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Darum ist die Bundesliga immer noch spitze

Nur Zuschauer bei den Europacup-Finals? Egal. Im internationalen Vergleich ist die Bundesliga stark - und in einem Punkt Weltklasse.

Dortmund-Fans im Signal-Iduna-Park: Der BVB hat mit durchschnittlich 80.230 Zuschauern die meisten Fußball-Besucher weltweit.

Dortmund-Fans im Signal-Iduna-Park: Der BVB hat mit durchschnittlich 80.230 Zuschauern die meisten Fußball-Besucher weltweit.

Foto: Friso Gentsch / dpa

Stuttgart.  Die Fußball-Bundesliga schaut mal wieder nur zu. Wenn in den nächsten Wochen die begehrten Europapokal-Titel vergeben werden, darf sich stattdessen schon jetzt die englische Premier League als Gewinner fühlen.

Im Finale der Champions League spielen am 1. Juni in Madrid der FC Liverpool und die Tottenham Hotspur um den Titel. In der Europa League wird nach dem Endspiel am 29. Mai in Baku entweder der FC Chelsea oder der FC Arsenal den Pokal in den Händen halten.

Sind die Engländer also nicht nur den Deutschen mittlerweile enteilt? Und wo steht die Bundesliga im Vergleich zu den anderen großen Ligen Europas? Eines ist sicher: Abgehängt ist sie nicht.

Die Spannung ist so groß wie lange nicht mehr

So spannend wie in dieser Spielzeit war es im Meisterschaftskampf der Bundesliga schon lange nicht mehr. Erstmals seit 2009 entscheidet sich erst am letzten Spieltag, wer Meister wird.

Zwar war das in der Theorie auch 2010 so - allerdings hatte der FC Bayern damals vor dem 34. Spieltag drei Punkte mehr und das um 17 Treffer bessere Torverhältnis als Verfolger FC Schalke 04. Sollte Borussia Dortmund in diesem Jahr tatsächlich Meister werden, wäre zudem die Bayern-Dominanz mit zuletzt sechs Titeln in Serie gebrochen.

Es ist also ähnlich spannend wie in England, wo die Meister-Entscheidung ebenfalls erst am letzten Spieltag zugunsten von Manchester City fiel. In Spanien (FC Barcelona), Italien (Juventus Turin) oder Frankreich (Paris Saint-Germain) dagegen hatte der neue Champion schon deutlich früher festgestanden.

In der Taktik extrem vielseitig und konsequent

Taktisch haben die Bundesligisten vieles drauf. Es gibt in Deutschland jedoch kaum Teams, die ein Spielsystem mit einer solchen Klarheit und Konsequenz verfolgen wie etwa RB Leipzig. Die auf Angriffspressing und schnellem Umschalten basierende Spielweise erinnert in Zügen an die des FC Liverpool. Ein Tiki-Taka à la Manchester City gibt es in der Bundesliga diese Saison nicht.

Ansonsten wird in den anderen Topligen aber auch nicht viel anders gemacht. Allerdings verfügen beispielsweise die Engländer wegen ihrer üppigen TV-Gelder über deutlich mehr Stars. Ob eine taktische Idee Erfolg hat, hängt maßgeblich von der Qualität ihrer Spieler ab.

Erfrischende Ausnahmen: Ajax Amsterdam, das mit etlichen Toptalenten und einem mutigen System fast ins Champions-League-Finale gestürmt wäre - oder die Frankfurter Eintracht, die es beinahe ins Europa-League-Endspiel geschafft hätte.

Bei den Zuschauerzahlen fünf deutsche Klubs weltweit in den Top Ten

Was die Zuschauerzahlen angeht, bewegt sich die Bundesliga auf Weltklasse-Niveau. Mitte April hatte das Schweizer Institut „CIES Football Observatory“ seine jüngste Statistik zu den durchschnittlichen Stadionauslastungen weltweit von 2013 bis 2018 veröffentlicht.

Fünf deutsche Klubs finden sich dort allein in den Top 10 wieder: Borussia Dortmund steht mit 80.230 Zuschauern im Schnitt sogar an der Spitze gefolgt von Manchester United (75.218) und Barcelona (74.876). Auf Rang vier stehen die Bayern (73.781), der FC Schalke ist Sechster (61.328), der Hamburger SV Achter (52.349) und der VfB Stuttgart Neunter (52.012).

Doch die ganz großen Stars gehen noch ins Ausland

Zumindest nach dem Geschmack der Bayern ist es diese Saison etwas zu spannend. Die französischen Weltmeister Lucas Hernandez und Benjamin Pavard stehen bereits als Neuzugänge fest, darüber hinaus will der Rekordmeister weiter aufrüsten.

Die Münchner dürften die Liga also weiter dominieren - aber auch der BVB plant eine deutliche Aufbesserung seines Kaders.

Ob die deutschen Branchenführer sich dann auch international wieder zu Titelanwärtern entwickeln, bleibt abzuwarten. Denn das große Geld zieht viele Stars nicht nur nach England, sondern auch zu Klubs wie Paris Saint-Germain oder natürlich auch Barcelona, Madrid oder Turin. Es wird zumindest nicht leichter, die Champions League zu gewinnen.