Fußball

Schiedsrichter nach Angriff verletzt – die Polizei ermittelt

Bei einem Kreisliga-Fußballspiel in NRW wurden zwei Schiedsrichter verletzt. Spieler wurden unter Polizeischutz in die Kabine gebracht.

Bie einem Fußballspiel in der Kreisliga wurde ein Schiedsrichter angegriffen.

Bie einem Fußballspiel in der Kreisliga wurde ein Schiedsrichter angegriffen.

Foto: matimix / Getty Images/iStockphoto

Moers. Bei einem Kreisliga-Fußballspiel in Nordrhein-Westfalen ist es am Samstag zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Die Partie zwischen dem TuS Asterlagen und dem Büdericher SV endete nach zwei Roten Karten in einem Spielabbruch, in Jagdszenen auf dem Sportplatz – und für zwei Schiedsrichter im Krankenhaus.

Inzwischen ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung gegen einen Co-Trainer und zwei Spieler, sagte ein Polizeisprecher am Montag.

Beim 3:0 (1:0) des TuS in der Kreisliga-A-Relegation über den Büdericher SV war der in der Oberliga erfahrene Schiedsrichter Samet Alpaydin nach dem zweiten Feldverweis gegen den erst zehn Minuten zuvor eingewechselten Asterlager Kerim Kücük von einem Schlag im Gesicht getroffen worden. Sein Assistent Tobias Koch ging kurz darauf zu Boden und wurde dort offenbar von mindestens einer weiteren Person gewaltsam angegangen.

Gewalt bei Fußballspiel in NRW: Zuschauer alarmierte die Polizei

Sieben Minuten vor dem Ende flüchteten die Unparteiischen in die Kabine und brachen die Partie ab, die Asterlagen für den erhofften Wiederaufstieg in die Kreisliga A mit 8:0 hätte gewinnen müssen. Vier Streifenwagen und ein ziviles Fahrzeug der Polizei, von einem Zuschauer alarmiert, riegelten die Platzanlage ab. Es wurden noch vor Ort bei den Ermittlungen Strafanzeigen geschrieben.

„Solch ein Ding habe ich noch nicht erlebt. Das war von einigen Beteiligten hochgradig asoziales Verhalten“, erklärte Kreis-Schiedsrichter-Obmann Jakob Klos. Der war selber nicht vor Ort, hatte sich aber noch am Samstagabend mit seinen drei Unparteiischen ausgetauscht.

Augenzeuge der Jagdszenen war Staffelleiter Peter Hanisch: „Nach der zweiten Roten Karte wurde der Schiedsrichter angegangen. Dann ging alles sehr schnell. Einer der Assistenten wurde am Boden liegend getreten. Das war ziemlich heftig. Es waren plötzlich viele Leute auf dem Platz, auch Zuschauer. Die Schiedsrichter sind im Sprint in die Kabine geflüchtet.“

Schiedsrichter wurde ins Gesicht geschlagen

Stefan Tebbe behielt im Chaos die Nerven. Der Büdericher Cheftrainer ist Kampfsportlehrer, damit auch ein Experte für aggressive Situationen. Tebbe schult im nordrhein-westfälischen Wesel unter anderem Polizisten und Behörden-Mitarbeiter, wie man sich in kritischen Situationen zu verhalten hat.

„Die Stimmung war aggressiv. Auch die Unparteiischen hatten in der zweiten Halbzeit sichtbar Angst“, betont Tebbe, „der Schiedsrichter wurde ins Gesicht geschlagen, einer der Assistenten per Karatesprung zu Boden gebracht.“

Unter Polizeischutz in die Kabine

Die Büdericher konnten nach dem Spielabbruch nur unter Polizeischutz in ihre Kabine. Trainer Tebbe: „Wir haben versucht, mit unserer Rumpftruppe nach dem 1:8 gegen Xanten vom Mittwoch ein besseres Bild abzugeben. Ich musste sogar unseren Mittelstürmer Sascha Ströter ins Tor stellen, weil wir keinen Torhüter mehr hatten. Asterlagen hat es gewurmt, dass sie die Aufholjagd trotz günstiger Voraussetzungen nicht hinbekommen haben.“

TuS-Trainer Tugay Yilmazer saß Samstag bis nach Mitternacht betrübt im Klubhaus, konnte später zu Hause nicht schlafen. „Die Arbeit von einem Jahr mit viel Zeit und Energie ist kaputt. Wir hatten mit 350 Zuschauern eine tolle Kulisse und liefern dann solch ein schlimmes Bild ab“, sagt er.

„Diejenigen, die das alles zu verantworten haben, sollten die härteste Strafe bekommen. Ich fordere lebenslänglich.“ Das wären für einen Fußballer immerhin acht Jahre Spielverbot.

Bereits der dritte gewalttätige Vorfall im Fußballkreis Moers

Der Verein entschuldigte sich am Sonntag auf der eigenen Facebook-Seite für „das unkontrollierbare Fehlverhalten eines Spielers“. Dazu gab Trainer Yilmazer noch ein Versprechen ab: „Unser Geschäftsführer Medet Aksu wird herausfinden, wer den am Boden liegenden Linienrichter getreten hat.“ Darauf pocht auch Schiedsrichter-Obmann Jakob Klos: „Einige Leute sollten dringend ihr Gedächtnis wiederfinden.“

Der Spielabbruch in Asterlagen war in der Rückrunde bereits der dritte schwere Gewaltvorfall im Fußball-Kreis Moers.

In Kreis- und Bezirksligen kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. In Essen erhielt ein Fußballspieler sieben Jahre Platzverbot, weil er seinem Gegenspieler einen Teil der Nase abgebissen hatte.