Bundesliga

Alcacer bis Hoeneß: Die kuriosesten Protagonisten der Saison

| Lesedauer: 10 Minuten
Die Bayern-Bosse Uli-Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge hielten eine legendäre Pressekonferenz ab.

Die Bayern-Bosse Uli-Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge hielten eine legendäre Pressekonferenz ab.

Foto: Sven Hoppe / dpa

Was bleibt von der Saison 2018/19? Ein endlich wieder spannender Titelkampf, Ärger um den Videobeweis – und jede Menge Kurioses.

Berlin.  Endlich wieder ein echtes Titelduell, aber dafür jede Menge Ärger um den Video-Assistenten: Die Bundesligasaison 2018/19 wird in besonderer Erinnerung bleiben – auch wegen ihrer Kuriositäten. Ein Überblick über die prägenden Protagonisten und Momente der abgelaufenen Spielzeit:

Joker der Saison: Paco Alcacer (Borussia Dortmund)

Seinen Spitznamen hat Paco Alcacer im Mannschaftskreis schon länger weg. „Ich nenne ihn Matador, im Sinne von Killer“, berichtete Axel Witsel, nachdem der Spanier im Dienste von Borussia Dortmund mal wieder ganz spät zugestochen hatte. Fünf Tore ab der 90. Minute bedeuten Bundesliga-Rekord.

12 von 18 Toren hat die Leihgabe des FC Barcelona nach ihrer Einwechslung erzielt. Das drückt den Schnitt in der Kategorie „Minuten pro Tor“ weit unter jenen von beispielsweise Robert Lewandowski. Kein Wunder, dass der BVB die Kaufoption zog - das kostete die Dortmunder angeblich 21 Millionen Euro.

„Die Borussia hat mir geholfen, wieder der zu sein, der ich war“, sagt Alcacer. Dennoch würde er selbstverständlich gerne noch häufiger von Beginn an spielen. Problem dabei ist der Fluch der guten Tat: Seine vielen Jokertore sprechen eben eher für eine späte Einwechslung.

Querelen der Saison: Hannover 96

Erst musste Trainer Andre Breitenreiter gehen, dann Manager Horst Heldt und am Ende stand der vorzeitige Abstieg: Für Hannover war die abgelaufene Spielzeit eine Saison zum Vergessen. Anstatt sich nach dem Wiederaufstieg 2017 weiter im Bundesliga-Establishment zu etablieren, stürzten die Niedersachsen böse ab. Besonders in fremden Stadien, dort gelang den Norddeutschen nicht ein einziger Sieg.

Auch abseits des Spielfeldes waren Seriosität und Kontinuität Fremdwörter bei den Roten: Bei einer kontroversen und emotionalen Mitgliederversammlung wurde nicht nur ein Nachfolger von Geschäftsführer Martin Kind als Vereinspräsident gewählt, der 75-Jährige sieht sich seither auch einem kritisch zu ihm eingestellten Aufsichtsrat gegenüber. Der von Kinds Kampf gegen die 50+1-Regel überhaupt nichts hält und erbittert dagegensteuert.

Und der interne Zoff wird weitergehen. Zwar lässt der millionenschwere Unternehmer seinen Antrag auf eine Übernahme der Mehrheitsanteile derzeit ruhen, behält sich aber den Gang vor ein ordentliches Gericht weiterhin vor. An ein ruhiges Arbeiten in der neuen Saison ist nach jetzigem Stand kaum zu denken.

Interview der Saison: Danny da Costa (Eintracht Frankfurt)

Das launige Interview mit, oder besser gesagt „von und mit“ Danny da Costa, ging sofort viral. „Ich kann die Fragen und Antworten selber geben“, schlug der Außenbahnspieler von Eintracht Frankfurt nach dem Einzug der Hessen in die K.o.-Runde der Europa League in Limassol vor. Und das tat er dann vor der Kamera des Hessischen Rundfunks auch.
Frohnatur da Costa arbeitete also die „üblichen“ Fragen der Medien im Schnelldurchgang ab. Unter anderem: „Bin ich froh, dass wir eine Runde weiter sind? Ja. Finde ich es cool, dass die Fans uns so unterstützen? Ja, das finde ich sehr cool.“
Nur einmal strauchelte der Frankfurter, als er angab, dass die Eintracht „das achte Spiel in Folge“ gewonnen habe. „Nee, nicht ganz, nur 22 von 24 Punkten geholt“, erwiderte der Reporter. Da Costa spielte mit und antwortete: „Ja, das ist ausbaufähig, da müssen wir dran arbeiten.“ Taten sie dann auch. Die wundersame europäische Reise der Eintracht endete erst im Halbfinale beim FC Chelsea.

Pressekonferenz der Saison: Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge (Bayern München)

Karl-Heinz Rummenigge zitierte gerade noch Artikel 1 des Grundgesetzes und beschwor „die Würde des Menschen“ - da konterkarierte Uli Hoeneß mit seinem „Scheißdreck“-Angriff gegen den früheren Bayern-Profi Juan Bernat schon wieder alle Worte.

Eigentlich hatten der Vorstandschef und der Präsident von Bayern München nur ein Zeichen setzen und die kriselnde Mannschaft sowie den Trainer vor vermeintlichen Angriffen der bösen Medien schützen wollen. Doch die Pressekonferenz am 19. Oktober lief völlig aus dem Ruder.

Schon jetzt gilt der Auftritt der beiden Bayern-Bosse Rummenigge und Hoeneß als legendär, vor allem Hoeneß sorgte bundesweit für Verwunderung und Entsetzen. Es folgten reichlich Kritik und Häme.„Mit ein wenig Distanz betrachtet sind dort auch Formulierungen gefallen, die wir so heute nicht mehr verwenden würden“, sagte Hoeneß anschließend mehrmals. Auch bei Bernat entschuldigte er sich öffentlich für seinen völlig misslungenen Auftritt.

Ärgernis der Saison: Der Videobeweis

Wohl kein Thema hat in der abgelaufenen Bundesliga-Saison so dauerhaft für Schlagzeilen gesorgt wie der Videobeweis. Landauf, landab wurde gemotzt, geschimpft und gezürnt über den Einsatz der modernen Technik. Der „VAR“ sollte den Fußball gerechter machen, doch nach der zweiten Saison fremdelt die Liga noch immer schwer mit ihm.

Der Videobeweis hat längst ein massives Imageproblem. Der „Kölner Keller“ ist zum Synonym für undurchsichtige Entscheidungen geworden. Vor allem die teilweise willkürliche Auslegung der Handspielregel erhitzte regelmäßig die Gemüter. Und auch bei der Frage, wann sich die Assistenten einmischen und wann nicht, herrschte nie wirklich Klarheit.

Die Probleme hat inzwischen auch der Deutscher Fußball-Bund (DFB) erkannt. Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich schwenkte im Verlauf der Rückrunde von seiner Verteidigungshaltung ab und räumte Redebedarf mit seinen Schützlingen ein. Die Sommerpause soll Verbesserungen bringen. Wie diese aussehen, dürfte entscheidend für die künftige Akzeptanz des Hilfsmittels werden.

Trainer der Saison: Friedhelm Funkel (Fortuna Düsseldorf)

Im Winter gefeuert, im Frühjahr gefeiert: Nachdem der mittlerweile bei Fortuna Düsseldorf selbst geschasste Vorstandsvorsitzende Robert Schäfer Aufstiegstrainer Friedhelm Funkel im Trainingslager in Marbella zu Jahresbeginn quasi im Alleingang den Laufpass zum Saisonende gegeben hatte, sorgten beispiellose Fanproteste sowie der irritierte Aufsichtsrat für die Rolle rückwärts in der Trainerfrage bei den vor Saisonbeginn als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelten Rheinländern.

Der 65-Jährige hatte anschließend mit seinem Team alles selbst in der Hand und durfte sich bereits am 29. Spieltag über den vorzeitigen Klassenerhalt freuen. Dadurch verlängerte sich Funkels Vertrag automatisch bis 2020. Dass die Fortuna sein letzter Verein als Trainer sein wird, hatte der frühere Profi schon im vergangenen Jahr klargestellt. In Düsseldorf wünschen sie sich, dass er dem Klub anschließend in anderer Funktion erhalten bleibt.

Erniedrigung der Saison: Benjamin Stambouli (Schalke 04)

Als sich der Volkszorn entlud, war Benjamin Stambouli plötzlich seine Kapitänsbinde los. Zwei Ultras waren nach dem 0:4-Debakel von Schalke 04 gegen Fortuna Düsseldorf am 2. März aufs Spielfeld gelangt und hatten wild gestikulierend auf die Spieler eingeredet. Einer von ihnen riss dem Franzosen die Spielführerbinde mit der Aufschrift „Nordkurve“ vom Arm.

„Er hat gesagt, dass der Verein immer da sein wird, auch wenn Spieler kommen und gehen“, berichtete Stambouli: „Wir sind kleine Spieler in einem großen Verein.“

Der Diebstahl nach Spielschluss machte mehr als alle Pfiffe deutlich, wie groß die Wut der Schalker Fans nach dem Absturz des Vizemeisters gewesen war. Stambouli und die Mannschaft hatten sich nach dem Schlusspfiff nur sehr zögerlich der Nordkurve genähert - aus Angst vor den wüsten Beschimpfungen der wütenden Fans. Der da noch im Amt befindliche Trainer Domenico Tedesco war dagegen entschlossen vorangegangen und entschuldigte sich mit gefalteten Händen bei den Anhängern.

Entdeckung der Saison: Jadon Sancho (Borussia Dortmund)

Es hätte auch anders kommen können. Hätte Jadon Sancho sich nicht mit sieben Jahren dem FC Watford angeschlossen. Wäre er nicht später entgegen seinem Gefühl an die fußballaffine Harefield Academy im Londoner Westen gegangen, (zu) früh getrennt von Freunden und Familie. Doch es war eine gute Entscheidung, den rauen Londoner Stadtteil Kennington zu verlassen. Dort, sagt Sancho nur, „taten Menschen schlimme Dinge“.

Die folgenden „harten Jahre“ halfen dabei, in Deutschland besser Fuß zu fassen. Jadon Sancho fremdelte - welch Wunder - mit der Sprache, sein Vater Sean zog mit in seine Wohnung. Doch auf dem Platz hätte Sanchos Anpassung kaum glänzender laufen können: Der 19-Jährige war mit seinen Sprints und Dribblings die Sensation dieser Bundesliga-Saison.

Es steht zu vermuten, dass ein gewisser Pep Guardiola ab und an etwas wehmütig auf Sanchos Traumtore schaut. Der spanische Trainer hatte Sancho in England keine Perspektive bieten können - was er kann, erkaufte sich Manchester City dann in Person von Leroy Sane teuer.

Trio der Saison: Luka Jovic, Ante Rebic, Sebastien Haller (Eintracht Frankfurt)

Die Worte von Fredi Bobic klangen wie eine Warnung an die Bundesliga. „Die haben noch alle drei Potenzial in sich“, sagte der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt nach der Hinrunde über die Angreifer Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller.

Einer Hinrunde wohlgemerkt, in der das Trio mit zusammen 26 Toren und 16 Vorlagen aus einem Abstiegskandidaten fast im Alleingang einen Champions-League-Anwärter gemacht hatte. Und in der Luka Jovic beim 7:1 gegen Fortuna Düsseldorf sogar ein Fünferpack gelungen war.

Die Wucht, mit der die Frankfurter Sturmreihe sorgte europaweit für Aufsehen. Aus dem „magischen Dreieck“ wurde schnell die „Büffelherde“, die auch in der zweiten Saisonhälfte häufig erbarmungslos über ihre Gegner hinwegfegte. Kein Zufall, dass die Eintracht just nach dem Ausfall des bulligen Haller ins Stocken geriet.

Im Sommer dürfte das Trio endgültig gesprengt werden. Jovics Abgang zu Real Madrid steht unmittelbar bevor, Haller machte nie einen Hehl aus seiner Liebe zur Premier League und Vize-Weltmeister Rebic erhielt den Lockruf aus England schon im Vorjahr. Die Liga verlöre eine echte Attraktion.

( sid )