NBA-Basketball

Historischer Raptors-Coup lässt eine ganze Nation träumen

Mit dem Team aus Toronto steht erstmals eine Basketball-Mannschaft aus Kanada in der NBA-Finalserie. Selbst der Premier ist verzückt.

Torontos Kawhi Leonard mit der Trophäe für den Gewinn der Eastern Conference.

Torontos Kawhi Leonard mit der Trophäe für den Gewinn der Eastern Conference.

Foto: Frank Gunn / dpa

Toronto.  Der Jubelorkan aus dem Zentrum von Toronto erfasste ganz Kanada. Zehntausende Fans der Raptors verwandelten die Straßen der Millionenmetropole in eine wilde Partyzone, im „Jurassic Park“ herrschte nach dem historischen Coup glückseliger Ausnahmezustand.

Erstmals steht eine Basketball-Mannschaft aus dem Nachbarland der USA in den NBA-Finals. Premierminister Justin Trudeau zeigte sich verzückt. „Geschichte wurde geschrieben. Raptors, jetzt es ist an der Zeit, die Meisterschaft nach Kanada zu holen“, schrieb das Staatsoberhaupt nach dem 100:94 gegen die Milwaukee Bucks.

Superstar Kawhi Leonard und Co. schafften die Überraschung mit dem 4:2 in der „Best of seven“-Serie gegen den Hauptrundensieger um Ausnahmekönner Giannis Antetokounmpo und schwingen sich immer mehr zu „Kanadas Team“ auf, das nun den Serienmeister Golden State Warriors herausfordert.

Raptoren sorgen für riesige Begeisterung

Vor dem Auftakt der Serie wird das Ertönen der kanadischen Nationalhymne nicht nur bei Rapper und Hardcore-Fan Drake für Gänsehaut sorgen, denn das gab es bei 410 Finalspielen in 72 Jahren NBA noch nie. Spiel eins steigt am Donnerstag in Toronto.

Schon während der großen Feier hatten Tausende in der Hauptstadt der Provinz Ontario immer wieder „O Canada“ angestimmt. Die Euphorie ist riesig. Und sie schwappt immer mehr auf das gesamte Land mit 37 Millionen Einwohnern über.

Dabei ist Kanada eine Eishockey-Nation, Toronto eine Eishockey-Hochburg. Das große Public-Viewing der Anhänger fand auf einem Platz statt, der eigentlich Maple-Leaf-Square heißt. Benannt nach dem NHL-Team der Stadt, das 1967 seinen letzten Titel gewann. Aus dem Maple-Leaf-Square wurde jetzt, zumindest für die Play-offs, der „Jurassic Park“. Fans und Spieler der Raptoren sind weiter hungrig.

Im Finale warten die Golden State Warriors

Vor allem Leonard, der das Duell gegen den frustrierten Antetokounmpo mit 27 Punkten und 17 Rebounds erneut für sich entschieden hatte. Nun müsse sein Team mit starkem „mentalen Fokus“ in die Spiele gegen Stephen Curry und Co. gehen und „den Moment genießen“. Fünf Mal in Folge hatten sich die Kalifornier zuletzt den Meisterring gesichert, Golden State ist klarer Favorit. „Man, sie sind Champions“, sagte Leonard.

Doch die Raptors sind zäh und steckten gegen Milwaukee einen 0:2-Rückstand weg. Auch beim letztlich entscheidenden Duell in der Nacht zum Sonntag gaben die Bucks lange den Ton an und führten im dritten Viertel zwischenzeitlich mit 15 Punkten.

„Ich habe einfach von Spielzug zu Spielzug geschaut. Wir haben das ganze Spiel gekämpft“, sagte Leonard. Nun hofft eine ganze Nation auf den ganz großen Triumph.