Tennis

Federer hat große Ziele beim Comeback im Sand

Drei Jahre lang mied der Schweizer den langsamen Belag, doch nun startet er in Madrid - und denkt dabei schon an die French Open.

Elf Turniere auf Sand konnte Roger Federer bislang gewinnen, 2009 auch die French Open.

Elf Turniere auf Sand konnte Roger Federer bislang gewinnen, 2009 auch die French Open.

Foto: Jim Rassol / dpa

Berlin. Beim Masters-Turnier in Spaniens Hauptstadt Madrid wird Tennisprofi Roger Federer sein erstes Match auf Sand seit Mai 2016 bestreiten. Bereits im Januar hatte der Schweizer Maestro diese Rückkehr angekündigt. „Es war die richtige Entscheidung“, sagte er jetzt nach seiner Ankunft in der Caja Magica, der „Zauberkiste“ – und betonte: „Ich fühle mich gut, mental und körperlich, und habe Lust, gutes Tennis zu spielen. Ja, ich kann sagen: Alles ist wunderbar.“

Aber wie wunderbar? Nach dem Ausscheiden vor drei Jahren in Rom sagte Federer wegen Rückenproblemen seinen Start bei den French Open ab – nach 65 Grand-Slam-Starts in Serie. Im Jahr darauf verzichtete wegen Knieproblemen sogar komplett auf die Sandplatzsaison. Im Vorjahr spielte er nach seinem Sieg bei den Australian Open erneut nicht auf Asche, um sich gezielt auf die Rasenturniere vorzubereiten. Nun hat der 37-Jährige umgedacht. Einen Monat trainierte er in der Heimat auf rotem Untergrund, ehe er nach Madrid reiste. Es habe ihm „viel Spaß gemacht“, aber: „Mir ist bewusst, dass das erst Training war, im Match wird’s sicher anders.“

2015 gelang ihm der letzte Turniersieg auf Asche

Federer hat angeblich „keine hohen Erwartungen“, sagt aber auch, es sei „viel möglich“. Sein letzter Bezwinger auf Sand traut diesem Understatement aber nicht. „Wenn Roger nicht in der Lage wäre, jedes Turnier zu gewinnen, dann würde er da auch nicht mitspielen. Also ich erwarte ihn in absoluter Topform“, sagte der Österreicher Dominic Thiem.

Nicht umsonst war Federer ja auch auf Sand oft erfolgreich. Bei den French Open etwa siegte er 2009, vier weitere Male stand er im Finale, jeweils gegen Rafael Nadal. Von seinen 101 Turnieren hat der Schweizer immerhin elf auf diesem Untergrund gewonnen, das letzte 2015 in Istanbul. Und auch in Madrid war der Schweizer schon erfolgreich, zuletzt 2009. Damals war die Asche in Madrid allerdings noch blau.

Warum tut sich einer wie Federer die Plackerei im Sand nun wieder an, die stundenlangen Rutschübungen gegen die Spezialisten oder gegen die sehr viel Jüngeren? „Ich habe mich gesundheitlich gut gefühlt, es gab auch niemandem im Team, der dagegen war“, erzählte Federer. Er habe sich auch nicht verpflichtet gefühlt, keinen Druck gespürt, „ich weiß ja schon, dass einige mich kritisiert haben, weil ich mich in den vorigen Jahren in der Sandplatzsaison angeblich ausruhte. Aber es war jetzt meine eigene, selbstverantwortete Entscheidung.“

Das Comeback von Golfgigant Woods inspiriert auch ihn

Ihn reizen der Nervenkitzel, das Ungewisse. Und natürlich hat er zuletzt auch auf die alten Helden anderer Sportarten geschaut. „Überraschungen, wohin man blickt“, sagte Federer, „da passiert viel Verrücktes.“ Wie Tiger Woods und sein Triumph beim US Masters: „Was für ein Comeback. Absolut gigantisch“, staunte auch Federer. Und dann war da auch noch Dirk Nowitzki und dessen Abschied aus der NBA: „Diese Karriere war schon sensationell. 21 Jahre bei einem Klub, dass es so etwas noch gibt.“

Krisen-Tipps für Titelverteidiger Alexander Zverev

Auch die Krise von Alexander Zverev ließ Federer. Nicht nur, weil der Deutsche als möglicher Mandant der Managementfirma Team 8 ist, deren Klient und Teilhaber der Schweizer ist. Federer sagt, er möge „Zverev einfach“, er habe ihm auch immer mal wieder „einen Ratschlag gegeben.“ Und nun, wie sollte Zverev (in Madrid Titelverteidiger) diese Lage angehen? „Er muss sich selbst helfen, es wird ihn stärker machen. Er muss das als Herausforderung sehen, als Chance auch, noch mehr auf eigenen Füßen zu stehen“, sagt Federer, „ich weiß, wovon ich spreche. Auch ich hatte diese Momente, in denen ich dachte: Es geht nicht weiter. Aber es ging weiter.“ Und wie.