Boxen

K.o. für Schwarz ist ein Tiefschlag für das Schwergewicht

Der K.o. des Magdeburgers Tom Schwarz gegen Ex-Weltmeister Tyson Fury offenbart die Absurdität der Weltranglisten der Box-Verbände.

Tom Schwarz (l.) als Spielball des ehemaligen Box-Weltmeisters Tyson Fury.

Tom Schwarz (l.) als Spielball des ehemaligen Box-Weltmeisters Tyson Fury.

Foto: John Locher / dpa

Las Vegas. Mit blutiger Nase stand Tom Schwarz nach dem Albtraum von Las Vegas in seiner Ecke und war den Tränen nahe, als plötzlich Tyson Fury (30) seine Arme um ihn legte und den Magdeburger küsste. Nach dem frühen Kampfende in Runde zwei durch technischen K.o. hatte der chancenlose Deutsche im MGM Grand Hotel zumindest einen Freund gefunden.

Box-Riese Fury, der mit dem etwas naiven Newcomer aus Sachsen-Anhalt kurzen Prozess gemacht und dabei dessen Chancenlosigkeit offengelegt hatte, munterte seinen Gegner wieder auf. „Tom ist ein guter Junge. Ich habe ihm versprochen, dass ich ihn nach England hole und dort mit ihm trainiere. Er wird stärker zurückkommen“, verriet Fury und sagte: „Ich mag ihn.“

Fünf Minuten und 54 Sekunden dauerte das ungleiche Duell, in die Schläge des Ex-Weltmeisters wie ein Hagelschauer auf den 25 Jahre alten Schwarz niederprasselten („Seine Schläge fühlten sich wie Beton an“), während der Schwergewichts-Boxer aus dem Magdeburger SES-Stall seinen Gegenüber nicht einmal treffen konnte. Ringrichter Kenny Bayless (USA) brach den Kampf ab, um Schlimmeres zu verhindern. 354 Sekunden, in denen die gesamte Absurdität der Ranglisten der Weltverbände offenbar wurde.

Erste Niederlage für Schwarz im 25. Kampf

Schwarz war als Ranglistenzweiter des Weltverbandes WBO in den Kampf gegangen, Fury als Nummer drei. Erst die Platzierung des Deutschen hatte das Duell, über das sich die Boxwelt wunderte, überhaupt ermöglicht.

Weil er alle seine 24 Profikämpfe zuvor gewonnen hatte, wurde der frühere Junioren-Weltmeister auf den vorderen Ranglistenplatz gehievt. Allerdings: Seine Gegner waren zumeist nicht mal in den Top 100 der Schwergewichtler oder gar nicht erst gelistet. Und selbst gegen die waren seine Kämpfe nicht unbedingt überzeugend. Was also hatte Schwarz für so einen Kampf gegen den Wladimir-Klitschko-Besieger Fury qualifiziert? Der Brite gab die schonungslose Antwort.

„Ich war gekommen, um eine Show für Las Vegas zu bieten“, sagte der 2,06 Meter große Fury triumphierend. „Ich hoffe, es hat allen so gut gefallen wie mir.“ Zur Bestätigung seines Wohlbefindens sang er seiner Frau Paris, die in den Ring geeilt war, ein Liebesständchen. Der erste Kampf seines Mega-Deals mit dem amerikanischen TV-Sender ESPN war leicht verdientes Geld. Rund 80 Millionen Euro für fünf Kämpfe soll der Brite einstreichen.