Radsport

Die Übermächtigen werden noch mächtiger

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Christopher Froome (l.) zieht heute erstmals das Trikot des neuen Team-Sponsors an. Der gibt noch mehr Geld als zuvor Sky

Christopher Froome (l.) zieht heute erstmals das Trikot des neuen Team-Sponsors an. Der gibt noch mehr Geld als zuvor Sky

Foto: ExpaReinhard Eisenbauer / dpa

Aus dem dominierenden Radsportteam Sky wird jetzt Ineos. Die Premiere begleiten Proteste, die Konkurrenz zittert schon

Berlin. Christopher Froome ist den Zorn des Volkes gewohnt. Der viermalige Tour-de-France-Sieger wurde bespuckt, bepöbelt und einst sogar mit einem Urinbecher beworfen. Seine Dominanz und die unnahbare Art, vor allem aber die stete Kontroverse um sein oft in Graubereichen des Regelwerks agierendes Team Sky machten ihn zur Zielscheibe der Fans. Auf das, was Froome bei seinem ersten Einsatz für sein neues, altes Team erwartet, ist der Brite mental also durchaus vorbereitet.

Bei der am Donnerstag beginnenden Tour of Yorkshire wird Froome erstmals im Trikot des neuen Sponsors Ineos in die Pedale treten – und wieder wird ihn eine Welle des Protests begleiten. Etwa 10.000 Demonstranten haben sich angekündigt. Die Wut richtet sich dieses Mal aber nicht gegen Froome persönlich. Vielmehr steht der Chemie-Multi Ineos und dessen größter Anteilseigner Jim Ratcliffe, seines Zeichens mit einem geschätzten Vermögen von 24,5 Milliarden Euro reichster Brite, im Zentrum der Kritik.

Reichster Engländer gibt jetzt das Geld

„Das Sponsoring von Ineos entbehrt nicht einer gewissen Ironie, nachdem das Team Sky im vergangenen Sommer Wale auf den Trikots trug, um auf die Plastikverschmutzung in den Ozeanen aufmerksam zu machen“, sagte Steve Mason von der Aktivistengruppe Frack Free United. Ineos ist einer der weltgrößten Plastikhersteller und mit umfangreichen Fracking-Rechten in der Grafschaft Yorkshire ausgestattet.

Dabei sollte die Tour of Yorkshire eigentlich der feierliche Start in ein neues Kapitel sein. Dass ein derartiger Global Player in den Radsport einsteigt, ist für die von vielen Dopingskandalen gebeutelte Branche per se ein gutes Zeichen. Der Spannung dürfte der Einstieg des Milliardärs aber nicht unbedingt zuträglich sein. Seit Jahren beherrscht Sky die Szenerie.

Riesenetat soll sogar noch steigen

In den vergangenen sieben Jahren hat das Team durch Bradley Wiggins, Froome und zuletzt Geraint Thomas sechs Mal die Tour de France gewonnen und beherrscht. „Jetzt werden sie wahrscheinlich Aston Martins als Teamautos und ein Space Shuttle als Bus haben“, scherzte bereits Max Sciandri, Sportdirektor des Teams Movistar, am Rande der Rundfahrt Tirreno-Adriatico. Das Budget liegt bei 36 Millionen Euro pro Saison, meilenweit über dem der Konkurrenz und soll sogar steigen.

Das Medienunternehmen Sky hatte ursprünglich zum Jahresende seinen Ausstieg aus dem Radsport angekündigt. Nun geht es bereits schneller. Froome zeigte sich enthusiastisch, „dass diese besondere Mannschaft“ bis 2020 und darüber hinaus zusammenbleibt. Auch Thomas, dessen Vertrag bis 2021 und damit ein Jahr länger als der von Froome läuft, war „sehr glücklich“.

Als nächstes will Ratcliffe wohl Chelsea kaufen

Für Ratcliffe ist es das nächste Engagement im Sport. Zuvor war er bereits in den Segelsport eingestiegen. Mit einem Budget von 126 Millionen Euro unterstützt der 66-Jährige das Projekt des viermaligen Olympiasiegers Sir Ben Ainslie um den America's Cup 2021. Laut britischen Medienberichten soll Ratcliffe auch an einem Kauf des englischen Fußballklubs FC Chelsea interessiert sein.

Ganz ohne Risiko ist der Einstieg in den Radsport für Ratcliffe aber nicht. Denn die Sky-Mannschaft genießt nicht gerade einen guten Ruf. Allzu häufig bewegte sich das Team am Rande des medizinisch Erlaubten – und womöglich darüber hinaus, hat viele Affären durchlebt. Das macht das Team genauso unbeliebt wie die finanzielle Überlegenheit.

( BM )