Sogar Nowitzki gratuliert

Hamburg hat endlich wieder einen Erstligisten

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Ekstase pur: die Hamburg Towers feiern den Aufstieg.

Ekstase pur: die Hamburg Towers feiern den Aufstieg.

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Deutschlands zweitgrößte Stadt ist zurück in Liga eins: Die Basketballer der Hamburg Towers steigen auf - mit ungewöhnlichem Konzept.

Hamburg.  Als auch noch sein alter Kumpel Dirk Nowitzki aus Dallas per WhatsApp gratulierte, konnte Marvin Willoughby seine Freudentränen nicht mehr zurückhalten. „Jetzt kommt alles bei mir hoch. Ich kann nicht glauben, was wir geschafft haben“, sagte der Sportchef des neuen Basketball-Bundesligisten Hamburg Towers.

Fünf Jahre nach ihrer Gründung und einen Tag nach dem entscheidenden 78:72 im fünften und letzten Play-off-Spiel bei den Niners Chemnitz sind die Towers plötzlich der Leuchtturm des Profisports in der Hansestadt. Zweitliga-Fußball beim Hamburger SV und dem FC St. Pauli, Zweitliga-Handball beim HSV Hamburg, die Hamburg Freezers vor drei Jahren aus der DEL eliminiert – dieses Vakuum ist nun wieder gefüllt.

Langfristige Pläne in Liga eins

Doch daran mochte Trainer Mike Taylor kurz nach dem hart erkämpften Triumph nicht denken. Der US-Headcoach lobte lieber den Erfolgshunger seiner Mannschaft: „Es war ein wahrer Team-Erfolg.“ Für Taylor ist es schon der dritte Aufstieg seiner Trainerlaufbahn. Und so wurde bis kurz vor vier Uhr morgens ausgiebig gefeiert.

Die Zuversicht ist riesig bei den Hanseaten, ein einjähriges Intermezzo in Liga eins reicht ihnen nicht. „Wir wollen uns in dieser Liga perspektivisch entwickeln“, sagte Willoughby als Gast im NDR-Sportclub. Der 41 Jahre alte Ex-Nationalspieler wuchs im migrationsgeprägten Stadtteil Wilhelmsburg auf und ist auf der größten Flussinsel Europas weit mehr als nur der Sportchef eines dort beheimateten Profiklubs.

Ex-Profi Willoughby ist mehr als ein Sportchef

Schon seit 13 Jahren engagiert sich Willoughby, der einst mit Nowitzki in Würzburg spielte, für den gemeinnützigen Verein „Sport ohne Grenzen“, aus dem heraus die Towers entstanden. Hier entdeckte und förderte er etwa den späteren Alba-Profi Ismet Akpinar.

Als Spielstätte wird auch nach dem Aufstieg weiterhin die Sporthalle im Wilhelmsburger Inselpark mit 3400 Zuschauerplätzen dienen, 2013 als Blumenhalle Zentrum der Internationalen Gartenschau.

Mittelfristig aber wollen und müssen die Türme noch weiter in den Himmel wachsen, die Pläne dafür sind bereits in Arbeit. Initiiert vom Hauptgesellschafter Tomislav Karajica soll im Nachbarstadtteil Veddel für rund 150 Millionen Euro eine Mehrzweckhalle namens Elbdome entstehen.

Bau einer neuen Arena geplant

„Auf Dauer ist eine Arena dieser Größenordnung für Hamburg unverzichtbar. Ohne eine Halle mit dieser Besucherkapazität wird sich keine Mannschaft langfristig in der ersten Liga halten können“, sagte Karajica im Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“.

Bei diesem Projekt dürfen die Towers durchaus auf Unterstützung aus der Politik hoffen. Hamburgs Innensenator Andy Grote hatte sogar eine Schneise in seinen dicht gefüllten Terminkalender geschlagen und die Basketballer nach Chemnitz begleitet.

Und auch der SPD-Politiker hatte das schwarze Kult-T-Shirt mit dem Saisoneröffnungsspruch von Headcoach Taylor übergestreift: „You can’t guarantee an Aufstieg.“ Gereicht hat es für die Norddeutschen trotzdem.

( sid )