Bogenschießen

Ein Jahr voller Höhepunkte für die Bogenschützen

Bei den Bogenschützen häufen sich die großen Wettkämpfe. Der wichtigste ist die WM, die am Montag in den Niederlanden beginnt.

Bogenschützin Elena Richter bei der Einkleidung für die European Games.

Bogenschützin Elena Richter bei der Einkleidung für die European Games.

Foto: Andreas Arnold / dpa

Berlin. An sich hatte Lisa Unruh alles so gemacht wie immer. Die Berlinerin hatte ihren Bogen beim Schießen immer schon etwas schräg gehalten, was zwar nicht dem technischen Leitbild entsprach, aber für sie gut funktionierte. Der Erfolg gab ihr Recht – unter anderem holte sie 2016 in Rio de Janeiro Olympiasilber. Doch im Frühjahr wurde aus der Eigenheit plötzlich ein Problem.

Die 31-Jährige traf auf einmal nicht mehr, anstatt 680 Ringen verzeichnete sie Ergebnisse von 620 und darunter. „Das ist schon ein Brocken“, sagt sie. Zumal sie das Problem zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt erwischte. In diesem Jahr jagt bei den Bogenschützen ein Höhepunkt den nächsten: Erst die WM in Den Bosch (Niederlande), die am Pfingstmontag beginnt, danach die European Games in Minsk, der Weltcup in Berlin im Juli sowie die deutschen Meisterschaften Anfang August an gleicher Stelle im Rahmen der Finals2019.

Es geht schon um Olympiastartplätze

„Ich hatte zwischenzeitlich schon Bedenken“, sagt Unruh. Sie entschloss sich zu einer radikalen Technikänderung. Es dauerte eine Weile, ehe diese fruchtete, doch kurz vor der Weltmeisterschaft stimmen die Leistungen inzwischen wieder. Die WM ist von allen Ereignissen in diesem Jahr das wichtigste, denn dort werden schon die meisten Quotenplätze für Olympia 2020 in Tokio vergeben. Mit Platz acht im Teamwettbewerb können sich die Deutschen frühzeitig aller Sorgen entledigen, ansonsten gäbe es nächstes Jahr nur noch eine weitere Chance. „Unsere ganze Vorbereitung war darauf ausgerichtet“, sagt Unruh, die außerdem im Einzel sowie im Mixed antritt. 2017 hatte sie dort gemeinsam mit ihrem Freund Florian Kahllund Silber gewonnen.

Im Teamwettbewerb tritt Unruh mit zwei weiteren Berlinerinnen an, Elena Richter und Michelle Kroppen. Zusammen hat das Trio kürzlich den Europarekord verbessert. „Es ist ein großer Vorteil, dass wir täglich gemeinsam trainieren“, sagt Unruh. Weil im Teamwettbewerb nicht einfach nur die einzelnen Ergebnisse addiert werden, sondern die Schützen sich direkt abwechseln: „So etwas muss man schon üben.“

Improvisieren gehört zum Alltag

Nimmt man Florian Kahllund hinzu, stellt Berlin insgesamt sogar vier WM-Teilnehmer. Die Hauptstadt des deutschen Bogensports wird 2023 auch die WM ausrichten. Eines aber ärgert Lisa Unruh: eine vernünftige Schießhalle gibt es in der Stadt nach wie vor nicht, entsprechende Pläne liegen auf Eis. „Ich bin dezent wütend darüber“, schimpft sie. Die anderen Nationen hätten entweder eine Halle oder klimatische Bedingungen, um auch im Winter draußen zu trainieren. „Wir müssen dagegen ständig improvisieren“, sagt sie. Genau wie bei ihrer Technikumstellung.