England

Trotz Meisterschuss serviert Guardiola Kompany ab

Alle riefen „Schieß nicht“, dann traf er erstmals von außerhalb des Strafraums und rettet die Tabellenspitze. Trotzdem muss er Man City verlassen.

Vincent Kompany freut sich mit Pep Guardiola über den Sieg gegen Leicester.

Vincent Kompany freut sich mit Pep Guardiola über den Sieg gegen Leicester.

Foto: JASON CAIRNDUFF / Action Images via Reuters

Manchester. Mit Tränen in den Augen verfolgte Vincent Kompany das kleine Freudentänzchen von Pep Guardiola und schloss seinen Coach dann in die Arme. Hoch emotional feierte der frühere Hamburger sein Traumtor zum 1:0 über Leicester City, mit dem er den Mini-Vorsprung von Manchester City auf Jürgen Klopps FC Liverpool vor dem Meisterschafts-Showdown und damit wohl den Titelgewinn rettete.

„Ich habe gehört, wie alle gerufen haben: „Schieß nicht, schieß nicht“, sagte der unerwartete Matchwinner über seinen Schuss in den rechten Winkel 20 Minuten vor Schluss. „Aber ich bin nicht so weit in meiner Karriere gekommen, um mir von jungen Spielern sagen zu lassen, wann ich zu schießen haben.“

Die englische Presse feiert den City-Verteidiger

Bei der Gratulation nach dem Schlusspfiff zu den Fangesängen des Beatles-Klassikers „Hey Jude“ konnte sich auch Leroy Sané ein Feixen nicht verkneifen. Verzweifelt war das Ensemble mit dem Guardiola-typischen feinem Kombinationsfußball immer wieder an der Verteidigung des Meisters von 2016 gescheitert - bis es Kompany mit Gewalt versuchte.

Dank des Verteidigers, der erstmals in seiner elfjährigen Premier-League-Karriere von außerhalb des Strafraums traf, reicht den Citizens im Titelkampf mit Liverpool nun ein Sieg bei Brighton and Hove zum Triumph. Als „Captain Marvel“ („Guardian“) und „Captain Fantastic“ („Daily Telegraph“) durfte sich Kompany am Dienstagmorgen in den englischen Zeitungen feiern lassen.

Coach Guardiola bekennt sich nicht zu seinem Siegtorschützen

„Er ist ein unglaublicher Mensch und hilft mir sehr viel. Dieser Klub ist das, was er ist, wegen Leuten wie Vincent“, lobte Guardiola seinen 33 Jahre alten Kapitän, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft. Der Ex-Bayern-Coach, der auf der Bank ebenfalls „Schieß nicht, Vinnie“ dachte, vermied aber eine konkrete Aussage zu dessen Zukunft. „Wir werden zusammen ein Bier trinken und entscheiden, was das Beste für den Klub ist.“ Ein Bekenntnis klingt anders.

Diese Saison hatte Guardiola nicht immer Verwendung für den Belgier, der bislang auf 16 Ligaeinsätze kam und mehrfach verletzt war. Als Kompany mit seinen Kindern auf dem Rasen des Etihad Stadiums spielte, war ihm die Rührung deutlich anzusehen. „Die letzten Jahre habe ich jedes Spiel so gespielt, als ob es mein letztes ist“, erklärte er die Emotionen.

Der Belgier glaubt an den Titel

Beim 13. Sieg in Serie von City wiederholte sich auch ein wenig Club-Geschichte. Schon 2014 hatte Kompany im Meisterschafts-Fernduell mit Liverpool beim 2:0 gegen West Ham United am letzten Spieltag ein ganz entscheidendes Tor geschossen.

Vor dem Saison-Abschluss am kommenden Sonntag haben die Reds von Klopp nun einen Zähler Rückstand und müssen bei einem eigenen Sieg über Wolverhampton auf einen Ausrutscher des Rivalen hoffen. „Mit der Qualität, die wir im Team haben, dürfen wir an uns glauben“, verkündete Kompany aber bestimmt.