Handball

Wie gläserne Profis die Bundesliga attraktiver machen sollen

Mit der Einführung von Chips in Trikots und Ball bekommen Handball-Fans ab Sommer einen genauen Einblick in die Leistung der Spieler.

Ab Sommer werden Trainer, Spieler und Fans in Sekundenschnelle wissen, mit wie vielen Stundenkilometern der Ball auf Silvio Heinevetters Tor geworfen wurde.

Ab Sommer werden Trainer, Spieler und Fans in Sekundenschnelle wissen, mit wie vielen Stundenkilometern der Ball auf Silvio Heinevetters Tor geworfen wurde.

Foto: Marco Wolf / picture alliance / Marco Wolf

Hamburg. Wer ist der Schnellste? Wer springt am höchsten? Wer wirft am härtesten? Die Handball-Bundesliga will es künftig ganz genau wissen. Eine neue Technologie der Echtzeit-Datenerfassung soll den Sport ab der kommenden Saison attraktiver machen. Die Millionen-Investition der HBL könnte für andere Profiligen beispielgebend sein.

„Wir sind die erste Liga, die diese Technik flächendeckend einsetzt und systematisch für alle Bundesligisten nutzbar macht“, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Er sieht den deutschen Handball damit in einer Pionierrolle: „Wir sehen die Technik als ein Investment in die Spieler und in den Sport.“

14 WLAN-Router sammeln die Daten

Neben dem unbestrittenen Mehrwert für Teams und Trainer sollen Fans, Medien und Sponsoren zusätzliche „faszinierende Blickwinkel“ eröffnet und „neue Erlebniswelten und innovative Angebote“ geschaffen werden. Die Technologie von Kinexon, bislang vor allem von Klubs in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA eingesetzt, erinnert ein Stück weit an das „Big-Brother-Prinzip“.

Die Profis der 18 Bundesligisten werden ab Sommer bei den Liga-Spielen mittels kleiner Chipkarten in Trikot und Ball auf Schritt und Tritt bis in den letzten Winkel des Spielfeldes verfolgt. Durch je 14 kleine WLAN-Router pro Spielstätte werden die Daten in Sekundenbruchteilen unter der Hallendecke zusammengefügt und abrufbar gemacht - und die Handballer so zu gläsernen Sportlern.

Handball-Bundesliga investiert fünf Millionen Euro

„Ich gehe fest davon aus, dass diese Art der Datenerfassung für jede medial aufbereitete Sportart in mittelfristiger Zukunft ein Standard sein wird“, sagt Bohmann: „Vor vielen Jahren haben wir uns schließlich auch gefragt: Brauchen wir überhaupt eine Zeitlupe?“ Die Kunst werde es sein, „die Daten so zu selektieren, dass jeder das bekommt, was ihn interessiert, und niemand von Daten erschlagen wird“. Man dürfe die Fans nämlich keinesfalls überfordern.

Fast fünf Millionen Euro investiert die Liga mit ihren Klubs für den Vertrag bis 2023. Die Reaktionen aus den Vereinen seien bislang „durchweg positiv“, so Bohmann: „Fortschritt ist schließlich der Freund eines jeden Trainers.“

Ob Wurfbilder, Laufwege oder Einsatzzeiten - die Teams bekommen künftig alle für sie relevanten Informationen bei sämtlichen 306 Ligaspielen und anderen HBL-Veranstaltungen direkt und live auf ihr Tablet am Spielfeldrand.

Trainer hoffen auf Prävention von Verletzungen

Maik Machulla, Trainer des amtierenden deutschen Meisters und aktuellen Tabellenführers SG Flensburg-Handewitt, sieht in den tiefgreifenden Veränderungen viele Vorteile. „Durch das Tracking haben wir im Wettkampf und Training einen präzisen, kontinuierlichen Einblick in die Leistungsparameter jedes Spielers. Daraus lassen sich wichtige Erkenntnisse ableiten, die dabei unterstützen, Spieler und Teams athletisch weiterzuentwickeln“, sagte Machulla.

Auch bei der Belastungssteuerung erhoffe er sich „einen Mehrwert, so kann die Verfügbarkeit zusätzlicher Daten die Früherkennung unterstützen und Spieler vor Verletzungen schützen“.

Ihre Feuertaufe erlebte die Technik beim All-Star-Game im Februar. „Der Einsatz wird von einer großen Mehrheit getragen“, sagte Bohmann: „Nun muss das Ganze aber auch funktionieren, sonst schlägt die Euphorie schnell in Skepsis über.“