Champions League

Wie Liverpool das Fußball-Wunder schaffen will

Trainer Klopp muss mit Liverpool im Halbfinal-Rückspiel der Champions League ein Fußball-Wunder gegen den FC Barcelona schaffen.

Liverpools Andrew Robertson (l.) beim Versuch, Barcelonas Luis Suarez zu stoppen.

Liverpools Andrew Robertson (l.) beim Versuch, Barcelonas Luis Suarez zu stoppen.

Foto: ALBERT GEA / Reuters

Barcelona/Liverpool. Erinnert sich jemand noch an Oliver Kirch und Milos Jojic? Sie bildeten das zentrale Mittelfeld, als Borussia Dortmund unter Jürgen Klopp eine famose Aufholjagd gegen Real Madrid startete und im Viertelfinale 2014 nur um ein Tor den Ausgleich eines 0:3 aus dem Hinspiel verpasste. Kirch und Jojic kamen wegen Verletzungen und Sperren ins Team, vorher und nachher hat man nicht allzu viel von ihnen gehört. Aber in jener Nacht spielten sie wie beseelt.

Nach Firmino fällt auch Salah aus

Wo die Energiefelder des Trainers Klopp und eines entfesselten Publikums zusammenfinden, da kann Besonderes passieren: So lautet jetzt auch die Hoffnung an Liverpools Anfield Road. Nicht nur muss an diesem Dienstag im Champions-League-Halbfinale ein 0:3 gegen den FC Barcelona (21 Uhr, DAZN und Sky) egalisiert werden, es fallen mit Roberto Firmino und Superstar Mohamed Salah auch noch zwei Drittel des gefürchteten Sturmtrios aus. Definitiv, wie Klopp am Montag bestätigte: Wo Firminos Muskel seit Wochen schwächelt, habe Salah wegen einer Gehirnerschütterung ärztliches Einsatzverbot. Der Belgier Divock Origi und der Schweizer Xherdan Shaqiri könnten das Duo ersetzen.

Klopp beschwört Geduld bei der Aufholjagd

Dem deutschen Trainer ging es vor diesem Hintergrund vor allem darum, keine unrealistischen Erwartungen zu schüren. „Wir wollen eine Atmosphäre schaffen, diese Atmosphäre nutzen und den Fußball feiern. Mit Herz, Lunge, Beinen und guten Entscheidungen.“ Zu denen gehöre es auch, Schritt für Schritt zu denken. „Step by step“, Klopp betonte das mehrfach. Man dürfe nicht gleich alles auf einmal wollen. „Man kann auch in den letzten fünf Minuten noch drei Tore schießen.“

Oder jedenfalls in den letzten 25 Minuten, wie Liverpool im Europa-League-Viertelfinale 2016 zeigte, als aus einem 1:3 gegen Dortmund noch ein 4:3 wurde. Der junge Außenverteidiger Trent Alexander-Arnold war damals als Zuschauer im Stadion. „Ich weiß, dass die Fans an uns glauben werden“, sagte er am Montag. Mit Grund, wie Ersatzverteidiger Dejan Lovren, Siegtorschütze gegen Dortmund, ergänzt: „Wir sind Liverpool, wir sind einmalig. Wir haben die Eier für die größten Comebacks.“

Barcelona und Messi sind gewarnt

Bei Barca bräuchten sie gar nicht erst solche Sprüche hören, um mit größter Vorsicht anzureisen. Vorige Saison verspielte die Mannschaft von Ernesto Valverde im Viertelfinale beim AS Rom just einen Drei-Tore-Vorsprung und schied mit 0:3 (nach 4:1 im Hinspiel) aus. Einem AS Rom, dem Liverpool dann im Halbfinalhinspiel (5:2) zwischen der 35. und der 68. Spielminute fünf Tore einschenkte. „Wir wissen, dass es schwer wird“, sagte Kapitän Lionel Messi schon direkt nach Schlusspfiff des Hinspiels. „Wir fahren in ein sehr schwieriges Stadion mit viel Geschichte.“

Barcelona fürchtet den Kontrollverlust

Wo auch die Heimatmosphäre des Camp Nou zur glänzenden Auswärtslage verhalf, wissen sie um die Kraft der Emotionen von den Rängen. Und wo Liverpool schon auswärts immer wieder Phasen hatte, in denen es die physisch unterlegenen Katalanen „erstickte“ (Messi), könnten sich diese im Rückspiel vervielfachen. Nichts fürchten sie bei Barcelona mehr als den Kontrollverlust. Die Minuten des Irrsinns, in denen Liverpool so gewaltig attackieren kann, auch wenn es wegen des parallelen Titelkampfs in der Liga mit Manchester City eigentlich müder sein müsste.

Alle rationalen Faktoren sprechen für die Gäste, die bereits als spanischer Meister feststehen, am Wochenende die Stammelf schonen konnten und nur auf den verletzten Ousmane Dembélé verzichten müssen, der im Hinspiel die Chance zum 4:0 vergab. „Hoffentlich müssen wir uns an die nicht noch erinnern“, sagt Barcelonas Sportdirektor Guillermo Amor. Im Fußball gibt es schließlich auch das Irrationale.