Bundesliga

Die Bayern halten Kurs Richtung Titel

Rekordmeister FC Bayern verteidigt Tabellenführung mit Arbeitssieg gegen Schlusslicht Hannover. Robben-Rückkehr in der Schlussphase.

Die Bayern feiern ihren Sieg gegen Hannover 96

Die Bayern feiern ihren Sieg gegen Hannover 96

Foto: Matthias Balk / dpa

München.  Vor dem Anpfiff wurden die Double-Helden in der Münchner Arena geehrt, die von 1969. Damals, vor 50 Jahren, schaffte die Elf um Kapitän Werner Olk den ersten Doppelpack der Bayern-Historie. Trainer Branko Zebec gelang dieser Erfolg in seiner Premierensaison.

Und Niko Kovac? Der aktuelle Chefcoach kann auch noch das Double schaffen. Den ersten Schritt machten seine Bayern am Samstagnachmittag. Der Tabellenführer erledigte seine Pflichtaufgabe an diesem drittletzten Spieltag größtenteils souverän, aber auch mit ziemlichen Längen im Spiel. Es fehlte an Esprit und Durchschlagskraft, immerhin wurde das Minimum abgerufen.

Gegen So-gut-wie-Absteiger Hannover 96 gewann Bayern mit 3:1 (2:0). „Wir haben das vernünftig gemacht“, sagte Hannovers Trainer Thomas Doll, „ist doch klar, dass wir nicht nach München kommen und den FC Bayern an die Wand spielen.“ Die Tore erzielten Robert Lewandowski, Leon Goretzka und der eingewechselte Franck Ribéry. Kovac kritisierte: „Wir hätten mit 4:0 in die Pause gehen müssen, dann hätten wir Ruhe gehabt.“ So aber kam aus heiterem Himmel das 2:1 durch einen via Videoschiedsrichter gegebenen Handelfmeter, den Jonathas verwandelte. Doll meinte: „Ein Phantom-Elfer!“ Letztlich aber ohne Wirkung.

Beckenbauer lästert über „verwöhnte Truppe“

„Niko sollte das Double schaffen, er muss es schaffen“, meinte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer, Augenzeuge im Stadion. Als einer der geehrten Helden von 1969 betonte Beckenbauer, dass er Kovac den Triumph wünsche, „um denen die lange Nase zu zeigen, die nicht an ihn geglaubt haben“. Mit der Mannschaft jedoch ging der 73-Jährige sehr hart ins Gericht. Beckenbauer: „Der FC Bayern ist stark genug für das Double. Die Mannschaft braucht nur die richtige Einstellung.“ In diese Richtung argumentiert auch immer Uli Hoeneß, der aktuelle Präsident.

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge jedoch wünscht sich eine spielerische Fortentwicklung, gibt sich gegenüber Kovac und dessen Zukunft betont kühl und unklar. Beckenbauer über seine Bayern weiter:

„Sie hätten den Sack schon längst zu machen können, das ist aber nicht gelungen. Wenn ich die Spiele in der Champions League und der Europa League sehe, wie da gefightet wird, da meine ich manchmal, die Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft zu sehen.“ Harte Worte. Der Kaiser entlastet den von Fans und Experten kritisch gesehenen Kovac: „Es ist nicht leicht, die Mannschaft zu trainieren. Es ist eine verwöhnte Truppe.“

Hitzfeld lobt Bayern-Trainer Kovac

In die Diskussion um Kovac, merkwürdigerweise auf dem Höhepunkt des Titelrennens, hat sich auch Bayerns Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld eingeschaltet. Mit Blick auf Rummenigge sagte er zu „t-online“: „Er ist immer skeptisch und pessimistisch, wenn man nicht alle drei Titel holt. Jetzt kann man noch zwei holen – und dann wäre es eine unglaublich gute Saison.“ Ganz auf Hoeneß-Linie, seinem Vertrauten, der bei einem Double-Gewinn der Saison die Note „eins minus“ geben würde.

Hitzfeld weiter: „Von daher finde ich es etwas übertrieben, dass Karl-Heinz Rummenigge immer wieder vieles infrage stellt. Aber das gehört zum FC Bayern.“ Und nochmal, jetzt auf Kovac bezogen: „Ich habe kein Verständnis, wenn Niko Kovac jetzt infrage gestellt wird. Er hat einen sehr guten Job gemacht und den Umbruch gestaltet. Er hat die Voraussetzungen, um eine Ära zu prägen.“ Da bilden sich Allianzen in der Diskussion um den Trainer, der versucht, „das alles auszublenden“.

Hannovers Jonathas mit Tor und Platzverweis

Zwei besondere Auftritte gab es noch, einer hier, einer dort. Einer dauerte neun Minuten und drei Sekunden. Hannovers Mittelstürmer Jonathas, zur Pause eingewechselt, verwandelte einen Handelfmeter zum 1:2 (51.), sah direkt im Anschluss wegen Unsportlichkeit Gelb und drei Minuten später nach Check gegen Kimmich Gelb-Rot. Feierabend. Da war der Nachmittag für Arjen Robben (35) viel schöner. In der 86. Minute feierte der Holländer sein Comeback nach tristen fünf Monaten der ewigen Verletzungen und Rückschläge, wurde von den Fans lautstark gefeiert.

Er spüre „Dankbarkeit“, betonte Robben, sagte aber auch: „Es ist noch viel drin in den letzten Wochen für uns. Ich bin nicht nur auf dem Platz, um den Fans zu winken.“ Patrick Strasser