommhold dieses Ziel angeht, verbreitet in seinem Team Vorfreude: „Es ist wieder so, wie es zu den erfolgreichen Zeiten war.“ Denn Trainer Wolfram Bott gehört wieder dazu. Vor zweieinhalb Jahren wollte Frommhold auf der Suche nach neuen, wissenschaftlicheren Ansätzen etwas anderes probieren. Das hat sich auch gelohnt, „doch nur online trainiert zu werden“, fühlte sich von der Betreuung her nicht perfekt an. In der Trainingsgruppe in Freiburg, wo Frommhold lebt, passt das Umfeld für ihn besser. Er fühlt sich wohler. Auch, weil beide Seiten sich weiterentwickelt haben und die Zusammenarbeit noch gehaltvoller geworden ist.

Das Ziel sind die Top fünf

Eine wichtige Voraussetzung, um den großen Wunsch wahr werden zu lassen. „Der Traum von Hawaii, von den Top fünf, vom Podium geht weiter. Das habe ich mir erarbeitet“, erzählt der Berliner, der 2014 bei seinem Debüt in Kona den sechsten Platz belegte. 2016 und 2018 konnte er wegen Verletzungen nicht starten, 2017 stieg er wegen der Schmerzen aus. „Jetzt ist es an der Zeit, mal wieder nach Kona zu kommen und das zu zeigen, wozu ich in der Lage bin“, sagt Nils Frommhold. Bisher verlief die Vorbereitung auf den Höhepunkt so stressfrei wie noch nie. Das ist schon sehr viel wert.